Starke Verminderung der Granulozyten

Gesundheitslexikon: Agranulozytose

© iStockphoto, Eraxion

2. April 2019 - 8:51 Uhr

Bei einer Agranulozytose kann das Immunsystem zusammenbrechen

Unter dem Begriff der Agranulozytose versteht man eine starke Verringerung der Granulozyten im Blut. Diese Unterart der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ist für die Infektionsabwehr zuständig, weshalb eine extreme Verminderung zu einem Zusammenbruch des Immunsystems führen kann.

Was ist eine Agranulozytose?

Granulozyten stellen die wichtigste Untergruppe der weißen Blutkörperchen im Kampf gegen eindringende Krankheitserreger dar und spielen insbesondere zur Abwehr von Bakterien und Pilzen eine wichtige Rolle. Neutrophile, eosinophile und basophile Granulozyten werden im Knochenmark gebildet und je nach Bedarf ins Blut abgegeben. Sinkt ihr Wert auf unter 500 Zellen pro Mikroliter Blut ab, ist eine wirkungsvolle Infektabwehr nicht mehr gewährleistet - der Mediziner spricht dann von einer Agranulozytose. Die Verminderung der Granulozyten tritt meist als Folge einer allergischen Reaktion auf bestimmte Medikamente auf. Während die Typ-I-Agranulozytose akut einsetzt, geht das Absinken der Granulozyten bei der Typ-II-Agranulozytose schleichend voran.

Wie kann es zu einer Agranulozytose kommen?

In den meisten Fällen wird eine Agranulozytose durch eine Unverträglichkeit gegenüber Medikamenten ausgelöst. Insbesondere nach der Einnahme bestimmter Schmerzmittel, Antibiotika oder Psychopharmaka wird häufig ein Absinken der Granulozyten beobachtet. Daneben können auch Präparate, die zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt werden, zu einer allergischen Agranulozytose führen. Bei dieser akut einsetzenden Form der Erkrankung werden bereits im Blut vorhandene Granulozyten zerstört. Im Rahmen einer Chemotherapie verabreichte Zytostatika oder tumoröse Erkrankungen hemmen dagegen die Produktion von Granulozyten im Knochenmark und können so eine langsam verlaufende toxische Agranulozytose verursachen.

Symptome einer Agranulozytose

Eine Agranulozytose äußert sich zu Beginn oft unspezifisch mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Im weiteren Krankheitsverlauf wird der Körper anfällig für bakterielle Infektionen, insbesondere im Mund-Rachen-Bereich: Als typisches Symptom gilt dabei die Kombination einer Mandelentzündung (Angina tonsillaris) mit Mundfäule (Stomatitis aphthosa), Lymphknotenschwellungen und Fieber. Auch in der Lunge und im Anal- und Genitalbereich breiten sich häufig Entzündungen aus. Bleibt die Agranulozytose in diesem Stadium unbehandelt, können aufgrund der geschwächten Immunabwehr Krankheitserreger in die Blutbahn gelangen und eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) auslösen.

Diagnose:Arzneimittel die Verursacher?

Zur sicheren Diagnose einer Agranulozytose wird zuerst die Gesamtzahl der Leukozyten im Blut festgestellt, woraufhin diese im Anschluss in einem Differentialblutbild in ihre einzelnen Fraktionen unterteilt werden. Liegt eine Agranulozytose vor, wird sich der Arzt nach Durchführung einer körperlichen Untersuchung auf die Suche nach dem Auslöser der allergischen Reaktion begeben: Da hierfür eine Reihe von Wirkstoffen infrage kommt, muss er über alle in der letzten Zeit eingenommenen Medikamente und Präparate genauestens Bescheid wissen. Sind Arzneimittel als Verursacher auszuschließen, kann eine Knochenmarkbiopsie Aufschluss über vorliegende Störungen der Blutbildung geben.

Behandlung/Vorbeugung

Wird die allergische Agranulozytose durch Medikamente ausgelöst, müssen diese sofort abgesetzt werden. Bis sich die Immunabwehr wieder erholt hat, sollte der Patient Menschenansammlungen meiden und auf eine strenge Hygiene achten. Bereits bestehende Infektionen werden mit Antibiotika bekämpft, in schweren Fällen können Granulozyten-Wachstumsfaktoren die Bildung neuer Granulozyten beschleunigen. Wirkstoffe, die einmal eine allergische Agranulozytose verursacht haben, müssen im Anschluss lebenslang gemieden werden. Durch regelmäßige Blutbildkontrollen während der Einnahme bestimmter Medikamente wird der Arzt schnell auf ein Absinken der Granulozyten aufmerksam und kann entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.