Altenheim-Alternative für Rentner: Ruhestand auf See! Wie viel kosten Kabinen auf dem Kreuzfahrtschiff „Villa Vie Odyssey”?
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Das Kreuzfahrtschiff „Villa Vie Odyssey” bietet aktuell 320 Rentnern ein Zuhause. 150 Kabinen wurden dabei nicht nur gemietet, sondern gekauft. Wir haben die Bewohner gefragt, wie viel sie für ihren dauerhaften Aufenthalt bezahlen. Die Antwort seht ihr oben im Video.
Hier wohnt Rentnerin Brigitte, auf einem Kreuzfahrtschiff.
Stefanie Kleine, RTL-Reporterin: „Das sieht ja aus wie in einem Dschungel.“
An Board gibt es verschiedene Wohn-Modelle: Solch eine Innenkabine startet bei einer Miete mit Kaufoption ab ca. 2.900 Dollar im Monat, also ca. 2500 Euro - und das inklusive Verpflegung, Reinigung- und Wäsche-Service!
Die Kabinen können wie ein Eigenheim gekauft oder für bestimmte Reiseabschnitte gemietet werden. Es gibt auch einen sogenannten „Golden Passport“: eine Einmal-Zahlung ab 85.000 Euro, mit der man sich ein lebenslanges Bleiberecht an Bord sichert – je älter man ist, desto günstiger wird es.
Weitere Mietmodelle werden uns andere Bewohner noch vorrechnen. Und auch echte Luxus-Zimmer werden hier wir noch sehen!
Jeder kann das Leben an Board zur Probe testen. Neben Mietern gibt es aktuell schon 150 Kabinen-Eigentümer.
Helga: „Brigitte kommst du?“
Neben professionell angebotenen Sport-, Sprach- und Kreativkursen bieten auch viele Bewohner hier Aktivitäten für die anderen an. Sie wollen sich gegenseitig fit halten.
Brigitte: „Wir machen jetzt ein paar Sachen: Erstmal lachen wir! Dann haben wir Bewegung, wir atmen dabei und werden ein bisschen wie kleine Kinder.“
Brigitte unterrichtet regelmäßig sogenanntes Lach-Wellness. Sie hat Grundlagen dafür in Indien gelernt. Es geht um positive Beeinflussung des Körpers durch lautes Lachen:
Brigitte: „Wenn wir lachen, haben wir automatisch eine sehr tiefe Bauchatmung!“
Alt sein scheint hier nichts mit Einsamkeit zu tun zu haben – wie wir es leider zu oft kennen. Hier sitzen alle im wahrsten Sinne des Wortes im selben Boot und unterstützen sich. Es gibt gemeinsame Aufenthaltsräume, ein Fitnessstudio, eine Bibliothek, einen Friseur und eine Arztpraxis!
Wer hier wohnt, hat alles inklusive: Zum Essen gibt ein A-la Carte und ein Buffet-Restaurant:
Melitta: „Hallo, schön dich zu sehen!“
Die Angestellten auf dem Schiff sind für die Bewohner mehr als Kellner oder Köche.
José Ortez, Restaurant-Manager: „Wenn einer von ihnen zum Beispiel Probleme beim Gehen hat, dann können wir helfen – nein, nicht helfen, sondern unterstützen beim Tragen des Tabletts. Oder auch wenn sie generell Schwierigkeiten beim Laufen haben, weil wir sind nun mal auf dem Wasser.“
Um Sprachbarrieren zu umgehen, ist das Essen hier ausgestellt und kann angeschaut werden. Der Restaurant-Manager weiß die Namen der allermeisten Bewohner und kennt sogar ihre Einschränkungen.
José Ortez, Restaurant-Manager: „Und dieses Wissen erwarte ich auch von den Kollegen zu jeder Zeit! Ich frage jetzt einfach mal zufällig nach. Welche Essens-Einschränkung hat Mr. Piep?“
Restaurant-Mitarbeiterin: „Er ist Veganer.“
José Ortez, Restaurant-Manager: „Und Frau Piep?“
Restaurant-Mitarbeiterin: „Kein Gluten!“
Weil verschiedene Nationalitäten an Bord sind, ist die Sprache vor allem englisch.
