Es sind Gebete, um die niemand gebeten hat: Abtreibungsgegner in Frankfurt am Main - seit Jahren schon belagern sie immer wieder eine Beratungsstelle für Frauen, die ungewollt schwanger sind.
Dass solche Protestaktionen in Deutschland aber auch viel weiter gehen können, weiß Elisabeth aus Berlin nur zu gut. Sie wurde bei ihrem Abbruch vor neun Jahren in München direkt vor der Klinik von selbsternannten Lebensschützern angesprochen und angegangen.
Elisabeth, Sängerin:
"Wir sprechen von mit mir reden, in Gruppen auf mich zugehen, mich an der Schulter festhalten, mich physisch daran hindern, da rein zu gehen."
Sie war sich ihrer Sache sicher, wollte nie Kinder - anderen Frauen hätten die Abtreibungsgegner allerdings richtig zugesetzt.
Elisabeth, Sängerin:
"Neben mir gab es eine junge Frau, die anfing zu weinen, ganz laut. Auch später drinnen haben mir Frauen erzählt, dass sie total gezittert haben und aufgeregt waren und sich geschämt haben, es ist ja eigentlich ne sehr sehr private Angelegenheit."
Eine Angelegenheit, die in Deutschland noch immer grundsätzlich verboten ist, aber unter bestimmten Bedingungen straffrei bleibt. Eigentlich ein Armutszeugnis für ein modernes Land wie Deutschland - für Lebenschützerverbände aber viel zu liberal. Für sie sind Schwangerschaftsabbrüche das egoistische Resultat der Frauenbewegung und keine Errungenschaft.
Alexandra Linder, Vorsitzende "Bundesverband Lebensrecht":
"Ich glaube, es hat eine Phase gegeben oder eine Strömung der Emanzipation, die einfach überdreht hat, die diesen Schritt zu weit gegangen ist von der Selbstbestimmung und Freiheit zur Missachtung der Selbstbestimmung und Freiheit anderer und da zählt meines Erachtens die Abtreibung mit rein."
Diese Rhetorik kennt Gabie Raven. Die Ärztin führt seit 30 Jahren Schwangerschaftsabbrüche durch, im vergangenen Jahr eröffnete die Niederländerin in Dortmund eine Klinik. Seitdem stehen ihre Handynummer und ihre Privatadresse im Internet. Proteste und Hass-Mails gehören für sie inzwischen dazu.
Gabie Raven, Ärztin
"Weltweit sehen wir, dass das Recht auf Selbstbestimmung, das Recht auf Abbrüche immer kleiner wird. Ich hab keine Angst, aber die werden größer und größer und jedes Land politisch und auch in der Gemeinschaft wird man immer konservativer."
Bundesfamilienministerin Paus hat Anfang des Jahres angekündigt, ein Gesetz auf den Weg bringen, das Proteste gegen Abtreibungen vor Kliniken und Beratungsstellen verhindern soll - passiert ist noch nichts. Ohnehin müsste politisch mehr geschehen:
Gabie Raven, Ärztin:
"Dass es einen Zugang gibt: dass es Praxen gibt, dass die abrechnen können und dass es Möglichkeiten gibt zu kommen."
Gabie Ravens Tür steht auf jeden Fall weiter offen.