Belvona-Mieter mit verzweifeltem Hilferuf! Kann RTL etwas für sie erreichen?
Schimmel in Wohnungen, Kakerlaken oder Heizungen, die im Herbst und Winter über Wochen nicht richtig funktionieren.
Seit zwei Jahren schicken Mieter dieser Plattenbausiedlung in Halle regelmäßig Hilferufe mit Fotos und Videos. Der Eigentümer, so mein Eindruck auch bei diesem neuen Besuch, lässt das Wohngebiet verfallen und die Menschen hier im Stich. Missstände kennen sie seit Langem, doch diesmal ist die Lage besonders angespannt.
Der Vermieter habe Rechnungen nicht bezahlt, sagt der örtliche Energieversorger. Ausbaden müssen das die Mieter. Ob es da in den nächsten Stunden noch eine Lösung gibt? Gwendolin Schuster hofft es. Sie ist Bürgergeld-Empfängerin und lebt mit ihren beiden Kindern – 4 und 9 Jahre alt – in einer der Plattenbauwohnungen.
Gwendolin Schuster, Mieterin
„Scheiss Vermieter./Alle leiden darunter…“
„Bis jetzt geht sie noch…
…dreht Helga Gereng die Heizung lieber noch mal voll auf. Auch Nachbarin Antje Pollak ist vorbeigekommen, die beiden haben uns zu Hilfe gerufen.
Antje Pollak, Mieterin
„Jetzt kommt der Winter…das wird eine Harte Zeit für uns.“
Die Hausverwaltung hat den beiden wie allen anderen Bewohnern einen Brief geschrieben. Darin heißt es, die Mieteinnahmen würden nicht ausreichen, um die laufenden Kosten zu decken. Es gebe zu viel Leerstand. Doch dafür können ja die Bewohner nichts und dennoch müssen sie sich jetzt wappnen, wenn Heizung und warmes Wasser in ein paar Stunden abgestellt werden sollen.
Antje Pollak, Mieterin
„Strom wird teuer…“
Die Mieter fühlen sich allein gelassen – vom Eigentümer, aber auch von der Stadt Halle. Ihr Viertel verfalle mehr und mehr, sagen viele. In den Innenhöfen liegt überall Müll, die Hausflure hat scheinbar schon lange niemand mehr geputzt und die nächste böse Überraschung wartet auch schon…
Freistehend
„Hier steht der Keller unter Wasser…“
Offenbar ist hier ein Rohr gebrochen, Wasser läuft aus der Leitung (kurz freistehend Tropfen) und das schon seit Tagen, ohne dass sich jemand kümmere, sagt mir ein Mieter später. Draußen haben sich weitere Bewohner versammelt, um ihrem Ärger Luft zu machen. Es sind Geringverdiener, die hier leben, Rentner oder Geflüchtete. Menschen, die nicht gleich zum Anwalt rennen, weil ihnen das Geld fehlt und manchmal auch die Kraft.
Voxpops
Doch eine neue Wohnung zu finden ist oft gar nicht so einfach. Die sind auch in Halle knapp und wenn ein Amt die Miete übernimmt, muss es einem Umzug oft zustimmen. Warum kommt ein Vermieter so lange mit durch, ohne das etwas unternommen wird, frage ich mich und habe mich dazu mit Andreas Wels verabredet.
Freistehend
„Guten Tag…“
Er ist Abgeordneter im Stadtrat von Halle und er findet: der Bürgermeister lasse dem Vermieter zu viel durchgehen.
Andreas Wels, Stadtrat Halle
„Nach dem Wohnungsaufsichtsgesetz…“
Wie sie den Menschen vor Ort helfen wollen, werde ich später die Verantwortlichen der Stadt fragen. Die Zustände im Wohngebiet sind nämlich nichts Neues. Im Herbst 2022 schreiben uns die Mieterinnen Antje Pollak und Helga Gereng zum ersten Mal. Das Problem damals: Kakerlaken in der Wohnung.
Antje Pollak, Mieterin
„Da ist eine…“
Vermieter ist zu dieser Zeit der Immobilienkonzern Belvona. Doch der kümmere sich nicht, sagen die die Betroffenen. In manchen Wohnungen wuchert der Schimmel, zudem bleiben Heizkörper kalt. Bundesweit ist der Vermieter in der Kritik – wegen schlimmer Zustände in den Wohnungen. Mit Antje Pollak und Helga Gereng fahre ich damals zum Firmensitz in Düsseldorf. Wir treffen auf eine Mitarbeiterin.
