Vor 10 Jahren gab es in NRW noch weit mehr als 2000 Metzgereien. Heute sind es nur noch knapp 1300 und es werden immer weniger. Auch in Essen musste vor kurzem ein Traditions- und Familienunternehmen schließen. Und doch hat es jetzt wieder geöffnet. Mitarbeiter gibt es dort aber nicht mehr. Arne Merx zeigt ihnen, wie das funktioniert. Über 80 Jahre lang versorgte Metzger Ziegler die Menschen in Essen-Stoppenberg mit Wurst, Aufschnitt, Grillfleisch. Vor zwei Monaten war Schluss, doch seit ein paar Tagen ist der Laden wieder geöffnet. An jedem Tag, von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Aber OHNE Mitarbeiter. Nur ab und zu ist jemand da, um Waren nachzufüllen.
Möglich ist das, weil aus Metzger Ziegler ein kompletter Selbstbedienungsladen wurde. Ausgedacht hat sich das Konzept Metzgermeister und Landwirt Johann Steineshoff.
Das Ganze braucht natürlich auch etwas Vertrauen. Neben dem Vertrauen sind aber sicherheitshalber auch Überwachungskameras angebracht.
Die meisten Produkte im Selbstbedienungsladen stammen von Johann Steineshoffs Hof, knapp 10 Kilometer entfernt in Mülheim-Heißen. Hier machen der 35-Jährige und seine Mitarbeiter fast alles, was aus Fleisch ist. Und das Fleisch für Grillgut oder Wurst macht hier keine weiten Wege. Steineshoff setzt auf Regionalität.
Zurück in den Selbstbedienungsladen. Dass Johann Steineshoff den überhaupt aufziehen konnte, liegt an Ulrich und Monika Ziegler. Die beiden haben hier genug gearbeitet, suchten einen Nachfolger für ihre Metzgerei, fanden aber niemanden. Also machten sie den Laden dicht, bis die rettende Idee kam.
Das Ganze ist eine Art Experiment. Johann Steineshoff zahlt bis zum Jahresende keine Miete. Sollte es funktionieren, wird ein bisschen umgebaut und der Laden läuft mit Selbstbedienung weiter. Ganz klar: Es geht um die Wurst.