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Zwei Frauen, ein Schicksal: Verena Wriedt und Silke Telgen verbindet so viel
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Zwei Frauen, die sich nicht kennen – und ein Schicksal, das sie für immer verbindet! Am selben Tag verlieren Moderatorin Verena Wriedt und Silke Telgen völlig unerwartet ihre geliebten Ehemänner. Für beide bricht eine Welt zusammen. Doch ausgerechnet durch "Exclusiv" finden sie Jahre später zueinander. Wie aus unermesslicher Trauer eine tiefe Freundschaft entsteht, die ihnen neuen Lebensmut schenkt, und warum beide inzwischen wieder an die Liebe glauben, erzählen sie im bewegenden Interview mit Frauke Ludowig.
Zwei Frauen, ein Schicksal und trotzdem jede Menge Lebensfreude! Beide Frauen verlieren ihre große Liebe. Aber ihre Geschichte handelt nicht nur von Verlust, sondern auch davon, wie das Leben weitergeht. Denn mit dem klassischen Bild der traurigen, einsamen Witwe haben sie so gar nichts zu tun!
„So, ich freue mich jetzt auf ein tolles Interview mit zwei tollen Frauen. Mit einer habe ich schon ganz oft gesprochen. Mit der lieben Verena. Eine sehr geschätzte Kollegin von mir – und die zweite ist die Silke.”
Moderatorin Verena Wriedt und ihre Freundin Silke Telgen haben ein Buch geschrieben: „Der Club, dem niemand beitreten will” heißt es. Darin verarbeiten die beiden Frauen den Verlust ihrer Ehemänner.
Beide gestorben am 17.06.2021. Beide an einem Herzinfarkt.
„Wir haben vor fünf Jahren unsere Männer am selben Tag verloren. Und das ist natürlich was – du bist plötzlich in einem Club drin. So haben wir es definiert, indem du einfach nicht sein willst. Weil das vermutlich so mit das Schlimmste sein kann, was dir überhaupt nur passieren kann.”
Dass die beiden Frauen heute gemeinsam hier sitzen, ist vielleicht so etwas wie Schicksal.
Im Juni 2023, genau zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes Thomas, spricht Verena Wriedt im exklusiven Interview mit Frauke Ludowig zum ersten Mal über den Moment, der ihr Leben verändert.
Thomschu, wie die heute 51-Jährige ihren Ehemann nennt, ist ihre große Liebe. 2013 werden sie Eltern von Sohn Lio, 2014 die romantische Hochzeit auf Ibiza.
Sie wollen zusammen alt werden, doch das Leben spielt anders: Thomas stirbt, wird plötzlich aus dem Leben gerissen.
Für Verena bricht damals eine Welt zusammen. Aber sie will stark sein. Für sich, ihren Sohn Lio und anderen Betroffenen.
Damals sagt sie:
„Mich haben so viele Leute kontaktiert und mir geschrieben über die letzten zwei Jahre. Und ich habe auch tatsächlich schon ziemlich am Anfang irgendwie reagiert. Also so, wie ich konnte, weil ich dachte, oh Gott, die haben so ein Bedürfnis, ihr Leid zu teilen. Und deshalb hab ich mir gedacht, ich möchte gerne, wenn ich eine Stimme habe, möchte ich die gerne nutzen, um diesen Menschen, anderen Angehörigen, die genau das erlebt haben wie ich, irgendwie zu helfen.”
Welche besondere Bedeutung diese Aussage für Verenas künftiges Leben haben wird, ahnt sie damals wahrscheinlich noch nicht.
„Eure Geschichte ist insofern – eure gemeinsame Geschichte ist insofern, ich würde es fast sagen, ein bisschen kurios, weil ihr habt euch tatsächlich über unsere Sendung über Exclusiv kennengelernt.”
„Ja, es war tatsächlich der zweite Todestag meines Mannes und deine Sendung lief im Hintergrund. Und dann hörte ich plötzlich im Hintergrund Verena Wriedt, zweiter Todestag, Mann, Herzinfarkt. Und ich dachte: Was ist das denn? Also das ist ja eigentlich meine Geschichte. Und habe es mir angeschaut, habe es gegoogelt und festgestellt, dass wir eben nicht nur an sich schon viele Themen parallel oder gemeinsam haben, sondern tatsächlich exakt das Gleiche, sie in Berlin, ich in Frankfurt, am gleichen Tag erlebt haben. Und daraufhin habe ich sie dann direkt angeschrieben.”
Sie telefonieren noch am selben Tag, nach fünf Minuten laufen die ersten Tränen. Verena und Silke freunden sich an, teilen ihre Trauer, ihre Gedanken. Heute sind sie fast täglich in Kontakt.
