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Seine Tics halten ihn nicht auf: Trotz Tourette! Felix erfüllt sich seinen großen Traum am Hamburger Flughafen
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Schon als Kind weiß Felix Matern: Er will einmal am Flughafen arbeiten. Doch wegen seines Tourette-Syndroms fragt er sich lange, ob der tägliche Kontakt mit vielen Menschen zum Problem werden könnte. Heute studiert der 23-Jährige dual am Hamburger Flughafen. Wie Felix seinen Traum verwirklicht und mit seinen Tics im Arbeitsalltag umgeht, seht ihr im Video.
„Hallo, ich heiße Felix und bin neun Jahre alt. Ich habe Ticks, das Tourette-Syndrom. Bitte meckert mich nicht an."
Und das ist Felix Matern heute, 14 Jahre später. Und er hat einen großen Traum. Doch kann er sich den mit Tourette erfüllen?
„Ich habe schon als Kind früh erkannt: Ich möchte irgendwie Richtung Flughafen gehen. Ich wusste noch nicht genau, was."
Da arbeiten, wo er täglich tausenden Menschen begegnet.
„Ich hatte auch die Sorge, dass wenn ich beispielsweise häufiger durchs Terminal gehen muss, viele verschiedene Menschen treffe auf verschiedenen Kulturen, dass das mit dem Tourette ein Problem sein könnte für mich."
Felix ist einer von 400.000 Menschen in Deutschland mit Tourette. Bei der neurologischen Erkrankung machen Betroffene unkontrollierbare Bewegungen oder Laute, die sie selbst gar nicht steuern. Mit acht Jahren merkt Felix: Irgendwas stimmt nicht. Er blinzelt oft, zieht Grimassen, macht Dinge, die er gar nicht tun will. Die Eltern gehen mit ihm zum Arzt.
„Ich weiß noch, als die Diagnose bekommen habe, dass ich da saß und als erstes ist mir durch den Kopf geschossen: Bleibt das jetzt für immer? Und ich habe die Frage auch gestellt. Und der Arzt meinte: Ja, mit hoher Wahrscheinlichkeit ja."
„Ich persönlich schaue mir dieses Video sehr, sehr ungerne an, weil ich immer wieder merke, dass es was mit mir macht. Es hat gerade eben meine Tics wieder getriggert und das erinnert mich genau daran, dass ich eben Zeiten hatte in meinem Leben, in denen die Tics viel, viel stärker waren als jetzt. Das ist natürlich zum einen ein gutes Gefühl, aber ich habe auch Sorge davor, dass es vielleicht in ein, zwei Jahren, vielleicht sogar schon morgen, wieder so sein wird, da das Tourette unberechenbar ist."
Felix' Familie unterstützt ihn von Anfang an, kämpft für Verständnis und Toleranz. Die Eltern halten sogar Vorträge in der Schule, informieren Lehrer und Schüler und wagen einen mutigen Schritt.
„Mir war schon immer wichtig, dass ich weiß, dass die Menschen Bescheid wissen, die um mich herum sind, dass ich mit dem Tourette-Syndrom lebe. So als Kind, wenn ich zum Beispiel mit dem Bus gefahren bin, haben meine Eltern in meinem Sinne dafür gesorgt, dass ein Bild von mir am Schwarzen Brett bei den Verkehrsdiensten hing, dass eben alle Busfahrer und Busfahrerinnen informiert sind."
Als Felix seine Diagnose bekommt, ist seine Schwester Jette gerade mal zwei Jahre alt. Sie wächst mit seinen Tics auf. „Ich wusste, er kann ja nichts dafür, aber es war halt trotzdem echt anstrengend. Deswegen musste ich ja die Kopfhörer tragen, weil das einfach irgendwann nicht mehr aushaltbar war, die ganze Zeit dieses Geschreie zu hören."
Die Tics kosten Felix viel Kraft. Seine Muskeln spannen sich mehr an als bei anderen Menschen. Mit Sport und Musik versucht er das auszugleichen. Und er wagt einen Schritt, von dem er lange nicht gewagt hatte zu träumen. Felix bewirbt sich für ein duales BWL-Studium am Hamburger Flughafen, traut sich das mit Tourette zu.
„Dennoch gibt es Phasen, in denen ich natürlich davor stehe und denke: Hm, schaffe ich das jetzt so mit dem Tourette weiterhin?"
Der 23-Jährige durchläuft ein tagelanges Auswahlverfahren. Kann er sich trotz seiner Krankheit durchsetzen?
„Meine Erwartungen waren, ich glaube, relativ niedrig, weil ich nicht wusste, was mich erwarten wird."
Und dann kommt der alles entscheidende Anruf.
„Ich weiß noch, das war ein Videocall. Dass dann die Zusage direkt folgt, war mir gar nicht bewusst und ich war überglücklich. Ich konnte das gar nicht richtig greifen, dass ich jetzt am Flughafen Hamburg mein duales Studium machen darf und weiß das auch jeden Tag zu schätzen. Jetzt hier zu stehen, ist ein unglaubliches Gefühl. Es ist ein großes Privileg, dass ich das hier wirklich machen darf."
Felix hat es geschafft, sich selbst und allen anderen bewiesen: Tourette ist kein Hindernis. Doch wie klappt der Alltag in einem Großraumbüro mit seinen Tics?
„Was ich cool finde, dass Felix extrem offen einfach in der ganzen Form war und auch ist und in der Gesamtform ist es ist es ein Mitarbeiter wie jeder andere am Ende des Tages selber auch. Jeder hat irgendwie seine Macke. Der eine singt auf dem Flur, der nächste klappert oder ist nervös oder ähnliches. Ich glaube, wir haben einfach gar nicht das Potenzial, einfach so ein Potenzial liegen zu lassen. So würde ich es mal formulieren."
Felix ist mit für den Zentraleinkauf zuständig. Er ist der erste Student hier am Hamburger Flughafen mit Tourette.
Felix hat noch ein Jahr Studium vor sich und dann entscheidet sich, ob er als Betriebswirt am Flughafen übernommen wird oder nicht. Seine Schwester Jette ist jetzt schon wahnsinnig beeindruckt, was ihr großer Bruder bisher alles erreicht hat.
„Ich hoffe, dass ich übernommen werde. Aber ich bin jetzt noch sehr optimistisch. Bisher wurden alle Dual-Studierenden übernommen nach dem Studium."
Inzwischen weiß Jette: Einen Bruder mit Tourette zu haben, kann auch ganz schön praktisch sein. „Es war manchmal sehr voll in der Stadt und wenn ich dann Felix mal verloren habe, dann habe ich einfach gewartet, bis er schreit. Und dann wusste ich irgendwann, wo er ist und bin in die Richtung gegangen, wo ich es gehört habe."
Und Felix beweist heute allen: Er erfüllt sich seinen größten Traum – und das mit Tourette.
„Super Stolz. Richtig, richtig stolz, weil er super gut damit umgeht. Und ich glaube, es gibt viele in seiner Situation, die das nicht so gut schaffen. Aber Felix hat ein super Selbstbewusstsein und das strahlt er auch richtig aus."
„Ich glaube, was ich dem Neunjährigen Felix sagen würde, ist, dass er genauso offensiv mit dem Tourette umgehen sollen, wie er es mit neun Jahren bereits getan hat."
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