Es sind dramatische Szenen der Flucht vor einem Todesschützen. Studenten retten sich aus dem Fenster auf einen schmalen Dachvorsprung, springen dann auf einen darunter liegenden Balkon.
„Wir stehen unter Schock. Hier passiert so etwas eigentlich nicht. Wir wussten nicht, was wir tun sollten.“
An dieser Prager Uni richtet David K., ein 24-jähriger Student ein regelrechtes Blutbad an. Was wir bisher über den Amoktäter wissen und für welche grausame Tat er noch verantwortlich sein könnte.
Als Aaron Guensberger gestern Nachmittag von den Schüssen an der Prager Karls-Universität erfährt, bekommt er Todesangst. Denn auch seine Tochter befindet sich zu dem Zeitpunkt dort.
„Ich wusste, meine Tochter hat an dem Tag Kurse. Ich bin sofort losgerannt. Ich wollte einfach versuchen, etwas zu tun.“
Gegen drei Uhr eröffnet David K. gestern Nachmittag an der philosophischen Fakultät das Feuer. Zu dem Zeitpunkt laufen die letzten Vorlesungen vor den Weihnachtsferien.
„Der Schütze soll sich zunächst im oberen Teil aufgehalten und dort um sich geschossen haben. Dann sei er auf das Dach gegangen und habe wahllos auf die Straße und Passanten geschossen.“
Panisch flüchten die Menschen über die nahegelegene Karlsbrücke, weg von der Gefahr. Wenige Minuten nach den ersten Schüssen stürmen schwerbewaffnete Einsatzkräfte die Gebäude der Hochschule. Mit einem Großaufgebot sperren sie das Uni-Gelände ab - fordern Anwohner auf, in den Häusern zu bleiben.
Doch Aaron Guensberger ist schon vor Ort. Per Handy versucht er Kontakt zu seiner Tochter im Inneren des Gebäudes aufzunehmen, wie er gestern kurz nach der Tat einem Kamerateam erzählt.
„Nach ein paar Minuten habe ich sie per SMS erreicht. Ich habe ihre Anweisungen gegeben, dass sie nicht nah ans Fenster, sich hinlegen und die Tür verbarrikadieren soll.“
So machen es viele andere Mitarbeiter und Studenten, posten Videos davon in den sozialen Netzwerken.
Auch der mutmaßliche Täter selbst hat an der Karls-Universität studiert. Bereits am Mittag, also kurz vor der Tat, hatten sich die Einsatzkräfte auf die Suche nach dem 24-Jährigen gemacht, nachdem sie von einem Toten in einem Dorf westlich von Prag erfahren hatten.
„Wir haben bald herausgefunden, dass der Tote der Vater des Verdächtigen ist. Und dann ziemlich schnell, dass er Student der Philosophischen Fakultät ist und dort im Gebäude um 14 Uhr eine Vorlesung hat.“
Doch anstatt seine Vorlesung zu besuchen, schießt David K. an seiner Uni um sich. Die Waffen soll er legal besessen, die Tat sogar vorher bei Telegram angekündigt haben. Kurz vor dem Amoklauf soll er geschrieben haben: „Ich wollte schon immer töten.“
Im Rahmen der Ermittlungen stellt sich dann heraus, dass der Amokschütze auch noch in Zusammenhang mit einer weiteren Tat stehen könnte.
„Einem Doppelmord, der hier vor einer Woche an einem Waldrand nahe der tschechischen Hauptstadt begangen wurde. Ein 32-jähriger und seine zwei Monate alte Tochter wurden da getötet. Die Ermittler hatten bislang keine Hinweise auf einen Täter. Aber jetzt scheint der Amokschütze im Zusammenhang mit dieser Tat zu stehen.“
Doch David K. ist tot. Ob er sich im Unigebäude selbst umgebracht hat oder durch eine Kugel der Polizei starb, ist noch unklar - genauso wie sein Motiv.
Insgesamt sterben 14 Menschen, 25 weitere werden teils schwer verletzt. Aarons Tochter gehört zum Glück zu den Studenten, die es lebend aus dem Uni-Gebäude schaffen.
„Sie steht unter Schock. // Die Frage ist, ob sie an diese Uni zurückkehren kann, nachdem dort soetwas passiert ist.“
Der Familienvater hofft nun, dass seine Tochter das Geschehene schnell verarbeiten kann und eine solche Tat nie wieder passiert.