Als Ralf A. dem Richter vorgeführt wird, murmelt er immer wieder leise vor sich hin. Offenbar versteht der 59-Jährige nicht, warum ausgerechnet ER jetzt hier sitzen muss.
„Der Rechtsstaat hat Schuld. Kein Kommentar mehr.“
Aber die Strafakte von Ralf A. ist lang. Sehr lang. Aktuell muss er sich wegen Hausfriedensbruchs in 37 Fällen verantworten. Dazu kommen unter anderem Beleidigung, Bedrohung und versuchte Körperverletzung.
Seit 2005 steht er immer wieder vor den Richtern, also seit knapp 20 Jahren, wurde schon zu mehreren Haftstrafen verurteilt. Er stand schon unter Führungsaufsicht. Nichts hat bisher geholfen.
Seit inzwischen 30 Jahren gehört der Obdachlose Ralf A. ins Stadtbild von Hohenstein-Ernstthal in Sachsen und terrorisiert dort die Anwohner.
Auch Hotelbesitzer Bernd Frank musste sich schon öfter mit dem 59-Jährigen auseinandersetzen.
„Hat ja unsere Toilette als sein Basislager schon benutzt, als Spa eingerichtet, die Minibar Flaschen hingestellt und ist dann auch meistens früh um acht. Dann, kurz bevor die Gäste gekommen sind, ist er dann gegangen und hat dann noch mal kräftig eingepackt.“
Und auch in dieser Bankfiliale soll sich Ralf A. regelmäßig eingenistet haben. „In der Regel ist es für ihn ein Wohnraum-Ersatz. Das heißt also, er schläft hier. Er ist hier, Er versorgt sich. Er kleidet sich auch um.“
Aber Einsicht zeigt der vermeintliche Störenfried nicht. Das beweist er uns auch schon vor rund zwei Jahren, als wir ihn auf der Straße ansprechen.
„Viele Leute beschweren sich über sie. Können Sie das verstehen? Hausfriedensbruch?“
„Ja, aber es müssen andere lieber vor Gericht stehen als wie ich.“
„Von wem würden Sie sich denn Hilfe wünschen oder vielleicht auch annehmen?“
„Das könnte ich konkret nicht so sagen.“
„Die Stadt? Der Bürgermeister?“
„Der als Letzter!“
Ralf A. hat wohl tatsächlich bis dahin ALLE Hilfsangebote des Oberbürgermeisters abgelehnt.
Unter anderem haben wir auch schon elf Wohnungen im Stadtgebiet zugewiesen, aber letztlich hat das alles nie zum Erfolg geführt.
Denn auch aus diesen Wohnungen fliegt Ralf A. immer wieder raus, weil er dort randaliert, gepöbelt und Wände beschmiert haben soll.
„Es ist natürlich schon ein bedrückendes Gefühl, wenn man. Mir kommt es manchmal so, vor, als ob jeder in Deutschland alles machen kann, was er möchte, und es passiert nichts. Und da müsste eigentlich härter durchgegriffen werden.“
Härter durchgegriffen haben schon die Richter am Amtsgericht Zwickau. Sie verurteilen Ralf A. im März dieses Jahres mal wieder zu einer Gefängnisstrafe - er bekommt zwei Jahre und vier Monate. Aber diese Strafe nimmt der 59-Jährige nicht hin und geht in Berufung.
„Warum gehen Sie dagegen vor? Es ist Ihnen zu viel, oder? Was sagen Sie dazu?“
„Das ist eindeutig. Das Strafmaß ist viel zu hoch. Sechs Monate hätte gereicht.“
Nahezu alle Taten streitet Ralf A. ab - bis heute. Das Landgericht hat erneut über seine Strafe verhandelt:
„Der Angeklagte hatte im Vorfeld aus der Haft den Richtern einen Brief geschrieben und jetzt doch die Taten alle eingeräumt. Damit hat er heute zum einen den Zeugen die Aussage erspart, was strafmildernd berücksichtigt wurde und zum anderen wird auch angerechnet, dass er einen Teil der Strafe bereits abgesessen hat, deswegen ist das Urteil heute geringer ausgefallen.“
1 Jahr und 3 Monate - mehr als ein Jahr weniger als ursprünglich gedacht. Aber auch DAS ist Ralf A. immer noch zu viel. Er legt Revision ein und über DIE wird dann das Oberlandesgericht in Dresden entscheiden.