Prozesstag eins vor dem Amtsgericht Döbeln. Manuel M. wirkt fit, als er ins Gebäude kommt. Kurz danach liegt er plötzlich auf dem Boden. Ob er wirklich bewusstlos ist oder nicht? Unklar.
„Jetzt hat man den Notarzt informiert und er wird wohl in die Klinik kommen. Der Prozess wird für heute erst einmal nicht weitergehen.”
Alles Show, sagt seine Ex-Freundin und Mutter des gemeinsamen Sohnes. Wenige Monate nach der Geburt trennt sich Bianca nach 18 Jahren Beziehung.
„Seit der Geburt hat er mich fertig gemacht, hat mich psychisch niedergedrückt, wo er nur konnte. Ich habe alles falsch gemacht, hab dem Baby die Flasche falsch gegeben, hab ihn falsch gewickelt. Alles Mögliche.”
Seitdem streiten die beiden um das Sorgerecht. Manuel scheint dabei jedes Mittel recht. Er soll seinen eigenen Sohn vergiftet haben. Wegen schwerer Körperverletzung muss er sich jetzt vor Gericht verantworten.
„Er hat dem Kind Tabletten gegeben. Das wurde auch im Blut nachgewiesen. Und es handelt sich dabei um ein Medikament, das ich selber nehme. Und damit wollte er das Ganze auf mich lenken."
Die Dosis war zum Glück zu gering, als dass der damals Einjährige Schäden davon trug. Doch dabei bleibt es nicht. Auch Bianca gerät angeblich ins Visier ihres Exfreundes.
„Da hat er auf der Autobahn versucht, mich abzudrängen, hat mich bedroht und ist sehr weit rübergekommen auf meine Spur bei seinem Überholvorgang und wollte mir Angst machen.”
Das Tragische: Bis zur Klärung lebt der mittlerweile Dreijährige bei seiner Großmutter. Bianca darf ihn nur eine Stunde pro Woche sehen. Sie selber war am Tag der Vergiftung nicht in der Nähe des Kindes.
„Ich weiß, aber 150 Prozent: Meine Tochter würde so was nie tun. Und deswegen stehe ich auch voll und ganz hinter ihr. Das gibt keine Frage.”
Prozesstag zwei: Manuel M. erscheint komplett verhüllt und schweigt. Auch vor Gericht.
„Sie sollen ihren Sohn mit Antidepressiva im Apfelmus vergiftet haben wegen Sorgerecht. Was sagen Sie dazu? Will man nicht vielleicht für den Sohn Frieden finden im Sorgerechtsstreit?”
Anfang September soll das Urteil fallen. Bianca hofft, ihren Sohn dann endlich wiederzubekommen.