Sandra und Melanie haben ein ganz besonderes Verhältnis zu Nudeln…
Melanie: "Weil wir bei unserer Oma immer Nudeln gekriegt haben. Und wir lieben es einfach.”
Ein bisschen abnehmen würden die Zwillinge trotzdem gerne. Und müssen dafür nicht auf Pasta und Co. verzichten:
Der Trick: die ihrem Ruf nach dickmachenden Kohlenhydrate wie Nudeln, Kartoffeln oder Reis nach dem Kochen, einfach mindestens 12 Stunden kühl stellen.
Was das bringt, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann:
Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann: „Wenn Lebensmittel abkühlen, kommt es zur Umstrukturierung von Kohlenhydraten kochende Kohlenhydrate. So werden die Kohlenhydrate für uns leichter verdaulich, wenn sie dann wiederum abkühlen, werden sie kompakter. Fast so eine kristalline Struktur, die wir nicht verwerten können und deshalb haben Kohlenhydrate einen abgekühlten Zustand auch nur halb so viele Kalorien.“
Und zwar auch dann, wenn man sie danach wieder erhitzt.
Wie das in der Praxis funktioniert, werden die 53-Jährigen eine Woche lang testen. Die beiden werden exakt das Gleiche essen. Der Unterschied: Sandra wird die Lebensmittel vorkochen und kalt stellen. Melanie kocht frisch.
Bastienne Neumann begleitet die Zwillinge während des Experiments. Zum Start misst sie den Blutzucker und das Gewicht.
Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann: „Viele haben einen hohen Blutzuckerspiegel und bemerken es gar nicht. Wenn man es aber zum Beispiel ein typisches Symptom, dass man häufig Wasser lassen muss, demnach ist auch ein damit verbundenes weiteres Symptom, dass wir viel Durst haben, ein zu hoher Insulinspiegel kann langfristig zu einer Insulinresistenz führen, die sich dann auch wiederum in einen Diabetes entwickeln kann.”
Melanies Blutzucker liegt bei 107 Milligramm pro Deziliter, sie startet mit einem Ausgangs-Gewicht von 62,9 Kg bei einer Körpergröße von 1,56 m.
Sandra ist 1,57 m groß, ihr Blutzucker beträgt 103 Milligramm pro Deziliter und sie wiegt 57,8 Kg. Das Gewicht ist bei beiden im Normbereich, der Blutzucker liegt allerdings etwas über der Norm:
Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann: “Man sagt so 70 bis 100 ist der Normwert. Das Ganze werden wir 7 Tage lang testen, denn diese 7 Tage reichen eigentlich auch schon aus, um eventuelle Veränderungen, Verbesserungen sehen zu können.“
Los geht’s mit dem Mittagessen: Spaghetti mit Tomatensauce. Melanie kocht ihre Nudeln frisch. Sandra nutzt vorgekochte und abgekühlte Nudeln aus dem Kühlschrank und wärmt sie auf.
Sandra: „Die vorgekochten Nudeln schmecken genauso wie normal. Frisch gekochte Nudeln und geht ja eigentlich auch noch schneller, weil ich kann die im Topf machen oder in der Mikrowelle warm machen und fertig.“
Aber wie viele Kalorien spart Sandra dadurch?
Während normal verdauliche Stärke etwa 4 Kalorien pro Gramm hat, liefert resistente Stärke nur etwa 2 Kalorien pro Gramm.
Heißt: Eine Portion Nudeln – ohne Sauce – hat dann nur 200 statt 400 Kalorien. Bei einer Portion Reis spart Sandra 115 Kalorien und bei einer Scheibe Brot 39 Kalorien.
Aber nicht nur das:
Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann: „Resistente Stärke bringt für unseren Körper einige positive Aspekte mit sich, denn resistente Stärke ist ein Ballaststoff, den wir nicht selbst verdauen können. Aber unsere Darmbakterien können das sehr wohl. Somit ist es wie ein Probiotika, der sehr gesund ist für unsere Darmflora und unsere Darmgesundheit, außerdem schützt es vor Heißhungerattacken."
Die Zwillinge führen für uns Videotagebuch. An Tag 3 gibt es zum Frühstück gebackene Haferflocken.
Melanie backt ihre Portion frisch. Sandra hat ihr Frühstück gestern schon vorbereitet und über Nacht in den Kühlschrank gestellt. Jetzt muss sie sie nur noch aufwärmen.
Die Kalorienersparnis: circa 70 Kalorien.
Ans Experiment hat sie sich nach ein paar Tagen schon gewöhnt, aber...
Sandra: “Das Negative am Vorkochen finde ich, dass ich schon am Vortag überlegen muss, was ich essen wollen würde und dass ich nicht spontan meine Meinung ändern kann.“
Wenig Spontanität, viel Vorbereitung. Aber wenn es mal schnell gehen muss, gibt es im Supermarkt eine große Auswahl an vorgekochten Produkten:
Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann: „Zum Beispiel Nudeln, Gnocchi oder auch Sushi findet man in vielen, vielen Regalen. Da kann man resistente Stärke finden und das ist vor allem in puncto Zeitsparen ein guter Trick, den man gerne anwenden kann.“
Unsere Tsterinnen kochen aber immer frisch: Heute: Asia-Pfanne mit Reisbandnudeln.
Sandra spart mit Nudeln aus dem Kühlschrank circa 120 Kalorien.
Wichtig: Nach dem Kochen sollten Nudeln, Kartoffeln und Reis maximal zwei Stunden bei Raumtemperatur abkühlen. Dann ab damit in den Kühlschrank, damit keine Bakterien entstehen.
Brot kann ebenfalls in den Kühlschrank oder sogar in die Tiefkühltruhe.
Gleich wird Sandra erfahren, ob sie abgenommen hat – ein paar Veränderungen hat sie schon festgestellt: Sie fühlt sich fitter und…
Sandra: “Ich war schneller satt und auch länger satt. Das war schon toll.“
Ihren Blutzuckerspiegel haben die Zwillinge die ganze Woche über gemessen: Beide hatten immer einen niedrigeren Wert als am Anfang des Experiments.
Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann: „Es kann aber tatsächlich auch darauf zurückzuführen sein, dass es verschiedene hormonelle Phänomene gibt, die über Nacht passieren, wodurch es zu einer vermehrten Glukoseausschüttung kommt im Körper.“
Schwankungen beim Blutzucker sind also normal.
Sie haben das gleiche gegessen - trotzdem soll Sandra mit dem Kühltrick 1.375 Kalorien eingespart haben - doch BEIDE haben gleich viel abgnommen:
700 Gramm in nur einer Woche.
Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann: "Allerdings kann es auch hier der Fall sein, dass sie durch dieses Experiment unbewusst, bewusster gegessen hat, sprich, dass sie vielleicht kleinere Portionen zu sich genommen hat oder auf gesündere Lebensmittel zurückgegriffen hat.”
Glücklich mit der Abnahme sind beide.
Fest steht: Wer nicht auf Kohlenhydrate verzichten kann & abnehmen will - sollte den Kühltrick anwenden: kein Verzicht, voller Geschmack