Birgit Rutz bezeichnet sich selbst als siebenfache Mutter – auch wenn fünf ihrer Kinder nie geboren wurden.
Birgit Rutz, erlitt fünf Fehlgeburten: „Wenn jemand stirbt, den wir schon länger gekannt haben, ist das alleine die Gesellschaft diese Trauer gar nicht erlaubt, sondern wenn eine Frau eine Fehlgeburt hat, hört sie 'Ist doch nicht so schlimm, du bist doch noch jung, Du kannst noch viele Kinder haben. Es war doch noch gar kein Kind. Sei froh , dass es so früh war'."
Doch der Verlust sitzt meist tief – besonders bei den Müttern. Als Trauerbegleiterin hilft Birgit Rutz heute anderen betroffenen Eltern.
Birgit Rutz, Gründern des „Hope's Angel"-Vereins: „Wenn Frauen eine Fehlgeburt haben, dann ist das sehr oft schuld und schambehaftet. (...) Wenn ich als Frau ein Baby im Bauch habe, dann bin ich auch für die für das Wohlergehen dieses Babys zuständig. Und wenn das Baby dann in meinem Bauch stirbt, dann habe ich erstmal das Gefühl, ich habe versagt. "
Dabei können Frauen in den allermeisten Fällen nichts für ihre Fehlgeburt. Antworten könnte jetzt eine Studie der Johns Hopkins University in Baltimore liefern.
Anny Koppen, Frauenärztin: „Die Studie hat herausgefunden, dass es Frauen gibt, die öfter kranke Chromosomen haben, weil die einen Gendefekt haben (.....) der sorgt dafür, dass im Prinzip die Eizellherstellung bei der Frau ein bisschen gestört ist."
Eine der häufigsten Ursachen sind sogenannte Aneuploidie. Dabei entstehen zu viele oder zu wenige Chromosomen, der Embryo ist dann oft nicht lebensfähig.
Diese genetischen Veränderungen entstehen lange bevor eine Frau schwanger wird – teils sogar schon, bevor die werdende Mutter selbst auf der Welt ist. Betroffene Frauen haben dadurch ein höheres Risiko eine Fehlgeburt zu erleiden.
Anny Koppen, Frauenärztin: „Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Frauen wirklich nur Fehlgeburten haben werden. Es hat nämlich sehr viele Einflüsse, warum Frauen Fehlgeburten erleiden."
Weitere Gründe können das Alter der Frau, chronische Erkrankungen, Blutgerinnungsstörungen oder ein ungesunder Lebensstil sein. In seltenen Fällen spielen auch die Gene des Mannes eine Rolle.
Für die Studie analysierte das Us-Forschungsteam fast 140.000 Embryonen und die Daten von rund 23.000 Elternpaaren – eine der größten Auswertungen zu diesem Thema.
Anny Koppen, Frauenärztin: „Die Stärke des Risikos ist eher gering anzusehen, da Chromosomenstörungen insgesamt selten sind.“
Experten sehen in der Studie einen wichtigen Meilenstein vor allem für Frauen, die mehrfach Fehlgeburten erleiden.
Anny Koppen, Frauenärztin: „Diesen Gendefekt kann man durchaus testen – vor allem bei Frauen, die mehr als drei Fehlgeburten hatten, kann es sinnvoll sein, die Diagnostik dahin zu erweitern.“
Wann dieser Test eingeführt wird, ist noch unklar. Trotzdem gibt die Studie betroffenen Frauen und Eltern zumindest ein Stück Erklärung. Den Schmerz nimmt sie nicht, kann aber künftig helfen, den Verlust besser zu verarbeiten.