Der Alkohol hatte Natalie Stüben lange Zeit fest im Griff. Zwei, drei Gläser Wein und alles schien gut.
Nathalie Stüben: „Und ich wusste nicht, wie das gehen sollte, ohne Alkohol zu feiern, mich zu belohnen, überhaupt eine gute Zeit zu haben.“
Dass sie schon gar nicht mehr ohne kann, merkt sie lange Zeit nicht – bis Gedächtnislücken immer größer werden. Sie schafft es mit einer klassischen Entzugstherapie raus aus der Abhängigkeit. Doch trocken zu bleiben im Alltag, das ist die eigentliche Herausforderung. Helfen könnte Menschen wie Natalie das Medikament Naltrexon.
Dr. Peter Strate: „Das ist ein Medikament, das wirkt gegen die körpereigenen Opioide, also die Stoffe, die bei Schmerz und Wohlbefinden wirken. Und indirekt wirkt das auf das Belohnungssystem. Das heißt, wenn man das Medikament einnimmt, führt es dazu, dass einem das Trinken keinen Spaß mehr macht.“
Die Pille allein ist zwar kein Wundermittel gegen Alkoholabhängigkeit – kann aber im Rahmen einer Therapie den Betroffenen helfen, ihren Konsum in den Griff zu bekommen. Dennoch wird es in Deutschland vergleichsweise selten verschrieben. Aber nicht, weil es nicht gut wirkt.
Dr. Peter Strate: „90 Prozent der Menschen, die behandlungswürdig sind, kommen nie in eine Klinik oder in das Suchthilfesystem rein. Das Medikament selber wäre eigentlich ein probates Mittel, wenn das erkannt wird, dass ein Mensch eine Abhängigkeit entwickelt hat, dass es dann das auch ein Behandlungsversuch stattfindet im Rahmen eines abgeschlossenen Therapieprozesses."
Erst wenn sich jemand die Sucht eingesteht, hat ein Arzt die Chance Naltrexon zu verschreiben.
Doch gibt es auch eine Tablette für Menschen die im Alltag einfach et-was weniger trinken wollen?
Dr. Peter Strate: „Wenn Menschen das Gefühl haben oder sie willentlich zu viel trinken, aber nicht gegen ankommen, dann gibt es ein Präparat, das heißt Mefene (Nalmefen). Das ist ein bisschen ähnlich von der Struktur, das da sehr gut für solche Momente verschrieben werden kann.“
Dazu muss der Betroffene ehrlich gegenüber seinem Hausarzt sein. Der größte Schritt, um nicht in eine Sucht abzudriften wie Natalie Stüben. Sie hat es geschafft - und berät heute selbst Menschen mit Suchtproblem. Denn heute weiß sie: das Leben nach der Sucht ist alle Bemühungen wert!