Hier gibt es keine wohlig weihnachtliche Wärme. Stattdessen müssen die Mieter dieses Wohn-komplexes in Werdau zittern. Die Fernwärme wurde bereits abgestellt. Bedeutet: „Mit kaltem Wasser Zähneputzen und zu-sehen, dass wir uns dann in Töpfen Wasser warm machen, dass wir mal baden gehen können. Und das ist halt nicht schön. Aber daran ändern können wir momentan auch nichts, weil wir erreichen ja niemanden", erzählt Bewohnerin Daniela Franke.
Ab Januar könnte es sogar noch schlimmer kommen. Dann soll das Wasser komplett abgeschaltet werden. Viktor Kromm lebt seit 18 Jahren hier mit seiner kranken Frau. Sie hat Long- Covid, benötigt Sauerstoff; Wärme! Mit Heizlüftern kommen die beiden zumindest noch auf 19 Grad. Aber was ist, wenn es draußen, wie angekündigt, noch kälter wird? „Das können wir überstehen. Die Lüftung Tag und Nacht laufen lassen. Aber sonst. Sonst. Ja, das kostet auch Geld. Das kostet auch Geld.“
Verwaltet wird der Wohnkomplex von der Vivet-AG, die immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Auch in anderen Städten soll sie die Abschläge nicht an den Energieversorger weitergeleitet haben. Und die Mieter müssen es ausbaden?!
„Das Wichtigste ist, zu dokumentieren, alles aufzuschreiben, die Temperaturen festzuhalten, die zusätzlichen Kosten, die man als Mieter hat, sei es mit dem mit der Elektroheizung, der zusätzliche Stromverbrauch, die zusätzlichen Kosten, die man dann vielleicht für eine Ersatzunterkunft hat. Alles dokumentieren und dann auch letzt-endlich in einer rechtlichen Beratung einordnen. Mitunter ist eine Mietminderung bis zu 100 Prozent möglich“, erklärt Zakaria Said vom Mieterverein Magdeburg.
Dazu rät auch die Stadt Werdau. Hier kennt man die Not der Menschen; will helfen, aber: „Ein persönliches Gespräch mit dem Oberbürgermeister, mit der Stadt oder den Stadtwerken Werdau war heute nicht möglich. Allerdings liegen uns schriftliche Statements vor und aus denen geht hervor, dass man auch versucht hat, Kontakt aufzunehmen zur Hausverwaltung und zum Hauseigentümer. Und das leider bisher ohne Erfolg. Von daher sind auch den Einrichtungen der Stadt und den Stadtwerken hier leider die Hände gebunden."
Zumindest DAS hat der Bürgermeister den Bewohnern aber angeboten: „Sobald wir hier kein Wasser mehr haben, ist die Notunterkunft in der Rin-gerhalle in Werdau. Und da müssen dann in der Halle Feldbetten aufgestellt werden", sagt Daniela Franke.
Keine schönen Aus-sichten. Die meisten wollen hier deswegen einfach nur noch weg. Sie haben die Hoffnung aufgegeben, anders Viktor Kromm und seine Familie:
„Was wünschen Sie sich?“
„Warmes Wasser, Schöne, schöne Weihnachten.“
Höchste Zeit für ein Weihnachtswunder. Und tatsächlich: Am Morgen des 23. Dezember erreicht RTL die Info, dass der Druck von allen Seiten wohl gewirkt hat. Die Heizungen wurden wieder angestellt.