Themenwelten
Partnerangebote
- Anzeige -
Albtraum nach dem Hauskauf: Giftstoffe im Eigenheim: Wurden die Käufer bewusst getäuscht?
Video lädt...
Der Traum vom Eigenheim wird für eine Familie aus Paderborn zum Albtraum: Ihr Haus ist mit Schadstoffen belastet. Ein RTL-Reporter geht mit einem Gutachter auf Spurensuche und entdeckt bei einer verdeckten Hausbesichtigung Asbest. Was Käufer unbedingt wissen sollten.
# Cleanes Transkript – Schadstoffe beim Hauskauf
Ich besichtige mit versteckter Kamera ein Haus, das zum Verkauf steht und in dem vermutlich giftige Schadstoffe verbaut sind. Solche Häuser gibt es offenbar zu Tausenden in Deutschland.
Ich habe mich beim Makler als Kaufinteressent ausgegeben. Mit dabei ist ein Gutachter, der Erschreckendes aufdecken wird.
„Wenn wir das beproben würden, dann würden wir mit Sicherheit kontaminierte Bereiche feststellen.“
Und tatsächlich: Die späteren Laborergebnisse werden es in sich haben. Spielen hier Makler absichtlich mit der Gesundheit ihrer Kunden?
Genau das ist offenbar Familie Kappai passiert. Ich treffe das Paar in Paderborn vor ihrem Haus. Auch ihnen sollen gefährliche Schadstoffe beim Hauskauf vom Makler verschwiegen worden sein.
„Ja, es ist schadstoffbelastet. Wir haben das Haus vor vier Jahren gekauft. Uns wurde nicht gesagt, dass das so ist. Wir hatten ein Exposé gesehen, haben uns daraufhin gemeldet, hatten Interesse. Wir haben es besichtigt und haben es dann auch gekauft.“
Und um dieses Haus geht es. Gebaut in den 70er-Jahren. Familie Kappai wollte sich hier einen Lebenstraum erfüllen. Jetzt steht es leer und die Familie lebt in einer Ausweichwohnung.
„Dann haben wir gemerkt, irgendwas ist da nicht richtig. Es riecht ja. Und dann haben wir uns auf die Suche gemacht, woran das liegen kann.“
Das Paar zeigt mir, was von seinem Lebenstraum noch übrig geblieben ist. Weil wir uns nur kurz aufhalten werden, verzichten wir auf Atemschutz und Schutzkleidung.
„Oh ja, ich muss ganz ehrlich sagen …“
„Es ist übel.“
„Riecht stark. Riecht es wirklich stark?“
„Richtig stark, ja.“
„Mit welchem Gefühl geht man jetzt hier rein?“
„Auf jeden Fall Traurigkeit, ganz klar. Und auch Wut.“
„Inwiefern?“
„Ja, dass wir im Endeffekt so veräppelt wurden.“
„Wenn man hier so reingeht, sieht es aus, als hätte man das Haus fluchtartig verlassen.“
„Ja, es war im Endeffekt auch so. Von heute auf morgen sind wir hier raus.“
„Wenn man länger hier drin ist, merkt man es irgendwann nicht mehr. Man wird geruchsblind. Aber wenn man rausgeht: Die Klamotten, die Haare …
Ich war in der Zeit schwanger, musste öfter ins Krankenhaus wegen gesundheitlicher Probleme. Meine Tasche hat so dermaßen gestunken, es war einfach so peinlich.
Ich habe ihn dann sogar noch angerufen und gesagt: Kannst du mir irgendwie so ein Billigdeo holen zum Sprühen?
Auch später mit dem Baby in der Krabbelgruppe. Es hat einfach alles gerochen. Der Autositz, Kinderwagen, alles.“
Heute sagt die junge Familie: Wir wurden bewusst getäuscht.
Sie hat das Haus während der Corona-Pandemie besichtigt. Alle Anwesenden mussten FFP2-Masken tragen. Auch deshalb habe sie den Geruch zunächst nicht wahrgenommen.