Stefanie Kleine, RTL-Reporterin: „Ist das nicht auch schwer erst, das zu verstehen?“
Helga: „Also für mich das amerikanische Englisch. Also da habe ich schon Probleme, dass ich im Moment nur die Hälfte verstehe. Und ich gucke abends dann immer einen Film im Fernsehen, damit ich langsam in die Sprache hereinkomme.“
An Bord gibt es für die Gesundheit der Bewohner zwar Ärzte, aber die Rentner müssen ihren Alltag möglichst alleine bewältigen. Richtige Pflege findet hier nicht statt. Der größte Unterschied zu einem üblichen Altersheim.
Ein weiterer Gegensatz: Statt einfacher Zimmer, gibt es auch richtige Luxus-Apartments.
Melody Hennessee: „Hello. Welcome!“
Dass es sich hier um eine Schiffskabine handelt, erkennt man kaum noch.
Melody Hennessee: „Wir sind die Hennessees! Ich bin Melody und das ist John! Willkommen in unserer Villa!“
Als die beiden Amerikaner von diesem speziellen Schiff hörten, kaufen sie damals direkt drei Kabinen, um daraus eine zu machen. Die Abtrennungen kann man teilweise noch erkennen. Über anderthalb Millionen Dollar hat sie das Projekt gekostet. Dafür haben sie ihre Kunstgalerie in Florida verkauft und ihr Haus an Land aufgegeben.
John Hennessee: „Sie ist die die Königin der Meerjungfrauen! Jeder auf dem Schiff kennt sie hier als Meerjungfrau!“
Diese Küche ist nicht zum Kochen gedacht, statt Küchengeräte gibt es Drinks.
John Hennessee: „Wir schmeißen hier ziemlich viele Partys. Wir veranstalten hier oft Happy Hours!“
Melody Hennessee: „Dazu laden wir Bewohner ein!“
Ein Raum weiter – im Schlafzimmer – ist Melodys begehbarer Kleiderschrank – das Highlight. Das Badezimmer haben sie selbst, passend im Meerjungfrauen-Stil, gestaltet.
Die beiden sind hier eine Ausnahme. Die anderen Schiffs-Bewohner leben einfacher und günstiger.
Am Nachmittag kann das Schiff – trotz Sturms – endlich ablegen!
Für alle ist das immer wieder ein Highlight.
An Deck treffen wir auf das Ehepaar Antje und Rainer aus München. Sie sind vor drei Monaten aufs Schiff gezogen, nachdem ihre beiden erwachsenen Kinder aus dem Familienhaus ausgezogen waren.
Antje Asbach: „Wir sind in Deutschland noch nicht fertig, weil Haus noch verkauft werden soll, weil das uns hier die Finanzierung und Möglichkeiten gibt, das zu verwenden, das Geld. Das steht noch aus, deswegen fliegen nochmal zurück, weil wir noch ein paar Sachen zu erledigen haben. Und auch Auto verkaufen.“
Beide haben sich für ein Modell entschieden, bei dem sie einen fixen Kaufpreis für ihre Kabine und ein regelmäßiges Wohngeld zahlen. Umgerechnet auf einen Monat kostet sie das insgesamt ca. 5.000 Euro zu zweit, für Wohnen, Essen und Trinken, Reinigungsservice, Unterhaltung und natürlich Urlaub ohne Ende.
Rainer Asbach: „Wir können die Kabine vermieten, können also prinzipiell auch Einkünfte erzielen, über die Kabine. Allerdings: Es ist kein Anlageobjekt. Es ist ein Objekt, was über 15 Jahre im Endeffekt von auf Nullwert geht.“
Denn 15 Jahre ist die kalkulierte Lebensdauer des Schiffes.
Anders als das Ehepaar hat Bewohnerin Melitta ihre Kabine nur für drei Jahre gebucht, solche Segmente kosten im Vergleich etwas mehr. Auch sie wird uns vorrechnen, was das Leben für sie hier kostet.
Melitta: „Es ist billiger, als wenn man auf dem Land leben würde.“
Melitta ist zwar als sogenannte Solo-Reisende gekommen, hier hat sie einen neuen Partner kennengelernt.
