Sehschwierigkeiten, juckende Haut und mehrOft unerkannt! Auch hinter diesen Symptomen kann Diabetes stecken

Typische Hauptsymptome von Diabetes mellitus sind starker Durst, vermehrter Harndrang und ständige Müdigkeit. Aber auch hinter Symptomen, die man zunächst nicht mit der Stoffwechselkrankheit in Verbindung bringt, kann ein Diabetes stecken!
Wechselnde Sehschärfe: Wenn die Brille plötzlich nicht mehr passt
Ein Sehvermögen, das über den Tag deutlich schwankt, kann ein frühes Anzeichen für Diabetes sein. Typisch sei bei Betroffenen etwa, morgens verschwommen zu sehen, während die Sicht im Laufe des Tages wieder besser wird, erklärt Dr. Gabriele Lang von der Deutsche Ophthalmologischen Gesellschaft auf der Plattform Internisten im Netz. Oder aber eine gerade neu angepasste Brille stimme nach wenigen Tagen scheinbar nicht mehr.
Der Grund dafür sind starke Blutzuckerschwankungen: Ein ansteigender Blutzuckerspiegel erhöht den osmotischen Druck im Auge, was zu vorübergehenden Wassereinlagerungen in der Augenlinse führt. Dadurch verändert sich die Form der Linse und somit kurzzeitig die Fähigkeit, scharf zu sehen. Da bei unbehandeltem Diabetes die kleinen Blutgefäße, die die Netzhaut mit Nährstoffen versorgen, zunehmend Schaden nehmen, sollten Sehschwankungen frühzeitig ärztlich abgeklärt werden.
Hautveränderungen: Bräunliche Flecken, Juckreiz und Pilzinfektionen
Die Haut gehört zu den Organen, die sehr häufig auf Stoffwechselstörungen wie Diabetes reagieren. In einer Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erklärt Professor Dr. med. Claudia Pföhler, welche Symptome hier besonders auffällig sind:
Bräunliche Flecken am Schienbein: Kleine, runde oder oval geformte, bräunliche Flecken, vor allem an den Schienbeinen, den Unterarmen oder den Füßen. Sie gelten bei bis zu 70 Prozent der Diabetespatienten als eines der ersten Warnzeichen einer unerkannten Erkrankung. Sobald der Blutzucker gut eingestellt ist, können diese Pigmentveränderungen wieder verschwinden.
Hartnäckige Pilzinfektionen: Wiederkehrende Pilzinfektionen (häufig durch den Erreger Candida albicans) an Füßen, Achseln, in den Leisten, unter der Brust oder im Genitalbereich mit quälendem Juckreiz gelten als Marker-Erkrankung für erhöhte Blutzuckerwerte.
Unstillbarer Juckreiz: Sehr trockene Haut führt oft zu starkem Juckreiz an Armen, Schultern und Unterschenkeln. Reagiert dieser Juckreiz nicht auf gewöhnliche Therapien wie Kortisonsalben, kann dies bei Diabetes ein wichtiger Hinweis auf eine beginnende Nierenfunktionsstörung sein.
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Zahnfleischprobleme und Mundgeruch: Die unterschätzte Gefahr im Mund
Auch die Mundgesundheit steht in enger Wechselwirkung mit dem Blutzucker. Parodontitis, also Entzündungen des Zahnhalteapparats, Zahnfleischbluten, Mundgeruch oder locker werdende Zähne treten bei Diabetes gehäuft auf. „Die Beziehung zwischen Diabetes und Parodontitis ist wechselseitig – das macht sie so besonders und zugleich so tückisch“, erklärt Dr. Elmar Ludwig, Referent für Geriatrische Zahnmedizin der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, auf der Website des Diabetiker Baden-Württemberg e. V.
Menschen mit schlecht eingestelltem Diabetes haben ein teils bis zu viermal so hohes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Umgekehrt können unbehandelte Entzündungen im Mundraum die Blutzuckerkontrolle erheblich erschweren. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel führt wiederum zu einer gestörten Immunabwehr, schlechterer Wundheilung und einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen – eben auch im Mund.
Kribbeln, Taubheitsgefühl und brennende Füße
Im Durchschnitt entwickelt jeder dritte Mensch mit Diabetes Nervenerkrankungen, die sich etwa durch Kribbeln, Taubheitsgefühl, Brennen, Stechen oder ein Gefühl wie „Ameisenlaufen“ in den Zehen und Füßen – besonders in Ruhephasen oder nachts – bemerkbar machen. Dr. Alexander Strom vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) erklärt: Im Gegensatz zu Typ 1 bleibe Typ-2-Diabetes oft über Jahre unentdeckt. „Schon während dieser teils symptomlosen Phase kann es unbemerkt zu Schädigungen der Nerven kommen, die dann zum Zeitpunkt der Diagnose bereits bestehen.”
Das Fortschreiten der sogenannten diabetischen Neuropathie kann nicht dauerhaft aufgehalten werden, bestehende Schädigungen können nicht rückgängig gemacht werden. Die Behandlung besteht deshalb in der Linderung der Symptome. Ist der Diabetes aber optimal eingestellt, findet immerhin keine beschleunigte Abnahme der Nervenfunktion statt.
Stimmungsschwankungen und psychische Belastung
Bei rund drei Vierteln aller Menschen mit Diabetes ist das psychische Wohlbefinden beeinträchtigt – und umgekehrt leidet etwa jeder sechste Mensch mit Depressionen an Diabetes. Eine aktuelle deutsche Studie beleuchtet den engen Zusammenhang zwischen Diabetes und psychischen Belastungen, vor allem den Einfluss von Insulinresistenz und Entzündungen auf depressive Verstimmungen.
Die Untersuchung zeigt, dass höhere Blutzuckerprobleme und Gefäßentzündungen oft mit intensiveren depressiven Symptomen wie Müdigkeit und Appetitlosigkeit einhergehen. Die genauen Ursachen dafür sind zwar bisher nicht vollständig geklärt, doch die Autoren der Studie gehen davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen, Insulinresistenz und Entzündungen im Körper von Menschen mit Typ-2-Diabetes gibt.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Wenn ihr eine oder mehrere der beschriebenen Beschwerden bei euch beobachten, wendet euch an eure Hausärztin oder euren Hausarzt. Dort sollte der Nüchtern-Blutzucker sowie der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) überprüft werden. Eine frühzeitige Diagnose von Diabetes schützt vor fortschreitenden Folgeschäden an Gefäßen, Augen, Nieren und Nerven.
Verwendete Quellen: Internisten im Netz, Deutsche Diabetes Gesellschaft, Diabetiker Baden-Württemberg e. V., Deutsches Diabetes-Zentrum, Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2023


