Statt Altenheim: Rente auf dem Kreuzfahrtschiff? So sieht das Leben auf der „Villa Vie Odyssey” aus!
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Ein Rentner-Leben auf hoher See? Das ermöglicht das Kreuzfahrtschiff „Villa Vie Odyssey”. Doch was hat das Schiff seinen Bewohnern zu bieten? Wie sieht das dauerhafte Leben auf dem Meer aus? Wir haben die besondere Seniorenresidenz besucht und herausgefunden, ob das Kreuzfahrtschiff eine echte Alternative zum Altenheim ist.
Helga: „Brigitte sagt immer wir haben jetzt die Sahnehäubchen von unserem Leben. Explorer sagst du immer. Du hast immer so schöne Worte. Pioniers.“
Brigitte: „Pioniere.“
Statt ruhiger Rente, Abenteuer auf See! Was wie ein Traum klingt, haben sie sich erfüllt: Ein dauerhaftes Zuhause auf dem Wasser – ganz persönlich eingerichtet:
Melitta: „Es ist billiger, als wenn man auf dem Land leben würde.“
Brigitte kam nach dem Tod ihres Mannes. Helga hatte sich schon Heimplätze an Land angeschaut. Antje und Rainers Haus war ihnen zu groß, nachdem die Kinder ausgezogen waren. Und Melitta hat hier sogar einen neuen Partner gefunden.
„Wir haben sogar drei Paare, die geheiratet haben. Zwei von ihnen haben sich hier erst kennengelernt.“
Als erstes deutsche Fernsehteam dürfen wir die „schwimmende Seniorenresidenz“ besuchen:
Stefanie Kleine, RTL-Reporterin: „Jetzt bin ich erstmal geschockt.“
Unsere Reporterin will wissen: Kann das Schiff eine echte Alternative zum Leben im Altersheim sein? Wie wohnen die Menschen hier? Wie verbringen sie ihre Freizeit? Und vor Allem: was kostet das Leben an Bord? Die Preise überraschen! Und nicht nur für Rentner kann das Schiff interessant werden.
Diese Schlagzeilen haben uns neugierig gemacht: „Das Altenheim auf See“, „Billiger als Miete.“ und „Die längste Kreuzfahrt der Welt“.
Wir starten in Frankfurt und fliegen einmal um die halbe Welt, nach Australien. In Adelaide liegt das Schiff gerade auf seiner Reise um den Globus.
485 Kabinen oder besser: dauerhafte Wohnungen gibt es auf dem Schiff.
Stefanie Kleine, RTL-Reporterin: „Also mir kommt das Schiff riesig vor. Obwohl es hieß, dass es im Vergleich ein eher kleineres Kreuzfahrtschiff. Auf jeden Fall freue ich mich, dass es jetzt endlich an Bord geht.“
Eigentlich soll das Schiff in wenigen Stunden ablegen. Doch schon beim Check-in wird deutlich: hier gibt’s keine geplante „Urlaubsfahrt“, hier passiert das Leben.
Stefanie Kleine, RTL-Reporterin: „Also ich habe jetzt gerade erfahren, dass wir heute vielleicht gar nicht ablegen und auch in den nächsten Tagen nicht. Das Problem ist, dass ja vor der Küste ein Zyklon, also ein tropischer Wirbelsturm, wütet.“
Eigentlich wäre die weitere Route von Adelaide nach Fremantle und dann weiter Richtung Indonesien gewesen. Jetzt ist der Weg erstmal ungewiss – aber das kann die dauerhaften Bewohner hier nicht mehr aus der Ruhe bringen.
Stefanie Kleine, RTL-Reporterin: „Jetzt schauen wir mal.“
Wir bekommen eine Besucher-Kabine. Freunde und Familie können ihre Angehörigen hier nämlich auch besuchen. All inclusive für ca. 110 Euro pro Tag. An einzelnen Stellen scheint das Schiff schon etwas in die Jahre gekommen. Hier geht’s eben um den Alltag und nicht um Luxus.
Im Internet kann man die Entstehungsgeschichte des Schiffes in diesem Zeitraffer sehen: Die heutige Odyssey war ursprünglich mal ein klassisches Urlaubs-Schiff. Es wurde dann von dem Startup Villavie Residences übernommen, ausgebaut und renoviert.
