Die Anwohner sind genervt: Bahnhupe zerstört ländliche Idylle
Auf dem Bahn-Highway zwischen Neumünster und Hohenwestedt herrscht Wild Wild West. Es wird zwar nicht geschossen, aber so ohrenbetäubend gehupt, dass viele hier in Aukrug regelmäßig zusammenzucken. So wie Petra Harms, die in unmittelbarer Nähe eines unbeschrankten Bahnübergangs wohnt. An den alten Warnton war sie gewöhnt, aber... O-Ton Petra Harms Anwohnerin "Dieser hier ist wirklich extrem schrill. Wir werden morgens um 5 schon von dem Zug geweckt.Gerade jetzt im Sommer, wo man ja mit offenem Fenster schläft , dann ist schon die Nacht zu Ende." Schluss also mit der ländlichen Idylle, die ja sonst für ihre entspannte Stille bekannt ist. Denn die neuen - an sich ja sehr leisen Akkuzüge der Nordbahn - machen, ja, warum nur? Ach so, aus Sicherheitsgründen - nun sehr sehr lautstark auf sich aufmerksam. O-Ton Karsten Steinhoff, Nordbahn "Die neuen Akkuzüge sind lauter als die alten Fahrzeuge, da sie nach neueren Norm zugelassen wurden, die jetzt gültig sind. Und diese Normen verlangen eine höhere Lautstärke der Signalhörner, als es bei den alten Fahrzeugen noch zulässig war." Zweimal pro Stunde fahren die Züge über vier unbeschrankte Bahnübergänge in Aukrug. Macht sage und schreibe 168 mal -Hupen frei ... - am Tag. Auch der Bürgermeister hat die Faxen dicke. O-Ton Joachim Rehder, Bürgermeister "Ohrenbetäubend! In dem Moment, wenn der Zug an uns vorbei fährt werden Sie es erleben, dann schrecken Sie schon auf. Und das müssen Sie sich bitte mal in den frühen Morgenstunden oder Abendstunden vorstellen. Ich glaube, wenn man da in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, sitzen Sie senkrecht im Bett." Joachim Rehder fordert von der Nordbahn den Signalton der Elektrozüge wieder auf die alte Lautstärke zu drosseln. Von Bahn, Bund und Land als Verantwortliche für Bahnübergänge zumindest langfristig Lichtzeichenanlagen als Warnung für die Verkehrsteilnehmer zu errichten. Die Dauerbeschallung der 3900 Aukruger plus vieler ruhesuchender Urlaubsgäste kann nicht die Lösung sein. O-Ton Joachim Rehder, Bürgermeister "Im Hinblick darauf, dass wir so ein bisschen als Ausweichstrecke für Northvolt gediehen sind und dann hört da sollen 20-24 Zugbewegungen noch zusätzlich dazu kommen, dann mag ich mir das mit den Signalhörnern gar nicht ausmalen. Dann gibt es nicht nur hier bei uns, sondern entlang der Strecke Richtung Heide Revolution. Ein Ende des überlauten Hupkonzerts ist jetzt zumindest ein Stück weit in Sicht. Denn zumindest beim Dezibel-Wert soll nachgebessert werden: O-Ton Karsten Steinhoff, Nordbahn "Wir haben aber von vielen Anwohnern gehört, dass wohl der eine Signalton, der etwas heller und höher ist, angenehmer ist. Er ist ähnlicher auch dem Signalton, den die alten Fahrzeuge ausgesendet haben, so dass wir im Moment unsere Fahrzeugführer dafür sensibilisieren, doch vorrangig im Regelfall diesen Signalton zu nutzen und nicht den tieferen Ton, der wohl so sehr unangenehm ist." So könnte es in Zukunft zumindest wieder etwas leiser in Aukrug und den vielen anderen betroffenen Gemeinden werden. Doch vom ursprünglichen Landleben, bei dem man nur die Vögel zwitschern hört, bleibt man hier verquerer Weise nicht trotz, sondern wegen der flüsterleisen Akkuzüge weit entfernt.















