Die Fahrt mit der Bahn. Jedes Mal ein Erlebnis.
"Vier Züge, in drei waren die Toiletten komplett dicht", sagt ein Fahrgast. Eine andere wartet am Bahnhof verzweifelt auf einen Zug: "Ich bin heute auch schon wieder eine Stunde hier und komme nicht nach Darmstadt, weil nichts fährt" Für eine Mutter ist das Bahnchaos in der Ferienzeit ein Ärgernis: "Endlos Verspätung. Und dann sitzt man da mit zwei Kindern und Koffern und niemand weiß wie es weitergeht"
Doch es gibt auch positives zu berichten:
"Seit die Bahn Bus fährt, ist es ein Knaller", sagt ein Fahrgast, der den Schienenersatzverkehr nutzt.
Von Mannheim bis Frankfurt fährt die Bahn noch bis Dezember Bus. Schienen, Oberleitung, Bahnhöfe: Die sogenannte Riedbahn wird großflächig saniert. Das Ergebnis: Eine Sperrung der Strecke. Immerhin: Danach soll alles besser sein. Und Riedberg ist laut Bahnchef Richard Lutz "der Schlüssel und Wendepunkt in eine langfristige Gesundung eines Eisenbahnsystems in Deutschland. Das wird dauern. Ein Marathon. Keine schnellen Ergebnisse. Aber es ist der richtige Weg."
Im Juni war nur jeder zweite Zug war pünktlich. Die Bahn übertrifft sich selbst - und lässt sogar den Chef im Stich. "Ich fahre immer mit Puffer los", sagt Lutz.
Erklärungen haben die Verantwortlichen viele: Streiks, Unwetter, Baustellen. Oder anders gesagt: Selber Schuld sind Bahn oder Politik nicht. Stimmt aber nicht ganz: "Die Bahn wurde über Jahre kaputt gespart. Das Schienennetz ist marode und sehr anfällig. Deswegen muss immer wieder geflickschustert werden und repariert werden. Und das kostet richtig viel Geld", sagt ntv-Wirtschaftsexperte Ulrich Reitz.
Die Folge: 1,2 Milliarden Verlust im ersten Halbjahr. Und ein Image-Schaden. Der Konzern war während der Europameisterschaft im eigenen Land Sponsor und blamierte sich. Ein Beispiel: Die Pressekonferenz der niederländischen Nationalmannschaft vor dem Halbfinale musste abgesagt werden, weil der ICE nicht fuhr.
"Die Deutsche Bahn hat das getan, was sie kann. Und das hat diesmal nicht ausgereicht. Gerade in Städten wie Gelsenkirchen oder auch in anderen Städten", erklärt Verkehrsforscher Andreas Knie.
So kann es nicht weitergehen sagen Fahrgäste, Politik und ja auch die Bahn selbst. Im nächsten Halbjahr will das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben. Mit striktem Sparzwang: Weniger Züge auf unbeliebten Strecken und Stellenabbau. Bis zu 30.000 Jobs sollen in den kommen Jahren gestrichen werden.
"Für die Verkehrswende brauchen wir eigentlich mehr Personal, wir brauchen mehr Lokführerinnen und Lokfürher und Menschen, die an der Schiene arbeiten", sagt Isabel Cademartori, Verkehrspolitische Sprecherin der SPD
Der Fahrgastverband Pro Bahn sagt: Es muss mehr Geld ins System. Und nimmt die Politik in die Pflicht. "Wenn wir bedenken, dass man in der Schweiz viermal so viel Geld pro Einwohner ausgibt, darf man sich nicht wundern, wenn die Infrastruktur ist wie sie ist", sagt Karl-Peter Naumann von Pro Bahn.
Das Fahren mit der Bahn. Es bleibt wohl auch in den kommenden Jahren vor allem: ein Erlebnis.