37 Mal hat Christian B. das Braunschweiger Landgericht in diesem Jahr schon betreten. Ihm werden in mehreren Fällen Vergewaltigungen sowie Kindesmissbrauch vorgeworfen. Seine Verteidiger bezeichnen die Vorwürfe aber als haltlos, fordern im abschließenden Plädoyer sogar Freispruch.
Friedrich Fülscher, Verteidiger von Christian B.: "Nach Auffassung der Verteidigung besteht einfach keine ausreichende Tatsachengrundlage, die einen Schuldspruch rechtfertigt. Wir konnten nicht feststellen, dass sich die Taten so zugetragen haben bzw. durch Herrn B. begangen worden sind, wie es die Anklage vorwirft."
Die Staatsanwaltschaft dagegen plädiert für eine Haftstrafe von 15 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der 47-Jährige sitzt momentan noch eine andere Haftstrafe wegen Vergewaltigung einer US-Amerikanerin 2005 in Portugal ab. Die ihm aktuell vorgeworfenen Taten sollen alle zwischen 2000 und 2017 - auch in Portugal stattgefunden haben. Dem Land, in dem 2007 auch Maddie McCann im Familienurlaub verschwand. Der Fall Maddie, in dem Christian B. seit Jahren als Hauptverdächtiger gilt, ist allerdings nicht Teil der aktuellen Verhandlung am Landgericht Braunschweig.
Marian Rösner, RTL-Reporter: "Die Möglichkeit der letzten Worte lässt Christian B. heute verstreichen. Wie schon an den vergangenen Verhandlungstagen sitzt er stillschweigend und in sich gekehrt neben seinen Verteidigern. Diese nutzen den heutigen Prozesstag aber nochmal, um gegen die ermittelnden Behörden auszuteilen."
Konkret werfen sie der Braunschweiger Staatsanwaltschaft im Fall Maddie eine mediale Hetzjagd gegen Christian B. vor:
Friedrich Fülscher, Christian B.s Verteidiger: "Unser Mandant wurde letztendlich jetzt über Jahre immer wieder durch Statements des Pressesprechers der Staatsanwaltschaft Braunschweig hinsichtlich der Tat zum Nachteil von Maddie McCann in den Fokus gerückt und damit wurde öffentliche Meinungsbildung betriebe . Also die Staatsanwaltschaft hat sich hingestellt und gesagt: 'Wir sind überzeugt davon, wir haben den richtigen Täter.' Es gibt aber bis zum heutigen Tage weder einen Haftbefehl, noch gibt es eine Anklage."
Im aktuellen Prozess betritt Christian B. gegen 10 Uhr ein 38-tes und vorerst letztes Mal den Braunschweiger Gerichtssaal. Sollte es tatsächlich zu dem von seiner Verteidigung geforderten Freispruch kommen, könnte er bereits im kommenden September seine aktuelle Haftstrafe verkürzen - und damit sogar vorzeitig freikommen.