Der weiße Kittel ist ihr Auftritts-Kostüm und der Gang vor den Waschbecken ihre große Bühne.
„Meistens reagieren die Kunden positiv. Das ist ne Intimsphäre, wo die Kunden ihre Ruhe haben wollen, aber dadurch fühlen die sich irgendwie aufgelockert.“
Stefanie Ansul-Weissner: seit über 25 Jahren kennt man sie in Hamburg als die singende Klofrau - oder auch das "Goldkehlchen mit den Putzhandschuhen".
Ihre treusten Geschäftskunden suchen seit Jahren immer wieder ihre Lokus-Location auf, um bei ihren Sitzungen nicht nur der Spülung lauschen zu müssen.
„Mir schmeichelt das schon, dass man einen Wiedererkennungswert hat, wenn Leute das sagen – Schön, dass man nicht vergessen wird.“
Inzwischen säubert und singt die 51-Jährige hier an den Landungsbrücken im Auftrag der Hamburger Stadtreinigung.
Zuvor war sie jahrelang in einem Kaufhaus in der Hamburger Innenstadt im Einsatz. Und hier erleben wir 2018, dass Stefanie sich selbst nicht nur als Sängerin, sondern auch als Ratgeberin versteht:
„Und immer viel Trinken! Dass sie auch wieder kommen. Hat alles geklappt? […] Immer ran an die Buletten – äh Toiletten – Tschuldigung.“
Und wir treffen Stefanie auch ganz am Anfang ihrer Karriere als Klo-Künstlerin – im Jahr 2008!
Zuerst, erzählt Stefanie uns damals, hat sie nur ganz leise beim Schrubben gesummt; Sich dann immer mehr getraut – auch Dank der positiven Rückmeldung der Kundinnen und Kunden.
„Die Akustik hier drin ist halt wunderbar. Man hört sich gut selbst. Deswegen habe ich dann weiter gemacht.“
„Ich weiß, es wird ein Wunder geschehen und dann werden drei Toiletten frei.“
Diese Begeisterung für die Bedürfnisanstalt, ihre Dynamik für den Donnerbalken, ja ihr tönendes Talent auf der Toilette - Das berührt die Menschen.
„Das macht mir mehr Spaß mit Musik – Gefällt mir sehr.“ 17:28 „Und jeder, der singt, egal wo und dann noch in der heutigen Zeit: Großartig.“
„Wenn ich auf Klo sein möchte, möchte ich gerne meine Ruhe haben. Aber wenn sie dabei Spaß hat, soll sie das gerne machen.“
„Aber wenn man dann eigene Geräusche macht und die dann übertönt werden, ist es nicht mehr so peinlich.“
So manches Geschäft läuft mit Musik eben einfach besser - und so will Stefanie Ansul-Weissner Hamburgs Toiletten auch in den kommenden 25 Jahren mit ihrer Stimme von stillen in klingende Örtchen verwandeln.