Bevor wir die Bewohner kennenlernen, treffen wir die Person, die sich das Konzept des Schiffes mit ausgedacht hat!
Kathy Villalba, Co-Gründerin: „Hi! Willkommen in unserem Zuhause auf See!“
Kathy Villalba ist die Co-Gründerin. Sie ist hat schon auf anderen Kreuzfahrtschiffen gearbeitet.
Kathy Villalba, Co-Gründerin: „Hier haben wir zwei normale Pools und zwei Whirlpools. Wir nutzen die Pools auch zum Trainieren! Hier wird viel Wassersport gemacht. Und nachts schmeißen wir hier Partys!“
Stefanie Kleine, RTL-Reporterin: „Also sie feiern gerne?“
Kathy Villalba, Co-Gründerin: „Oh ja, absolut!“
Das Wohn-Kreuzschifffahrt hat acht Decks für aktuell 320 Bewohner. Oben sind die Pools und ein Pickleball-Feld, eine Art Tennis. Es gibt zwei Restaurants und mehrere öffentliche Aufenthaltsräume.
Während der Corona-Zeit kam die Idee auf, ein Schiff für dauerhafte Aufenthalte anzubieten – und das vor Allem für ältere Menschen.
Kathy Villalba, Co-Gründerin: „Die Renter wollen die Welt sehen! Wir machen es möglichst angenehm für sie, alles wird für sie erledigt. Sie kommen an Board und leben einfach hier. Sie brauchen nicht immer wieder packen, sie müssen nicht fliegen. Ihr Haus reist einfach umher. Sie haben alle paar Tage sozusagen einfach einen neuen Garten um sich herum.“
Nach Startschwierigkeiten hat das Schiff im Oktober 2024 in England abgelegt. Auf seiner Route lagen schon Traum- Ziele, wie die Fidji Inseln, Hawaii, Bora Bora und eben Australien. Alle dreieinhalb Jahre soll das Schiff einmal die Welt umsegeln.
Mehr als zwei Drittel der Bewohner sind Rentner, aus verschiedenen Ländern:
Kathy Villalba, Co-Gründerin: „Besonders wichtig: Es soll für jeden erschwinglich sein. Also müssen wir mit den gleichen Preisen mithalten, als wenn man eine normale Wohnung mietet. Und es ist konkurrenzfähig.“
Wie teuer hier das Leben auf dem Wasser ist und ob es wirklich für jeden bezahlbar ist, werden uns die Bewohner noch verraten.
Kathy trifft immer wieder auf neue, dauerhafte Bewohner an Board.
Kathy Villalba, Co-Gründerin: „Und da bist du nun! Das ist so schön.“
Helga: „Ja, und ich mag es! Die ganze Welt gehört uns!“
Brigitte und Helga haben sich hier auf dem Schiff kennengelernt: Helga ist 85 Jahre alt. Ihr altes Zuhause war Hamburg, jetzt ist es die ganze Welt.
Helga: „Ich bin auf dem Schiff angekommen. Und dann gehe ich immer erst mal gucken, was ist auf dem Schiff los. Ich bin so rum und da saß Brigitte da und las. Und da hatte ich schon mitgekriegt. Jeder sagt den Namen, Hallo und so, und dann bin ich hin und hab gesagt: Ich bin die Neue, Helga.“
Brigitte: „Ja, und das war der Moment, ja. Seitdem waren wir befreundet, ja.“
Ihre Namensschilder sollen alle Bewohner hier tragen, um das Kennenlernen zu erleichtern. Helga ist gerade erst eingezogen. Mit 85 Jahren hat sie den größten Schritt ihres Lebens gewagt:
Helga: „Hier ist Brigittes Lieblingsplatz. Ich suche immer Delfine.“
Brigitte: „Und manchmal habe ich auch Delfine gesehen.“
Helga: „Irgendwann schaffe ich das auch. Wir sind ja noch länger da.“
Helga wollte früher immer auf einem Schiff arbeiten, damals wurde ihr das als Frau verboten.
Während andere mit 85 Jahren zurückgezogen, manchmal einsam leben, stürzt sie sich jetzt ins Abenteuer. Für viele ihrer Freunde unvorstellbar.
