Oliver und Amira Pocher warnen vor Pädophilen

Kinderfotos ins Netz stellen? Lieber nicht!

Wer seine Kinder fotografiert, sollte die Bilder dann nicht in den sozialen Netzwerken veröffentlichen.
© iStockphoto

30. März 2020 - 14:52 Uhr

Fotos im Internet: Unachtsamkeit oder Zurschaustellen?

Bei den meisten Eltern steckt keine böse Absicht dahinter, wenn sie ihre Kinder fotografieren und die Bilder anschließend ins Netz stellen. Schließlich sind sie stolz, freuen sich über ihren Nachwuchs - und wollen möglichst viele Menschen an ihrer Freude teilhaben lassen. Doch für Comedian Oliver Pocher und seine Frau Amira ist das kein Argument - vor allem, seitdem Amira mehrere Instagram-Accounts für Pädophile entdeckte, auf denen offenbar Fotos Minderjähriger gesammelt und anzüglich kommentiert wurden. Das Ehepaar appelliert jetzt an seine Follower, Kinder im Netz besser zu schützen. Denn ist so ein Bild einmal online, bleibt es dort auch erst einmal. Wie werden Eltern ihrer Verantwortung gerecht?

Kinder haben das Recht am eigenen Bild

Es sei dahingestellt, ob Eltern Bilder ihrer Kinder aus Unachtsamkeit ins Netz stellen, oder ob es sich um unverantwortliches Zurschaustellen handelt - sie verletzen damit das Persönlichkeitsrecht ihrer Kinder. "Viele Eltern haben keine Bedenken, Kinderbilder zu veröffentlichen. Sie können oder wollen nicht prüfen, ob eine Entscheidung oder Handlung auch im ureigenen Interesse des Kindes ist", so Stefan Freise, Gründer der Initiative "Keine Kinderfotos im Social Web".

Juristisch gilt: Auch kleine Kinder haben das Recht am eigenen Bild. Eltern nehmen es lediglich für sie wahr, bis sie volljährig sind. Und mit diesem Recht sollten sie verantwortungsvoll umgehen. Denn Fotos können viel anrichten. So gab es bereits zahlreiche Fälle, in denen Schulkinder mit Hilfe von Fotos gemobbt wurden. Im schlimmsten Fall landen die Kinderfotos in den Händen von Pädophilen, die häufig legale Quellen im Internet benutzen - darunter auch soziale Netzwerke.

So schützen Sie Ihr Kind im Netz:

  1. Stellen Sie keine Fotos Ihres Kindes in sozialen Netzwerken ein - schon gar keine, auf denen ihr Kind nackt oder wenig bekleidet ist
  2. Teilen Sie anderen Personen (Verwandten und Freunden) mit, dass Sie keine Fotos Ihrer Kinder im Netz dulden
  3. Stellen Sie in allen Einrichtungen, die Ihr Kind besucht (Schule, Kita, Vereine), klar, dass Sie die Veröffentlichung von Bildern Ihrer Kinder im Web nicht dulden
  4. Wenn Ihr Kind schon selbst im Internet aktiv ist: Nehmen Sie selbst die Profil-Einstellungen in sozialen Netzwerken vor und machen Sie alle Einträge nur für Freunde sichtbar
  5. Überprüfen Sie, dass Ihr Kind online keine privaten Daten angibt - etwa seinen vollständigen Namen, die Adresse oder Telefonnummern. Ihr Kind sollte so anonym wie möglich bleiben.

Eltern sollten bei älteren Kindern besonders aufmerksam sein

Besondere Aufmerksamkeit ist auch geboten, wenn Kinder schon selbst im Netz unterwegs sind und beispielsweise ein eigenes Facebook- oder Instagram-Profil haben. Hier müssen Eltern unbedingt ein Auge darauf haben, was das Kind dort unternimmt, denn es wird sich in der Regel der Tragweite seines Handels nicht bewusst sein. Deshalb ist es wichtig, dem Kind den richtigen Umgang mit dem Internet nahe zu bringen.

Warum Kinderfotos im Netz nichts verloren haben und auch die Jüngsten ein Recht auf Privatsphäre haben, erklärt unser Autor in seinem Kommentar.