Jetzt wirkt das verlassene Haus wie ein Museum auf mich. Auch die Möbel und Einrichtungsgegenstände sind nach den vorliegenden Erkenntnissen durch Ausdünstungen von Formaldehyd belastet und nicht mehr zu retten.
„Es ist schwierig. Jedes Mal, wenn ich jetzt hier bin, kommt Trauer hoch, weil ich denke, ich könnte hier wohnen. Ich könnte hier meine Kinder aufwachsen sehen.
Du hast hier ein super Umfeld. Es ist alles ruhig. Du hast ein schönes Haus, in Anführungsstrichen.
Aber letztendlich, wenn du hier wohnen bleiben willst, musst du Angst haben, dass du irgendwie immer stinkst oder dass du vielleicht durch die ganzen Stoffe irgendwelche Krankheiten, Krebs oder sonst was bekommst.“
Formaldehyd ist ein Konservierungsmittel, das früher vor allem für Lacke und Spanplatten verwendet wurde. Heute weiß man: Es ist krebserregend. Häuser, die damit gebaut wurden, sind nur mit großem Aufwand sanierbar, wenn überhaupt.
Nur 15 Minuten habe der Makler dem Paar damals Zeit gegeben, um das Haus anzusehen. Über Giftstoffe sei kein Wort gefallen.
Die beiden gehen vor Gericht.
„Wir haben ja die Verkäufer verklagt. Der Makler hat sich als Streithelfer eingeklinkt und seiner Aussage wird mehr geglaubt.
Er behauptet, er hat es uns felsenfest gesagt. Auch immer an dem gleichen Standort. Hat er das den Leuten hier im Haus gesagt? Und das stimmt einfach nicht. Er hat es nicht gesagt.“
Makler haben eine Auskunftspflicht. Bekannte Schadstoffbelastungen dürfen nicht verschwiegen werden.
Jacqueline und Felix Kappai kämpfen dafür, dass der Verkäufer für die Sanierungskosten aufkommt. Doch das Gericht glaubt dem Makler. Die Klage wird abgewiesen.
Vor meinen Dreharbeiten habe ich nicht gewusst, wie groß dieses Problem in Deutschland ist.
Ich treffe Gutachter Stefan Lange in einem Haus, das er betreut.
Nach Schätzungen gibt es bundesweit noch rund 9,4 Millionen Häuser, in denen Schadstoffe wie Formaldehyd oder Asbest verbaut wurden.
Nicht von jedem Haus geht eine akute Gesundheitsgefahr aus. Aber auch stark belastete Häuser werden immer wieder zum Kauf angeboten.
Das Problem, dass Makler Mängel verschweigen, ist ihm bekannt.
„Mit welchen Tricks arbeiten Makler oder Verkäufer, um das zu verschweigen?“
„Es wird natürlich sehr, sehr viel kosmetisch aufbereitet. Da werden Anstriche organisiert, dass man sieht: Okay, jetzt ist der Schimmel weg.
Oder es wird gelüftet bis zum Abwinken, dass man merkt, da ist schon seit zwei Tagen das Fenster offen, weil es vorher muffig war.
Manchmal hat man auch Objekte, die vor der eigenen Haustür sind. Dann sieht man natürlich, dass die da kosmetische Arbeiten vorbereiten. Dann geht man rein und weiß eigentlich schon: Okay, hier ist nicht so ganz sauber gearbeitet worden.“
Ich will es genau wissen. Stefan Lange und ich wollen, getarnt als Interessenten, mit versteckter Kamera auf eine Besichtigung gehen.
Vorher haben wir uns Inserate angeschaut. Bei einem der angebotenen Häuser vermutet der Experte besonders viele Schadstoffe, unter anderem Asbest.
