Schwengelselfies sind keine erfolgreiche Strategie!

Nach Penis-Skandal um Wendler: Darum versenden manche Männer so gerne Bilder von ihrem besten Stück

Schnell noch ein Foto vom besten Stück und dann ab an die Angebetete damit? Das geht mächtig in die Hose!
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22. Januar 2020 - 10:53 Uhr

Michael Wendler soll angeblich ein Penis-Foto an Fan Jacqueline geschickt haben

Jacqueline (22) ist Fan von Michael Wendler, die beiden sollen sich 2018 nach einem Konzert kennengelernt haben. Danach chatteten die beiden angeblich regelmäßig intensiv. Irgendwann geschieht laut Jacqueline das Unfassbare: Der Schlagerstar soll ihr ein Foto von seinem besten Stück geschickt haben. Dick-Pic-Alarm! Danach ging das Foto auf Twitter viral und viele Nutzer spotteten über den Schlagersänger. Ob das nun wirklich so passiert ist, oder nicht - Fakt ist: Hauptsächlich Männer versuchen, sich mit solchen Bildern interessant für das weibliche Geschlecht zu machen - meist vergeblich. Warum ist das so? Psychologe Dr. Dirk Baumeier gibt Antworten.

Genitalbilder: Männer tun es häufig, Frauen auch - nur viel seltener

Die allermeisten Frauen rollen genervt mit den Augen, wenn sie eine bei manchen Männern beliebte Form der Kurznachricht bekommen: Bäh, ein nicht bestelltes Schniedelfoto! "Ich freu mich über nette Worte oder einen Blumenstrauß, träum mich mit ihm an ferne Orte - doch er packt lieber seinen Dödel aus", fasst Caroline Kebekus die Gefühlslage betroffener Frauen in ihrem Song "Dick Pic" zusammen. Doch obwohl sich auch bei diesen Männern herumgesprochen haben sollte, dass der bildliche Frontalangriff aufs Lustzentrum in die Hose geht beziehungsweise da bleibt, können sie der Versuchung oft nicht widerstehen.

Dick Pics sind Spielart des Exhibitionismus

Exhibitionist
So kennen wir Exhibitionismus bisher: Ein Mann lüftet den Trenchcoat vor einer jüngeren Frau und zeigt seinen Penis. Das Phänomen Dick Pic ist eine digitale Variante dieses Triebs, bei dem vor allem der Zeigende Lust empfindet.
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Psychologe Dirk Baumeier weiß: "Das Versenden von Genitalbildern ist eine Spielart des Exhibitionismus. Es bedeutet, dass ich Erregung daraus ziehe, anderen meine Geschlechtsteile zu zeigen. Die allermeisten Menschen, die so etwas tun, sind Männer, aber mitunter kommt das auch bei Frauen vor. Manche Frauen zeigen auch ihre Vulva oder ihre entblößten Brüste." Also nichts anderes als der berühmte Mann im Trenchcoat - bloß übertragen auf die digitale Ära.

Nur der Versender empfindet hier Lust

Welche Reaktionen wollen Männer denn damit auslösen? Was erhoffen sie sich bloß davon, wenn sie Penis-Fotos versenden? "Man muss sich vor Augen führen, dass sich diese Männer ja schon in einem Zustand der Erregung befinden", erklärt uns Baumeier. "Es geht gar nicht so sehr darum, wie die Empfängerin es empfindet, alleine das Fotografieren und Versenden aktiviert bereits die Männlichkeit des Versenders. Sie empfinden Lust dabei, anderen zu zeigen, was an ihnen dran ist. Der Lustgewinn liegt ganz klar auf der Seite des Versenders - nicht beim Empfänger."

Zum Scheitern verurteilte Strategie

Kann denn eine solche Strategie überhaupt erfolgreich sein? "Wenn Männer ernsthaft denken, durch das Versenden von Penis-Fotos Frauen für sich gewinnen zu können, dann ist das eine Strategie, die zum Scheitern verurteilt ist", warnt der Psychologe Männer, die gerne ihre Schwengelselfies an die Frau bringen. "Denn die meisten Frauen werden sich angewidert abwenden, zudem kann damit der Straftatbestand der sexuellen Belästigung erfüllt sein. Eine langfristige Beziehung wird daraus nicht entstehen. Wenn ich das erhoffe, werde ich frustriert."

Wendler spielt gerne und gut mit dem Feuer: „Da muss man ihm gratulieren“

Und wie verhält sich das Ganze, wenn ein prominenter Mensch ungeniert ein Foto von seinem Schniedel versendet? "Prominente spielen gerne mit den Medien und mit dem Feuer. Manche prominente Männer finden es vielleicht auch ein Stück weit erregend, dass ein solches Foto vielleicht auch veröffentlicht werden könnte", sagt Psychologe Baumeier. "Michael Wendler hat immer versucht, sich in die Öffentlichkeit zu rücken und die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu ziehen. Ich finde, das ist ihm auch ganz gut gelungen. Wenn das jetzt ein weiterer Schritt in diese Richtung sein sollte, dann muss ich ihm gratulieren."