Melitta: „Es passiert hier sehr oft auf dem Schiff. Es sind einige Leute hier. Die sind sehr sympathisch und man geht dann zusammen essen, Sightseeing, tanzen. Schön.“
Sogar Hochzeiten unter Bewohnern, die sich an Bord kennengelernt haben, fanden auf dem Schiff schon statt. Es scheint: Alles ist hier möglich und nichts wirklich planbar. Auch die Reiseroute nicht. Wegen des Sturms auf dem Meer muss das Schiff wieder umkehren in den Ursprungshafen. Melitta nutzt die Zeit für einen Landgang. Die Bewohner können Ausflüge selbst organisieren oder auch vom Schiff Unterstützung beim Transport bekommen.
Melitta: „Die meisten, wenn man in einen Ort kommt irgendwo, die strömen alle. Da sieht man sie wie die Ameisen. Die gehen runter von dem Schiff und gehen los. Wir sind alle neugierig.“
Weil dieses Kreuzfahrtschiff mehrere Tage an Land ist, bleibt genug Zeit für Sightseeing. Heute schaut sich die 64-Jährige eine deutsche Siedlung am Ende der Welt an: Hahndorf in Adelaide.
Melitta: „Ach, ist das süß!“
Melitta ist geschieden, ihren Sohn an Land vermisst sie sehr. Doch sie hat eine neue Heimat gefunden.
Melitta: „Im Moment ist es das Schiff, auf alle Fälle. Wenn ich es sehe, denke ich: Ja wir leben hier!“
Zurück an Board nennt die gebürtige Österreicherin uns Zahlen.
Melitta: „Es ist billiger, als wenn man auf dem Land leben würde. Zum Beispiel, wir brauchen kein Auto, wir brauchen keine Autoversicherung. Ich habe mir ausgerechnet, für die drei Jahre, die ich hier bin, zahle ich weniger als 200.000 Dollar.“
Das wären ca. 4.500 Euro im Monat. Zwar viel Geld, doch zuletzt hat sie in Amerika gewohnt, wo das Leben teurer ist als in Deutschland.
Innenkabinen starten bei bestimmten Mietmodellen ab 2.500 Euro pro Monat. Zur Einordnung: Der Eigenanteil an den Kosten für einen Pflegeplatz in Deutschland liegt im Schnitt bei ca. 3200 Euro!
Die Leistungen sind nicht direkt vergleichbar. Aber: Helga hatte bereits zur Probe in einem Heim gewohnt. Der finanzielle Unterschied zu ihrer Fensterkabine machten nur wenige hundert Euro mehr aus. Sie entschied sich für das Schiff.
Helga: „Ich würde gern noch einen Sessel hinhaben, in die Ecke. Den in die andere Ecke, das Bett hierhin und dann noch einen kleinen Tisch.“
Sie liebt den Blick nach draußen!
Helga: „So stehe ich dann hier morgens. Was haben wir für Wetter und ist irgendetwas in Sicht?“
Helga hat ihr Leben lang gearbeitet, sie hatte eine eigene Praxis für ganzheitliche Körpertherapie. Doch als ihre Tochter an Krebs stirbt, will sie nochmal neu anfangen. Sie hat ihre Wohnung vermietet. Mit Ersparnissen und ihrer Rente plant sie erstmal vier Jahre hier zu bleiben.
Helga: „Unsere Familie ist quasi ausgestorben. Also ich habe nur – mit dem ich in Verbindung bin, mit dem Lebensgefährten von meiner Tochter.“
Hier will sie jetzt ihr neues, vielleicht letztes Lebenskapitel starten.
Helga: „Brigitte sagt immer wir haben jetzt die Sahnehäubchen von unserem Leben. Explorer sagst du immer. Du hast immer so schöne Worte. Pioniers.“
Brigitte: „Pioniere.“
Eine vorgebeben Altersspanne gibt es auf dem Schiff nicht. Auch Urlauber können für bestimmte Monatssegmente mitfahren. Ein- und Ausstieg ist auf der gesamten Route möglich.
Ein reines Altersheim ist es also nicht ganz. Helga fühlt sich hier trotzdem wohl und hat Zukunftspläne.
Helga: „Dann fliegen wir zum Mond.“
Brigitte: „Zum Mond kannst du alleine fliegen. Da will ich nicht mitgehen.“
Unser Team geht nach ein paar Tagen von Bord. Für die Bewohner geht die Reise weiter. Immer weiter – in einen Ruhestand auf See, voller Abenteuer.