„Glauben Sie, dass der Mann uns reinen Wein einschenkt, dass hier Gefahrstoffe drin sind?“
„Wer geht schon freiwillig damit hausieren, dass da irgendwo ein Manko ist? Man wird erst mal präsentieren, was alles für tolle Sachen da sind.“
Eigentlich müsste der Makler über bekannte Schadstoffbelastungen Auskunft geben.
Der Makler wirkt entspannt. Gemeinsam gehen wir durch das Haus, schauen uns Raum für Raum an.
Dem Gutachter fällt etwas auf.
„Ist das Schimmel?“
„Nee, da war nur ein Teppich drauf.“
„Also Schimmel, wie gesagt, ich habe jetzt mal nicht gelüftet, auch wo es jetzt so warm war. Aber die Luft ist super hier. Schimmel ist hier nicht.“
Der Makler behauptet, nicht gelüftet zu haben. So sollte es bei einer Besichtigung auch sein, damit Interessenten einen Eindruck vom Raumklima bekommen.
Ich habe aber den Eindruck, dass hier erst vor Kurzem ein Luftaustausch stattgefunden hat.
„Natürlich. Und wie gesagt, Schimmel habe ich bisher hier nicht erlebt.“
Schimmel soll es hier also laut Makler nicht geben. Gutachter Stefan Lange sieht das etwas anders.
Wir gehen weiter und betreten den Keller.
„Aber hier steht auch Wasser drin. Ist ja ganz frisch, das Wasser.“
„Ich weiß jetzt nicht, wie das Wetter genau war die letzten Tage.“
„Regen.“
„Bisschen Regen.“
Eine feuchte Stelle im Keller. Nur Wasser oder steckt mehr dahinter? Draußen klärt mich der Gutachter auf.
„Wir haben extra gezielt darauf angesprochen. Die Feuchtigkeit, die da unten war, das heißt also, die Öltanks sind ausgetauscht worden.
Das passt nicht so ganz mit der Heizungsanlage zusammen. Dann die Feuchtigkeit da unten.
Also ich bin felsenfest davon überzeugt: Wenn wir das beproben würden, gerade den Kellerboden mit einer Kernbohrung, dann würden wir mit Sicherheit kontaminierte Bereiche feststellen.“
Zurück im Haus wollen wir jetzt Beweise sammeln, ob hier Schadstoffe verbaut sind oder nicht.
Als der Gutachter und ich das Haus ausgesucht haben, ist uns vor allem der Boden aufgefallen.
Denn diese sogenannten Flexplatten wurden früher häufig verbaut und können Asbest enthalten.
Ich frage nach.
„Also in Sachen Schadstoffe, die noch drin sind in der Bausubstanz …“
„Asbest oder so was wüsste ich jetzt nicht.“
Den gefährlichen Schadstoff Asbest soll es hier also nicht geben.
Ich nehme ein Stück einer gesplitterten Bodenplatte mit und werde es im Labor untersuchen lassen.
Schon jetzt ist der Experte sicher: Wir werden fündig werden.
„Wir haben ja gezielt nachgefragt, ob Schadstoffe vorhanden sind beziehungsweise inwieweit Asbest vorhanden ist.
Und es wurde ja ganz klar gesagt: Nein, es ist kein Asbest vorhanden gewesen.
Wenn wir uns die Flexplatten angeschaut haben, die sind natürlich asbestbelastet.
Vorsatz möchte ich ihm jetzt nicht unterstellen, aber zumindest ist da eine grobe Fahrlässigkeit in seiner Unwissenheit erkennbar.“
Knapp eine Woche später bestätigen die Laborergebnisse: Der Boden enthält tatsächlich Asbest.
Auf unsere Fragen an den Makler erhalten wir keine Antwort.
Unser Tipp vor dem Kauf: Gerade bei älteren Häusern sollte man einen Gutachter hinzuziehen.
Denn nach wie vor sind in Deutschland überraschend viele Immobilien mit Schadstoffen belastet.
Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche
- Anzeige -
