Sepp Müller findet klare Worte: CDU-Politiker nach AfD-Wahlsieg mit Kampfansange
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Nach dem schlechten Wahlergebnis der CDU in Sachsen-Anhalt spricht der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Sepp Müller über Verantwortung, Glaubwürdigkeit und den weiteren Kurs seiner Partei. Eine Zusammenarbeit mit AfD oder Linken schließt er aus – die CDU wolle in die Opposition gehen.
Gerade gesehen im Film. Und wir können jetzt direkt persönlich nachhaken und auch ein bisschen bohren bei Sepp Müller. Er ist stellvertretender Unionsfraktionsvorsitzender. Einen schönen guten Morgen.
Schönen guten Morgen, Frau Scharf.
Nehmen Sie uns doch zum Auftakt mal mit in Ihr Innenleben seit Sonntagabend. Fühlen Sie sich mitschuldig für dieses Wahldebakel der CDU? Sie haben ja einen ordentlichen Rüffel vom Kanzler bekommen für Querschüsse im Landtagswahlkampf.
Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender habe ich eine verantwortliche Position. Und selbstverständlich frage ich mich auch: Welchen Anteil habe ich an diesem historisch schlechten Ergebnis? Und was kann ich selbst besser machen, damit unsere Bundesregierung bessere Arbeit leistet, damit wir Glaubwürdigkeit wieder zurückgewinnen?
Sie sagen gerade: Was kann man besser machen? Nun wollen Sie selbst CDU-Vorsitzender in Sachsen-Anhalt werden. Was genau werden Sie denn dann anders und besser als Sven Schulze und die alte CDU-Führung machen?
Ich war bei einem Drittel der Direktkandidaten vor Ort. Von Zeitz bis Arendsee ist unser Land groß. Viele Gespräche haben wir gemeinsam geführt, und ein Thema stand immer im Raum: Wir haben keine Glaubwürdigkeit mehr. Uns fehlt die Glaubwürdigkeit. Die Menschen vertrauen uns nicht mehr und deswegen wurden wir abgewählt. Und darum sage ich: Glaubwürdigkeit beginnt dort, wo Prinzipientreue losgeht. Und ein Prinzip habe ich: weder mit rechts noch mit links.
Da würde ich gerne noch mal nachhaken in Sachen Glaubwürdigkeit. „Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht.“ Das sagen Sie selbst. Die Siegmund-Partei AfD will wiederum CDU-Politiker auf ihre Seite ziehen, um die absolute Mehrheit zu erreichen. Sind Sie ganz sicher, dass niemand überläuft?
Sven Schulze hat als Landesvorsitzender diese Liste auf den Weg gebracht, und ich gehe fest davon aus, dass er die Hand dafür ins Feuer legen kann, dass diese Frage, die Sie stellen, mit Nein beantwortet wird. Wir stehen hinter den Grundsatzbeschlüssen unserer Partei. Ich habe noch mal gesagt: Das ist Glaubwürdigkeit. Und wenn das sein sollte, dann haben wir als CDU Deutschlands ein ganz anderes Problem, als in einer geheimen Abstimmung jemanden gewählt zu haben.
Dann gehen wir doch mal diesen, auch wenn Sie ihn fast ausschließen, Fall mal durch. Was würde denn passieren, wenn es doch Überläufer gibt?
Es gibt kein Hätte und Wenn. Diese Frage stellt sich für mich nicht. Es geht darum, die CDU Sachsen-Anhalt zu retten. Es tut mir wirklich leid, Ihnen das so deutlich zu sagen: Wir haben ein so schlechtes Ergebnis eingefahren. Meine Parteifreunde saßen mit Tränen in den Augen vollkommen fertig vor Ort. So eine Frage stellt sich für uns in diesen Stunden nicht. Wir sollten ein bisschen demütig mit diesem Ergebnis umgehen.
Absolut. Und das tut, glaube ich, auch das ganze Land. Gehen wir andere Optionen jetzt nach diesem Wahlergebnis durch: Würden Sie mit der Linken zusammenarbeiten, um einen AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt zu verhindern?
Wissen Sie, der erste CDU-Sachsen-Anhalt-Vorsitzende war Leo Herwegen. Der ist von den Kommunisten im ersten Schauprozess ins Zuchthaus gesteckt worden und hat sich dann 1958 auf den Weg in die Freiheit gemacht, weil er nicht die Blockpartei-Lösung wollte. Und deswegen sage ich ganz klar: Die Rechtsnachfolger der Kommunisten können kein zukünftiger Partner sein. Und wenn ich nach Berlin schaue, mit wie vielen Antisemiten, mit wie vielen Hamas-Anhängern man sich hier umgibt, da ist eine rote Linie, die wir nicht überschreiten können als CDU. Und diese Glaubwürdigkeit, diese Prinzipien stelle ich meiner Partei in den Dienst. Und deswegen kandidiere ich auch als Landesvorsitzender.
So. Dann werden sich aber nun, nachdem wir verschiedene Optionen schon durchgegangen sind, zu Hause sicherlich viele die Frage stellen: Aber wie soll es denn dann weitergehen in Sachsen-Anhalt? Werfen Sie einen Blick in die Glaskugel. Was wird da kommen?
Sven Schulze hat als Ministerpräsident einen Verfassungsauftrag. Er wird geschäftsführender Ministerpräsident bleiben, bis ein neuer Ministerpräsident gewählt ist. Wir haben aber als Union keinen Wählerauftrag bei diesem desaströsen Ergebnis. Und deswegen haben wir nach zweistündiger Diskussion gestern Abend – das musste auch mal gelüftet werden – uns entschieden, in die Opposition zu gehen. Für uns ist klar: Wir sind abgewählt.
Ich sage an der Stelle ganz herzlichen Dank an Sepp Müller für diese sehr ehrlichen und klaren Worte von Ihnen heute früh bei Deutschland am Morgen. Ich wünsche Ihnen trotz der ganzen Misere einen angenehmen Tag.
Danke.