Helga: „Die erklären mich alle für verrückt. Du bist verrückt. Und was kann alles passieren? Wenn ich mir nur Probleme mache oder überlege, was könnte sein. Da kann ich überhaupt nicht rausgehen.“
Brigitte: „Ich will so sein, wie du bist, wenn ich mal groß bin.“
Sie werden uns ihr Leben hier an Board zeigen. Beide scheinen rundum zufrieden, aber wir werden erfahren: Die Frauen haben auch schwere Schicksalsschläge erlebt, die sie an Board gebracht haben.
Am nächsten Morgen wollen wir wissen: Wie sieht das Leben genau hinter diesen Türen aus? Und wie wird man alt auf einem Schiff?
Wir treffen Brigitte wieder. Sie ist 69 Jahre alt und wohnt seit fast einem Jahr hier.
Stefanie Kleine, RTL-Reporterin: „Das sieht ja aus wie in einem Dschungel hier.“
Brigitte ist damals für ihren ersten Ehemann als junge Frau aus Schweinfurt nach Amerika gezogen. Dort hat sie lange als Pastorin gearbeitet. Aus Kostengründen hat sie sich hier für eine Innenkabine entschieden. Die Zahlen werden zeigen, dass sich das finanziell richtig lohnt.
Brigitte: „Als ich erst kam und in eine Innenkabine, und da wusste ich nicht. Ohne Fenster, ohne Licht, wie ich da sein sollte. Und dann habe ich mir so gedacht, dass ich vielleicht so eine Wilderness machen kann. Dass das mal meine Höhle sein kann.“
Ihre ganze Kabine besteht aus Souvenirs und Erinnerungen.
Brigitte: „Das ist eigentlich von den Südinseln. Das ist, was die Frauen tragen. Hier, diese Tiere hier, die sind aus Alaska.“
Stefanie Kleine, RTL-Reporterin: „Was mir direkt auffällt: hier steht ein Trampolin im Zimmer.“
Brigitte: „Ja.“
Stefanie Kleine, RTL-Reporterin: „Wie kommt es dazu?“
Brigitte: „Wir haben ja über Billionen Zellen. Die freuen sich alle. Die hüpfen hoch. Und die sind alle in Bewegung gesetzt. Ich habe das seit mindestens 40 Jahren gemacht und habe immer ein Trampolin daheim gehabt. Aber ich habe natürlich nie gedacht, dass ich ein Trampolin hier kaufe.“
Das Trampolin hat auch mit ihrer neuen Aufgabe hier zu tun, zu der sie gleich muss. Brigitte hatte mit ihrem zweiten Ehemann Jack bereits in einer Art Heim gelebt. Doch ihr wurde klar: So stellt sie sich ihren letzten Lebensabschnitt nicht vor. Nach seinem Tod orientiert sie sich neu.
Brigitte: „Okay, Brigitte, was würde dir am besten gefallen? Und was würde Jack? Was hätte er gedacht? Wir haben zusammen über ein Schiff geredet und Pläne geschmiedet. Und ich bin eine Reisetante.“
Sie vermietet das gemeinsame Haus an Land, zusammen mit Ersparnissen kauft sie sich diese Innenkabine. Ihre Schwester, ihre drei Töchter und ihre Enkelkinder bleiben daheim.
Brigitte: „Mein Leben wäre perfekt, wenn sie in der Nähe sein könnten. Aber wir rufen an, das ist die Hauptsache. Und vor allem es gibt ja jetzt dieses Telefon. Also diese Bilder, Facetime und das hat es zu meiner Zeit überhaupt nicht gegeben.
In Momenten von Heimweh ist das Handy die einzige Verbindung.
Brigitte: „Ich bin grad in Australien und wir versuchen gerade einem Sturm davon zu kommen.“
Was den Alltag für die älteren Bewohner hier einfacher macht: Die Kabinen werden zweimal die Woche geputzt und auch ein Waschservice für Kleidung ist inklusive! Brigitte hat ihre Kabine dauerhaft gekauft. Die Reederei garantiert mindestens 15 Jahre Reisezeit, abhängig vom Zustand des Schiffes.

