Schmuddelwetter zu einem schmuddeligen Wahlkampf. Die Vorwürfe gegen Olaf Scholz beschäftigen am Abend auch die Menschen hier in Hannover.
„Kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Bin ich eigentlich auch entsetzt, weil, das geht irgendwie gar nicht.“
„Irgendwie passt das nicht zu Scholz.“
Es geht um das, was Scholz Anfang Februar auf einer privaten Geburtstagsfeier in einem Berliner Luxushotel gesagt hat. Laut Focus online hat Scholz dabei den Berliner Kultursenator und CDU-Politiker Joe Chialo als "Hofnarr" bezeichnet. Dazu unterstellt das Magazin, das sei bezogen gewesen auf Chialos Hautfarbe. Die Bezeichnung "Hofnarr" - die allein schon eine Beleidigung wäre - hat Scholz zugegeben. Den Rassismus-Vorwurf jedoch weist er strikt zurück. Er habe Chialos liberale Einstellung gemeint, so Scholz am Abend im Spiegel-Politik-Talk "Spitzengespräch"
Olaf Scholz (SPD), Bundeskanzler: "Und deshalb ist es so, dass dieser Zusammenhang, der da hergestellt wird, an den Haaren herbeigezogen ist, mich persönlich wirklich schwer betroffen macht."
Scholz ist dramatisch unter Druck und fährt entsprechend schwere Geschütze auf: Er hat den Berliner Promi-Anwalt Christian Schertz beauftragt, gegen die Rassismus-Vorwürfe vorzugehen. Der Medienanwalt hat bereits Rammstein-Frontmann Till Lindemann und Fußballer Christiano Ronaldo vertreten.
Chialo selbst bestätigt zwar, dass es einen Vorfall gegeben hat, will sich aber nicht weiter dazu äußern.
CDU-Chef Merz forderte am Abend eine Entschuldigung von Scholz.
Friedrich Merz (CDU), Kanzlerkandidat:„Ich frage mich, ob dieser Bundeskanzler eigentlich irgend-wann mal in der Lage ist , zuzugeben , dass er etwas Falsches gesagt hat.“
An der Basis der CDU brodelt es, wie hier am Abend in Neubrandenburg:
"Normalerweise kann so jemand nicht mehr antreten als Kandidat, als Bundeskanzler."
"Das ist eines Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland in keiner Weise würdig. So ein Verhalten."
Zehn Tage vor der Wahl also neuer Zündstoff.