Tagelang haben Einsatzkräfte und Freiwillige jeden Stein umgedreht, um die 11-jährige Lyhanna wohlbehalten nach Hause zu bringen. All das offenbar vergebens. Die Nachricht über das, was hier im beschaulichen Fleurance in Frankreich passiert ist, macht viele wütend.
Die Rede ist von Jerome B. – er ist der Vater von Lyhannas bester Freundin Sophia. Die Ermittler gehen davon aus, dass er für Lyhannas Verschwinden verantwortlich ist. Besonders schlimm: Sie ist offenbar nicht sein erstes Opfer.
Lyhanna verlässt letzten Freitag gegen 15 Uhr ihre Schule. Überwachungskameras zeigen, wie sie in Jérome B.s Auto gestiegen ist. Seitdem wurde sie vermisst. Lyhannas Mutter erinnert sich an eine fragwürdige Situation mit ihm.
„Sie hat zu Beginn des Schuljahres bei Sophia übernachtet. Sie hat uns erzählt, dass er Spaß daran hatte, sie zu kitzeln und dass er insgesamt ziemlich viel mit ihr gespielt hat. Natürlich haben wir dann gefragt, ob das noch weiter gegangen ist. Sie hat uns etwas schockiert angeschaut und dann gesagt: Nein, er habe nur mit ihr gespielt – so, wie ein Vater eben mit seiner Tochter spielen würde.“
Und der 41-jährige Jerome B.? Der sagt, er habe Lyhanna am Freitag nur mit dem Auto zum Schwimmbad im Ort gebracht. Dabei verstrickt er sich in Widersprüche und landet in U-Haft.
Jetzt kommt raus: Jérôme B. soll seit Jahren immer wieder Minderjährige sexuell missbraucht haben.
„Es ist die Geschichte des Versagens einer ganzen Justizkette. Denn obwohl fünf junge Opfer Anzeige gegen Jerome B. erstattet haben, ist nie was passiert. Immer wieder hat man versucht, die Verantwortung jemand anderem zuzuschieben.“
Gestern Nachmittag entdeckt die Polizei bei ihrer Suche dann eine Kinderleiche, die dieselbe Kleidung wie Lyhanna trägt. Jetzt ist der Fall zur Staatsaffäre geworden. Frankreichs Premier spricht von Systemversagen und hat seine Minister einbestellt, um zu klären, wie ein Mann wie Jerome B. frei herumlaufen konnte. Für die 11-jährige Lyhanna kommt das aber wohl leider zu spät.