Zuschauer stürmen wutentbrannt auf den Platz, es kommt zur Prügelei mit den Spielern. Diese Szenen eines A-Jugend-Kreisliga-Spiels im Landkreis Celle machen sprachlos. Die Bilanz: Fünf Verletzte! Der zuständige Verband hat als Folge nun den Spielbetrieb im Jugendfußball gestoppt - denn das hier soll kein Einzelfall gewesen sein.
Philipp Ziemen, Niedersächsischer Fußballverband Kreis Celle: "Vier Spiele im Jugendbereich innerhalb von vier Wochen, die mit Gewalt in Zusammenhang stehen, kann ich als Kreisjugendausschussvorsitzender nicht dulden und von daher, die Maßnahme, dass wir den Spielbetrieb einfrieren."
Bis zum 20. Oktober findet im Landkreis Celle für Kinder und Jugendliche über 10 Jahren kein Spiel statt. Die Vereine sollen jetzt über Gewalt-Prävention nachdenken. Höchste Zeit, sagen Experten.
Philipp Köster, Chefredakteur 11 Freunde: "Der Amateurfußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, dass die Leute immer schwächere Nerven haben und die Probleme aus ihrem Alltag auf dem Fußballplatz austragen. Das geht so nicht, wir werden sonst keine Spieler mehr haben, keine Schiedsrichter mehr haben, die sich das antun."
Wie es ist, wenn ein Spiel aus dem Ruder zu laufen droht, weiß Finn. Der 15-Jährige ist im hessischen Pfungstadt als Schiedsrichter aktiv.
Finn Roth-Kostial, Jugendschiedsrichter: "Vor allem sehr viel verbal. Also egal ob von Trainern oder von Zuschauern kommt eigentlich jedes Spiel etwas. Manchmal ein bisschen zu viel. Ein bisschen durchgreifen muss. Ich hatte diese Saison schon zwei rote Karten für Trainer."
Seit drei Jahren ist Finn Schiedsrichter - manchmal, sagt er, habe er schon ans Aufhören gedacht. Das Problem seien oft nicht die jungen Fußballer, sondern die Erwachsenen:
Finn Roth-Kostial, Jugendschiedsrichter: "Ich mache Fehler. Es ist normal. Aber dann kommt da ein erwachsener Mann, der 40 ist oder so auf mich. Ich bin 15 drauf zu und ich habe Angst in dem Moment einfach, dass der jetzt irgendwie mir auch was Böses will. Und der schreit mich an, schreib mir ins Gesicht. Ich sage Gehen Sie bitte zurück und er kommt trotzdem her. Wo ich mir auch sage, ich bin 15. Das sind erwachsene Männer. Die kann ich auch ein bisschen im Griff haben."
Finns Vater begleitet ihn zu den Spielen. Aus gutem Grund.
Frank Roth-Kostial, Vater von Finn: "Wir gehen aber mit, weil wir einfach sehen, dass es immer wieder zu Zwischenfällen kommt. Und deswegen ist ganz wichtig, dass wir auch Erwachsene dabei haben. Ab und zu und so wie vorletztes Wochenende, wo wir eben so einen Vorfall hatten, wieder und Rena dann auf ihn losgegangen ist, verbal und mit Gesten und sehr aggressiv."
Völlig inakzeptabel! Finn und sein Vater finden es richtig, dass es in Niedersachsen nun harte Konsequenzen gibt. Die Polizei in Celle ermittelt außerdem gegen zwei Beschuldigte im Alter von 18 und 19 Jahren wegen zum Teil schwerer Körperverletzung.