Österreichische Forscher über Kinder & COVID

Neue Studie: Diese Rolle spielen die Schulen bei der Corona-Ansteckung

Wie ansteckend sind Kinder?
Wie ansteckend sind Kinder?
© imago images/Cavan Images, Cavan Images via www.imago-images.de, www.imago-images.de

10. Dezember 2020 - 15:17 Uhr

Neue Erkenntnisse dank österreichischer Schulstudie

​Welche Rolle spielen Schulen bei der Verbreitung des Coronavirus? Dieser Frage gehen Forscher weltweit seit Beginn der Pandemie nach. Zuletzt zeigte eine Studie des Helmholtz Zentrum München, dass scheinbar deutlich mehr Kinder mit dem Coronavirus infiziert sind, als zunächst angenommen. Viele der betroffenen Kinder zeigten keinerlei Symptome, was auf eine hohe Corona-Dunkelziffer bei Kindern hindeutet. Nun haben österreichische Wissenschaftler eine große Schulstudie durchgeführt – und liefern neue Erkenntnisse.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Liveticker auf RTL.de +++

Stecken sich Schüler häufiger an als Lehrer?

In der "Gurgelstudie", die im Auftrage des österreichischen Bundesministerium Bildung, Wissenschaft und Forschung (BBWF) durchgeführt wird, werden von Herbst 2020 bis Sommer 2021 rund 14.800 Schüler*innen im Alter zwischen 6 und 15 Jahren sowie circa 1.200 Lehrkräfte untersucht. Aufgrund des jungen Alters vieler Studienteilnehmer verwenden die Forscher dabei ein vereinfachtes Verfahren zur Probenentnahme: Statt eines Abstrichs durch die Nase soll eine Mund-Rachenspülung mit Gurgeln Aufschluss darüber geben, ob die Getesteten mit dem Coronavirus infiziert sind.

Von den 10.156 bislang ausgewerteten Proben waren 40 positiv, also 0,39 Prozent. Nach Erhalt der Ergebnisse untersuchten die Wissenschaftler auch, ob es einen Unterscheid macht, aus welcher Schulform die Kinder kommen oder ob sich Schüler häufiger anstecken als Lehrer. In beiden Punkten konnten die Forscher keine signifikanten Unterschiede feststellen. Allerdings kristallisiert sich ein Faktor heraus, der sehr wohl eine Rolle zu spielen scheint: Die Wahrscheinlichkeit auf eine Corona-Infektion, von der der Infizierte selbst nichts weiß, erhöhte sich bei Schulen mit hoher sozialer Benachteiligung ums 3,5-Fache.

LESE-TIPP: Vorerst keine Corona-Impfung für Kinder - ist das ein Problem?

Wie kommt es zur hohen Dunkelziffer bei sozial benachteiligten Schülern?

Die Gründe für die erhöhte Dunkelziffer bei sozial benachteiligten Schülern könnten vielfältig sein, glaubt Studienkoordinator Michael Wagner: "Es könnte sein, dass man mit den Verhaltensempfehlungen nicht zu ihnen durchdringt, sei es wegen Sprachbarrieren oder Desinteresse", so der Experte im Gespräch mit dem "Standard". Vorstellbar sei auch, dass diese Gruppe in engen Wohnverhältnissen lebe und es dadurch in den Familien häufiger zu Clusterbildungen komme. "Aber ist es wichtig, keine Schuldigen zu suchen, sondern man sollte die Befunde unserer Studie nutzen, um jetzt gezielt an diesen Schulen nachzuarbeiten und aufzuklären", so Wagner.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Video-Playlist: Alles, was Sie jetzt über das Coronavirus wissen müssen

Neue TVNOW-Doku: Corona - die 2. Welle

Wie konnte es zu den vielen Corona-Erkrankten und dann zum Teil-Lockdown kommen? Mit aufwendigen Experimenten ergründen wir das in der neuen Doku "Corona - Die 2. Welle" – ab sofort auf TVNOW.