„Schöne Gespräche, Komplimente und dann noch die Intimitäten plus Massagen, Sex und sonstiges. Ja, da fühlt sich eine Frau wieder wie im siebten Himmel, sag ich mal und wenn sie mich dann verabschiedet mit den leuchtenden Augen, dann weiß ich ganz genau. Alles klar, ich habe alles richtig gemacht."
Dennis ist 32 und Teilzeit-Callboy in Berlin. Er geht offen damit um, fährt sogar mit Werbung auf dem Auto durch die Stadt. Drei Tage in der Woche arbeitet er als Elektrofachkraft. Den Rest verbringt er mit Kundinnen. Im Schnitt buchen ihn fünf bis acht Frauen pro Monat. Manchmal keine. Sein Traum: nur noch von der Sexarbeit leben. Frauen glücklich zu machen, ist seine Leidenschaft, sagt er. Besonders bei seiner ältesten Stammkundin scheint ihm das zu gelingen.
„Ich möchte, wenn ich ehrlich bin, auf Dennis nicht verzichten."
Die Anfang 70-Jährige möchte nicht erkannt werden für das Interview. Nennen wir sie Marla. Marla Ist seit mittlerweile sechs Jahren Witwe. Verheiratet war sie 50 Jahre, sie hat zwei erwachsene Söhne. Wie erklärt sie denen, dass sie sich jetzt regelmäßig einen jungen Mann nach Hause bestellt?
„Mein einer Sohn weiß schon, dass ich Dennis, den Callboy, habe. Er hat mich angeguckt und sagte: ,Das finde ich toll, Finde ich viel besser, als wenn du auf so einer Internetplattform irgendjemanden kennenlernst, der dich dann vielleicht ausnimmt.'"
Der Sicherheitsaspekt ist einer der Gründe, warum sie sich für einen Callboy entscheidet. Sie bucht sich Dennis online über eine Seite, bei der sie vorher beim Betreiber gecheckt hat, dass die seriös ist. Viele Frauen trauen sich das nicht. Zu schambehaftet ist noch immer die weibliche Lust.
„Es ist sowieso ein ganz großer Schritt, erst mal mir eine Buchungsanfrage zu schicken. Bei Marla war es so: Sie war sehr aufgeregt. Sie saß schon fünf Meter entfernt und ich sagte, komm' ein bisschen näher. Entspann dich ein bisschen."
Zwei Stunden inklusive Sex kosten 400 Euro. Eine ganze Nacht liegt bei 1.400 Euro. Für Marla ist es das absolut wert.
„Dass der Abend wirklich so toll verlaufen ist und mir auch so ein gutes Gefühl gegeben hat und mich auch, sag ich mal, wirklich in aller Hinsicht befriedigt hat. Und egal ob wir gesprochen haben oder Sex hatten, dass ich dachte ja, ich möchte ihn auf jeden Fall wiedersehen."
Aber Marla geht es so wie vielen anderen Frauen nicht nur um Sex.
„Also ich möchte schon das Gefühl haben, dass auch ich vielleicht begehrt werde. Und er hört zu, was ja viele Männer auch nicht machen."
„Ich sag mal so: Viele Männer gucken einer Frau nie richtig in die Augen, streicheln ie sagen: ,Hey, ich bin stolz auf dich'."
Genau darin sieht Dennis seine Aufgabe. Als Callboy verkauft er zwar Nähe auf Zeit, vor allem aber möchte er jeder Frau das Gefühl geben, gesehen zu werden.