Das Wichtigste ist für den Gesetzgeber das Wohl des Kindes

Voraussetzungen, Rechte & Co.: Alle Infos zur Adoption

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22. Oktober 2019 - 14:45 Uhr

Adoptierte und biologische Kinder haben die gleichen Rechte

Ein Ehepaar aus Köln möchte sein aus Thailand adoptiertes Kind nicht mehr haben und glaubt, es einfach zurückgeben zu können. Doch das Jugendamt fordert 219.000 Euro von den Adoptiveltern, da für das Kind die gleichen Rechte wie bei einem biologischen Kind gelten. Welche Bestimmungen, Voraussetzungen und Schritte es bei einer Adoption gibt, erfahren Sie hier.

Welche Voraussetzungen gibt es für eine Adoption?

Wer gemeinsam ein Kind adoptieren möchte, kann das nur als Ehepaar tun. Einer der Ehegatten muss mindestens 25 Jahre alt sein. Der andere mindestens 21 Jahre. Selbst wenn es gesetzlich nicht festgelegt ist: In der Praxis ist es üblich, dass Babys und Kleinkinder nur an Paare vermittelt werden, die nicht älter als 35 Jahre alt sind. Homosexuelle haben dabei die gleichen Rechte wie Heterosexuelle.

Zu den formalen Voraussetzungen gehört, dass die künftigen Eltern körperlich und geistig gesund sind, ein festes Einkommen haben und über genügend Wohnraum verfügen. Wer eine körperliche Krankheit wie Krebs hat, darf kein Kind adoptieren. Damit soll verhindert werden, dass das Kind erneut seine Bindungsperson verliert.

Adoption für Alleinstehende: Kann ich als Single ein Kind adoptieren?

Alleinstehende können ebenfalls ein Kind adoptieren, in diesem Fall prüfen die Ämter allerdings besonders kritisch. Denn das erklärte Ziel ist, dass ein Kind in einer intakten Familie aufwächst und ein Eltern-Kind-Verhältnis entsteht. Wer eine Single-Adoption durchführen möchte, muss mindestens 25 Jahre alt sein.

Die leiblichen Eltern eines Kindes müssen beide zustimmen. Dabei ist es unerheblich, ob sie verheiratet oder unverheiratet sind. Der leibliche, nicht-eheliche Vater kann das schon vor der Geburt tun, ansonsten muss das Baby mindestens acht Wochen alt sein. Sobald das Gericht die Zustimmung der Eltern hat, ist die Entscheidung nicht mehr rückgängig zu machen. Ein Umgangsrecht oder Mitspracherecht, zu wem das Kind kommt, gibt es nicht.

Wie läuft eine Adoption ab?

Die Jugendämter prüfen in vielen Gesprächen, was die Motive für die Adoption sind. Soll ein Kind eine zerrüttete Ehe retten? Soll das Bedürfnis nach Liebe befriedigt werden? Soll es womöglich als Ersatz für ein verstorbenes Kind herhalten? Oder geht es wirklich um das Kind?

Wer ein Kind adoptieren möchte, muss sich auf viele Gespräche mit Ämtern und Psychologen gefasst machen. In diesen soll festgestellt werden, ob es den neuen Eltern wirklich darum geht, ein fremdes Kind um seiner selbst Willen anzunehmen und zu lieben.

Für den Gesetzgeber steht nur das sogenannte Kindeswohl im Vordergrund. Es geht darum, für ein Kind Eltern zu finden und nicht für Eltern ein Kind.

Wie kompliziert ist eine Auslandsadoption?

Wer ein Kind aus dem Ausland adoptieren möchte, steht nicht unbedingt vor hohen rechtlichen Hürden. Die Umsetzung in der Praxis gestaltet sich aber oftmals viel komplizierter und ist mit hohen Kosten verbunden. Die Verfahren laufen in den einzelnen Ländern vollkommen unterschiedlich ab. Die deutschen Jugendämter stehen Auslandsadoptionen kritisch gegenüber und die Unterstützung fällt eher mager aus. Manchmal muss die im Ausland erfolgte Adoption in Deutschland noch einmal durchgeführt werden. Man sollte sich vorher möglichst genau informieren. Erste Anlaufstelle ist die Bundeszentralstelle für Auslandsadoption.

Nach einer eingehenden Prüfung der Unterlagen, der Gespräche und der Hausbesuche wird Ihnen mitgeteilt, ob Sie für eine Adoption geeignet sind. Dann heißt es nur noch: warten.

Können Eltern ein adoptiertes Kind zurückgeben?

Sobald alle Schritte der Adoption vollzogen sind, gelten bei adoptierten Eltern die gleichen Rechte wie bei leiblichen. Die Verwandtschaft wird von der leiblichen Familie auf die gesamte Adoptivfamilie übertragen.

Im Zuge dessen treten jegliche Rechte und Pflichten wie Erb- und Sorgerecht und Unterhaltsverpflichtungen gegenüber der leiblichen Familie außer Kraft und gelten für die Adoptivfamilie. Dementsprechend kann ein Kind nicht ohne weiteres zurückgegeben werden. Adoptiveltern haben die Kosten für den Lebensunterhalt zu tragen - und zwar mindestens sechs Jahre lang. Das gilt auch, wenn sich die Adoptiveltern während der Eingewöhnungszet ("Adoptionspflegezeit") dazu entscheiden, dass sie das Kind nicht mehr haben wollen.