Unnötig lange vaginale Untersuchungen, intime Berührungen an Brust und Klitoris: Diesen Alptraum habe auch Christelle erlebt, als sie einen Frauenarzt in der Nähe von Paris aufsuchte.
Christelle, mutmaßliches Opfer: „Ich spüre einen kalten Schweiß am ganzen Körper. Ich fühlte mich wie versteinert in dem Raum, auf dem Tisch, spürte, dass es eine sexuelle Geste war.“
Und Christelle ist nicht die Einzige. Über hundert Frauen erheben ähnliche Vorwürfe gegen den Gynäkologen Dr. Vinh Tran. Sie alle soll der Arzt zwischen 2005 und 2014 während der Untersuchungen vergewaltigt oder sexuell missbraucht haben.
Christelle: „Ich ließ es geschehen. Ich hatte mir immer vorgestellt, dass ich mich verteidigen würde, wenn es jemanden gibt, der mich berührt und ich es nicht will. Dass ich kämpfen würde. Und dann, nein, ich war wie versteinert, weil ich es nicht erwartet hatte. Es ist ein Schockzustand.“
Doch der Arzt weist alle Vorwürfe von sich. Spricht von einer „falsch verstandenen“ Behandlungstechnik. Der 75-Jährige behauptet, seine sanfte „asiatische Methode“ sei einfach „missinterpretiert“ worden.
Anwältin Caty Richard: „Uns wurde gesagt, dass diese Art der Fingereinführung und die Tatsache, dass man keine Handschuhe trägt, diese Untersuchungen mit den Fingern, die lange dauern und wo die Finger rein- und rausgeschoben werden, dass all diese Handlungen außerhalb des klassischen gynäkologischen Bereichs liegen.“
Unsere Reporterin Sabrina Suberg macht den Arzt ausfindig, dem all das vorgeworfen wird, und will ihn mit den Anschuldigungen konfrontieren: „Also er hat jetzt gesagt, er ist gar nicht der Doktor, er sei nur ein Freund von ihm, aber wirklich glauben tue ich da jetzt nicht dran.“
Jetzt wird sich ein Gericht in Frankreich mit den Vorwürfen gegen Dr. Tran beschäftigen. Christelle wünscht sich, dass der Arzt bis zu seinem Lebensende im Gefängnis bleibt - für all das Leid, was er ihr und all den anderen Frauen zugefügt hat. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen ihm bis zu zwanzig Jahre Haft.