Sadjo S. trägt eine sogenannte Spuckschutzhaube.
Diese muss er vor Gericht tragen, weil er bereits im Vorfeld gegenüber Polizisten und Justizbeamten ein hochagressives Verhalten zeigt, Menschen um sich herum beleidigt. Doch aufhalten kann ihn dabei auch die Maske nicht.
"Als der Richter nach seinen Personalien fragt , fängt der Angeklagte an zu schreien, beschimpft seinen Dolmetscher als Rassisten und den Richter als Drogendealer. Als er sich minutenlang nicht beruhigen kann, muss er aus dem Gerichtssaal geführt werden."
Weil er den Prozess ständig stört, verbringt Sadjo S. die meiste Zeit in einem Nebenraum außerhalb des Saals. Der Richter sagt, er habe so etwas in 26 Dienstjahren noch nicht erlebt.
S. steht wegen neun von insgesamt 51 Straftaten vor Gericht. Körperverletzung, Betrug, Bedrohung - die Liste ist lang. Eine der Betroffenen ist Jana Feske. In der Bäckerei, in der sie arbeitet, randaliert der Angeklagte vor wenigen Tagen. Ihre Kollegin in einer anderen Lüneburger Bäckerei erwischt es schlimmer: Ihr schlägt er ins Gesicht würgt sie und beißt ihr sogar in die Hand. Die Verkäuferin erleidet unter anderem eine Nasenbeinprellung.
"Ich war zweimal bei ihr und habe mich vorher schon mit ihr unterhalten gehabt vor dem zweiten Vorfall . Habe ja auch am Samstag paar Blumen vorbeigebracht . Also es ergreift einen schon, natürlich nimmt einen das mit."
Trotz all dieser Taten lehnt das Amtsgericht noch vergangene Woche einen Abschiebehaftbefehl ab - weil kein Flug nach Guinea Buissau, sein Heimatland, absehbar war.
Erst vor wenigen Tagen dieser Fall, im rheinland pfälzischen Windesheim - ein 20 Jähriger Afghane ist völlig außer Kontrolle, geht wohl immer wieder auf Mitbewohner und Mitarbeiter los.
"Unter anderem soll er den Sicherheitsdienst immer beißen."
Obwohl auch sein Asylantrag abgelehnt wurde, wird er nicht abgeschoben.
Doch so einfach, wie manche sich das wünschen, sind Abschiebungen eben nicht. Jeder Fall ist anders gestrickt. Und wenn Papiere fehlen oder das Land seine Staatsbürger nicht zurücknimmt, wird es schwierig. Beispiel: das Talibanregime in Afghanistan.
"Dass man sich nicht so mit denen an einen Tisch setzen kann, wie man das mit anderen normalen Landesregierungen tun kann, das sollte wohl auch völlig klar sein ... aber ich bin für praxistaugliche schnelle Lösungen und wenn's Lücken gibt, müssen die geschlossen werden, ganz klar."
Die CDU möchte Ausreisepflichtige konsequent in Abschiebehaft nehmen und dafür zum Beispiel alte Kasernen umbauen
"Deswegen müssen wir ihn in Gewahrsam nehmen können, damit Identitäten festgestellt werden können und eben auch zwangsweise abgeschoben werden kann."
Das erwartet jetzt auch Sadjo S. Im zweiten Anlauf hat ihn das Amtsgericht gestern zu 12 Monaten Haft verurteilt. In Deutschland wird er diese Strafe aber wohl nicht verbüßen, denn ebenfalls gestern wurde entschieden, dass er innerhlab der nächsten sechs Wochen nun abgeschoben wird.