Freistehend
„Wir sind aus Halle…“
Plötzlich erscheint ein weiterer Mitarbeiter und der hat etwas gegen unsere Nachfragen.
Freistehend
„Wir haben auch schon mehrfach angerufen…“
Kurz nach unserem Besuch zieht sich Belvona aus dem Wohngebiet in Halle zurück. An den Missständen ändert sich kaum etwas und die Adresse des jetzigen Eigentümers ist dieselbe wie einst bei Belvona. Ich will zu der Firma und den Konstrukten recherchieren und schalte meinen Kollegen Sergej Maier ein
Freistehend Klingeln
Er ist Spezialist für Datenrecherche.
Freistehend
„Hallo Sergej…“
Sergej durchforstet Datenbanken im Internet und nimmt den jetzigen Hauseigentümer unter die Lupe. Das Unternehmen, so merkt er schnell, ist offenbar Teil eines großen Firmengeflechts.
Sergej Maier, RTL-Datenexperte
„Viele verschiedene Firmen…“
Rechtlich sind solche Konstrukte zulässig. Bei den Recherchen findet mein Kollege immer wieder den Namen eines großen deutschen Immobilieninvestors, der wegen heruntergekommener Wohnungen schon mehrfach Schlagzeilen gemacht hat. Und er stößt auf eine Luxusyacht, die scheinbar ebenfalls in dieses Firmengeflecht gehört.
Freistehend
„Die ist jetzt auch nicht klein…“
Eine Yacht im Mittelmeer, während Mieter miserable Zustände in ihren Wohnungen beklagen. Wie passt das zusammen? Wir haben eine Adresse gefunden, wo der Investor wohnen könnte. Ich mache mich auf den Weg und will ihn selbst fragen.
Freistehend
„Ziemlich pompöse Gegend…“
An der angegebenen Adresse steht eine große Villa, es brennt Licht und eine Frau öffnet mir.
freistehend
„Ich bin auf der Suche…“
„Ah ja. Da krieg ich auch immer Post zugeschickt. Aber der wohnt schon lange nicht mehr hier. Ich weiß auch nicht, wer das ist.“
An einer Firmenadresse finde ich den Mann ebenfalls nicht. Sein Anwalt antwortet mir aber auf eine Mail. Seinem Mandanten gehörten demnach weder die fraglichen Wohnungen noch die Yacht, das seien alles haltlose Spekulationen.
Damit gebe ich mich nicht zufrieden. Gegen Hausbesitzer, die Mieter im Stich lassen, können auch Städte vorgehen. In Nordrhein Westfalen tun das einige Kommunen auch. Sie sperren wie hier in Werl Wohnungen bei schlimmen Zuständen oder sie verhängen Bußgelder, wenn eklatante Missstände nicht behoben werden.
Torsten Misler, Punkt 12-Reporter
„Mieterschützer halten das…“
Auch in Halle, wo hunderten Mietern die Heizung abgedreht werden soll, beschäftigt das Thema jetzt die Politik. Ich frage beim Oberbürgermeister nach. Für Strafen sehe er keine Grundlage – denn auf einmal gibt es doch eine Einigung zwischen Vermieter und Energieversorger. Der Hausbesitzer schreibt mir auf meine Anfrage, er halte die Forderungen des Energieversorgers für nicht gerechtfertigt – sie sollen geprüft werden, so lange wird aber nichts abgestellt. Beim Thema Müll und Schimmel habe man eine Hausmeisterfirma beauftragt.
„Allerdings werden Sie sich denken können, dass es nicht die Vermieter bzw. Eigentümer sind, die Schimmel in den Wohnungen setzen oder nachts in Wohnanlagen Container voller Sperrmüll verteilen, die dann mit hohen Kosten beseitigt werden müssen.“
Quelle: Mail des Hauseigentümers
Harte Vorwürfe gegen die Mieter. Beweise legt der Eigentümer nicht vor. In der Plattenbausiedlung bleibt es aber zumindest warm. Antje Pollak und Helga Gereng schicken mir eine Videobotschaft.
Freistehend
„Im Moment…bisschen skeptisch“
Und deshalb hat sich Antje Pollak inzwischen eine neue Wohnung gesucht. In ein paar Wochen wird sie mit ihren Kindern umziehen. Und auch Helga Gereng möchte am liebsten weg von hier– in ein Zuhause, in dem es nicht ständig Ärger gibt.