„Ich muss sagen, das wünsche ich jedem, der so ein Schicksal erlebt, dass er jemanden kennenlernt, wie ich das mit Silke hatte. Das ist wirklich ein Geschenk, weil diese Person dich wirklich durch die dunkelste Zeit trägt. Und es gibt nichts Schöneres als jemand, der so gleich gesinnt ist, weil wir sind beide – wir betonen immer, wir sind so wirklich dankbar für unsere tollen Freunde. Wir sind ganz toll aufgefangen worden von unseren Freunden. Aber trotzdem, wenn du jemanden hast, die genau dasselbe erlebt hat, das ist einfach – das hilft einem so unfassbar gut.”
Dass sie sich gefunden haben, bezeichnen sie beide heute als „Geschenk”. Auch, weil ihre Trauer oft in gleichen Bahnen verläuft.
In einer Sache unterscheiden sie sich aber: Verena ist schon wieder neu verliebt, als das für Silke noch lange unvorstellbar ist:
„Ich weiß noch, als Silke und ich uns dann getroffen haben, das erste Mal, dann quasi live oder das zweite Mal. Das erste Mal genau haben wir uns dann getroffen. Und dann habe ich Silke anvertraut, dass ich jemanden kennengelernt habe. Und dann haben wir darüber gesprochen und ich habe so gemerkt, wie ich mich fast so ein bisschen – ich hatte fast so ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil Silke noch nicht so weit war.”
Inzwischen ist auch Silke neu verliebt. Jahrelang in Schwarz rumlaufen und weinen war für beide Frauen nie eine Option. Auch, wenn das in der Gesellschaft oft auf Gegenwehr stößt.
„Hat man als Witwe manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn man sich dann eben nach einem nach dem Tod des Mannes wieder neu verliebt? Was für ein Gefühl ist das? Normal, wenn man sich verliebt, ist es ja eigentlich nur schön. Es gibt nichts – es gibt eigentlich keine Störmomente. Aber wie ist das eben, wenn man eine solche Geschichte hinter sich hat?”
„Am Anfang war das ganz schwierig. Am Anfang hatte ich ein unfassbar schlechtes Gewissen, weil ich wirklich dachte: Du kannst dich doch jetzt nicht neu verlieben. Aber wir alle wissen: Jeder, der schon mal verliebt war, weiß: Man kann sich ja gar nicht dagegen wehren.”
„Bei mir hat es etwas länger gedauert, aber es ist – es fühlt sich total richtig an und ich weiß auch tatsächlich, dass natürlich mein verstorbener Mann gewollt hätte, dass ich mein Leben einfach weiterlebe.”
„Würdet ihr sagen, dass man als Witwe von der Gesellschaft, also ich meine jetzt vom Freundeskreis, von Menschen, die einem nahestehen oder auch weniger nahestehen, dass man als Witwe anders betrachtet wird als Frau?”
„In dem Augenblick, wo ich dieses Wort Witwe benutze oder wenn man zum Beispiel neue Menschen kennenlernt und ich von meinem verstorbenen Mann rede, weil ich kann ja schlecht sagen, mein Ex-Mann, weil es nun mal, also irgendeine Bezeichnung muss es ja geben. Also da geht natürlich direkt eine ganze Geschichte bei anderen im Kopf los. Da ist man natürlich erst mal stigmatisiert. Okay, die hat ihren Mann verloren, da steckt etwas Trauriges dahinter und ich glaube, dann geht bei vielen schon so das Kopfkino los, dass man irgendwie so eine tragische Figur ist, die man eigentlich gar nicht sein möchte.”
Sie haben sich in den letzten fünf Jahren aus ihrem Trauerloch rausgekämpft. Ganz verschwinden wird sie aber nie. Rückschläge und dunkle Tage werden wohl immer zu ihrem Leben dazugehören.
„Was würdet ihr sagen, was ist die Kernbotschaft des Buches? Irgendwie geht das Leben dann doch weiter. Ist es das, was man früher immer gesagt hat? Zeit heilt alle Wunden. Was ist die Kernbotschaft?”
„Also zu ‚Zeit heilt alle Wunden‘ haben wir wirklich eigentlich eine ganz klare Aussage, dass wir sagen – das kannst du immer so schön sagen, mit der Amputation. Also es war ja für uns – erzähl du das mal besser.”
„Ja, ich meine, das ist natürlich dieser Satz, den man oft hört: Zeit heilt alle Wunden, gib ihr mehr Zeit. Und ich habe dann irgendwann mal einer Freundin gesagt, wir hatten das Thema auch: Du, das ist keine Wunde, das ist eine Komplett-Amputation gewesen. Also dieses komplette Leben mit unseren Ehemännern – also das war wirklich wie abgehackt. Also wir mussten ja erst mal wieder gucken, dass wir uns selber zusammenpuzzeln.”
Ihre Männer waren beide Lebemänner, erzählen Verena und Silke uns noch.
Und genau diese Lebensfreude, die sie an ihren Partnern so geliebt haben, behalten sich die beiden Frauen bei. Auch, wenn das eine Puzzleteil in ihrem Leben für immer fehlen wird und sie heute zu einem „Club” gehören, zu dem sie nie gehören wollten.
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