Heute vor 20 Jahren: Johann Traber Juniors Absturz in Hamburg: Das macht er heute
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Es sollte eine spektakuläre Show über den Dächern der Hansestadt werden. Doch am 21. Mai 2006 wird der Jungfernstieg zur Bühne eines schweren Unglücks, das ganz Deutschland erschüttert. Vor den Augen tausender Zuschauer stürzt Hochseilkünstler Johann Traber junior bei einer Motorrad-Show aus großer Höhe ab. Wie es zu dem Unglück kam und was er heute macht, bei uns im Video.
Hamburg Jungfernstieg, 10. Mai 2006. Die Artistenfamilie Traber reist an, alles dreht sich um den Aufbau für ihre spektakuläre Show in fast 50 Metern Höhe. Zur Feier des Jungfernstieges. Tagelang ist auch der 22-jährige Sohn der weltberühmten Hochseilkünstler Johann Traber junior damit beschäftigt, das Gerüst für die Motorrads Tanz auf dem Hochseil zu montieren.
Johann Trauber Junior: „Zum Beispiel auch mit den Schrauben festmachen. Dann weiß ich, dass es hebt. Wie man das anders macht, bin ich mir da nicht so sicher. Es gibt ein unsicheres Gefühl. Wenn man das alles selber macht, weiß man auch, von was man spricht. Man weiß, wo die Schwachstellen sind, man weiß, womit man es zu tun hat. Und das ist halt der Vorteil, wenn man es selber macht.“
Doch knapp eine Woche später kommt es zu dem tragischen Unfall. Während der Show knickt die Mastspitze ab und bricht. Johann wird gegen den Hauptmast geschleudert und stürzt mehrere Meter in die Tiefe, bevor er in etwa 25 Metern Höhe bewusstlos im Sicherungsseil hängenbleibt. Alles passiert vor den Augen der Besucher auf dem Jungfernstieg.
Zuschauer: „Man dachte am Anfang erst das ist so ein Effekt. Nicht für die Zuschauer, aber er knallte dann wirklich im hohen Bogen unten gegen den Mast, weil er am Fangseil hing und blieb dann sofort leblos hängen.“
Zuschauerin: „Hoffentlich lebt er noch. Ich hoffe es, dass er noch lebt. Er ist so schrecklich. Seine ganze Familie hat das gesehen. Alle haben das gesehen.“
Rettungskräfte versorgen Johann. Er kommt mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus Sankt Georg mit zahlreichen Brüchen, unter anderem an Schädelbasis, Kiefer, Becken und am linken Bein. Sechs Wochen liegt er im künstlichen Koma. Alle bangen um das Leben des jungen Artisten. Für die Familie ist es eine Zerreißprobe. Das Telefon steht nicht still. Die Erinnerung an den Unfall und die Frage nach dem Warum sind ständig präsent.
Johann Traber Senior: „Ich habe mit ihm gesprochen. Ich habe ihm gesagt Papa ist da und es kommt gleich die Hilfe. Da hat er auch gestöhnt, hat ja zwei Mal, wo ich mit ihm gesprochen habe, immer Antwort gegeben. So habe ich es empfunden. Da hat er nur da gestöhnt, wo ich mit ihm gesprochen habe. Ich hatte nur Angst, dass er jetzt auch runterfällt, dass die Sicherung nicht eingebaut ist, vielleicht nicht hält, aber das hat alles funktioniert.“
Der Mast wird direkt nach dem Unfall von der Polizei sichergestellt. TÜV und Experten der Technischen Universität stellen fest: Kondenswasser war ins Innere gelangt. Das führte zu Rost und letztendlich zum Mastbruch. Johann kämpft sich langsam ins Leben zurück, muss grundlegende Fähigkeiten wie Gehen, Sprechen und einfache Alltagsbewegungen wieder mühsam neu erlernen und kommt ein Jahr später an den Ort zurück, an dem sich sein Leben für immer veränderte. Er hegt keinen Groll, im Gegenteil.
Johann Trauber Junior: „Es geht mir sehr gut. Kaum zu glauben, aber es geht mir sehr gut. Eigentlich der größte Witz ist: Ich habe keine Schmerzen mehr. Das liegt vielleicht daran, weil ich nur an Hamburg denke und Hamburg mir geholfen hat.“
Voller Zuversicht wagt Johann zwei Jahre später ein kleines Comeback. Am 20. Mai 2008, also auf den Tag genau zwei Jahre nach seinem Absturz, wagt er im Europapark Rust wieder einen Auftritt am Seil gemeinsam mit seiner Schwester.
Johann Trauber Junior: „Unkraut vergeht nicht. Habe ich heute wieder bewiesen.“
Doch fortsetzen kann er seine Hochseilkarriere nicht. Statt waghalsiger Stunts übernimmt er bei den Shows Arbeiten am Bodenteam. Die Familie hält zusammen. Auf dem Anwesen im baden-württembergischen Vogtsburg lässt sein Vater eine Kapelle errichten – aus Dankbarkeit für das Leben seines Sohnes. Und in einer Vitrine bewahrt Johann das Trikot auf, mit dem er bei seinem Unfall aufgetreten ist. Er ist nachdenklicher geworden.
Johann Trauber Junior: „Ich frage mich: Warum habe ich das überlebt? Hat das einen Grund? Wieso war das alles so, wie es gelaufen ist? Ich wurde 1984 in Hamburg am Jungfernstieg auf dem Seil getauft und bin 2006 in Hamburg am Jungfernstieg abgestürzt. Auch bei einer Show. Also wenn das mal nicht irgendwie komisch ist. Ich frage mich wie, was, wo. Ob das vielleicht auch irgendwie geschrieben war, dass ich das überleben durfte.“
Der Vater stirbt im September 2025 im Alter von 72 Jahren. Johann junior ist weiterhin fester Teil der weltbekannten Artistenfamilie, die bis heute spektakuläre Seilakrobatik präsentiert. Trotz der Spuren, die der Unfall hinterlassen hat, zählt er nach wie vor als Kämpfer zur Traber-Dynastie.
