Serviervorschlag – dieses Wort finde ich überall auf Verpackungen und in Prospekten. Mal gut lesbar, oft weniger gut. Klar, denke ich mir: da präsentieren Hersteller und Anbieter ihre Produkte eben in schönster Optik, warum auch nicht. Aber tatsächlich haben Hersteller dabei viel mehr Freiheiten als ich dachte. Und das kleine Wörtchen „Serviervorschlag“ kann da zusätzlich weiterhelfen – erklärt mir Verbraucherschützerin Britta Schautz.
Freistand Expertin
Grundsätzlich ist ja festgelegt…
Das will ich genauer wissen – und gehe mal wieder einkaufen. Erst einmal geht es mir darum, wie wir Kunden durch Bilder von hochwertigen Zutaten überzeugt werden sollen – und was wirklich dahintersteckt.
vK Müllermilch weiße Schokolade Macadamia
– Hier sind ganze Macadamias abgebildet und riesengroße Schokostücke.
Freistand
– Hier sehen wir noch, unten drunter steht…Geschmack!
– …
– …abgebildet sein muss.
Ok, wir wollen solche Abbildungen jetzt nicht – wortwörtlich – auf die Goldwaage legen. Aber weil Macadamia-Nüsse durchaus hochwertig sind und die Bebilderung hier ja auch sehr konkret wirkt, wiegen wir jetzt doch einfach mal nach…
Freistand wiegen
– Also, Schokolade in der Menge wiegt x, Macadamia y.
– Ja, und in der Zutatenliste steht, die Flasche enthalte…
– … schon zu viel.
Ich frage dazu den Hersteller an und bekomme keine Antwort. Der Verbraucherzentrale schreibt der Hersteller dagegen auf eine entsprechende Anfrage, dass die Abbildung an zwei Stellen durch das Wort „Geschmack“ ergänzt werde.
„Damit wird der Verbraucher informiert, dass zur Erzielung des Geschmacks auch Aromen eingesetzt werden.“
Aber noch einmal: das ist völlig legal. Klar ist aber: Wir orientieren uns beim Einkauf an solchen Abbildungen, oft machen die ja auch Sinn, wie zum Beispiel auf Dosensuppen wie hier im Regal.
Dann stoße ich aber auf diese Packung – und hier wird es gleich aus Sicht der Verbraucherzentrale sogar gesundheitlich bedenklich.
vK Leinsamen
– Sieht super lecker aus hier dieses Müsli
Freistand
– Diese Verpackung finde ich sehr, sehr kritisch.
– Wie passt das denn überhaupt zusammen…?
– Das passt überhaupt nicht zusammen. Ich glaube ehrlich gesagt, dass Verbraucher durch dieses Bild…
Mir wäre es vermutlich genau so gegangen, wäre ich nicht gezielt auf der Suche gewesen. Der Hersteller schreibt mir, die Vorderseite erfülle die Vorgaben der entsprechenden EU-Verordnung.
„Der Serviervorschlag nimmt Bezug zu einem Verwendungsbeispiel auf der Verpackungsrückseite. Dort heißt es, dass die Leinsamen geröstet als Topping für Müsli oder andere Gerichte verwendet werden können.“
Und dann auch gesundheitlich unbedenklich, selbst bei höheren Konsummengen.
Auch in Prospekten taucht das Wort „Serviervorschlag“ häufig auf – bei unserer Stichprobe sieht die Expertin aber wenig Probleme, da hier oft beworbene Produkte sozusagen thematisch zusammengefasst werden, wie diese herbstliche Mahlzeit aus diversen Zutaten.
Völlig absurd wirkt auf mich dagegen das hier, was die Expertin mir zeigt: Tatsächlich wurde auch die Joggerin auf der Traubenzuckerpackung als Serviervorschlag bezeichnet. Warum, das hat mir der Hersteller nicht erklärt, aber mitgeteilt, das Produkt gäbe es seit einiger Zeit nicht mehr im Handel.
Freistand
– Wie ist jetzt der Ausdruck „Serviervorschlag“ geregelt? Was bedeutet er jetzt tatsächlich und was darf er nicht bedeuten?
– Aus unserer Sicht bedeutet….
Zusammen mit der Expertin will ich jetzt ein kleines Experiment machen. Dafür hat mir die RTL-Grafik diese drei frei erfundenen Etiketten für Multivitaminsaft gestaltet.
Freistand
– Der hier ist am ehrlichsten…
Ums klar zu sagen: In allen Flaschen ist der gleiche Saft, tatsächlich ohne Kokos-Anteil übrigens. Und ich biete ihn jetzt mit unterschiedlichen Serviervorschlägen einfach mal gratis an – wofür würden Sie sich denn entscheiden?
Freistand Experiment
– Welchen Multivitaminsaft…
Und so ähnlich geht es auch dieser Frau: spontan greift auch sie zu unserer phantasievollsten Gestaltung und sagt klar:
„Ich wäre nicht enttäuscht.. nicht drin wäre“
Also, das Auge isst – und trinkt – bekanntlich mit. Verständlich, dass Anbieter da gerne maximal mit unseren Erwartungen spielen. Aber wenn ein Produkt mit schönen Bildern einen zusätzlichen Warnhinweis benötigt, wird es für Kunden meiner Meinung nach echt schwierig.