Jean-Pierre L.,
auf den Fluren des Zwickauer Amtsgerichts, kurz vor Prozessbeginn.
Jean-Pierre L., Angeklagter
"Ich finde das eine Frechheit, wirklich!"
Er, der renomierte Osteopath und Heilpraktiker soll seine Patientin Sindy, die unerkannt bleiben möchte, bei einer Behandlung sexuell missbraucht haben.
Für die Betroffene ein Schock:
OT Sindy
"Also erst hat er Rückenpartie und Beine gemacht, dann sollte ich mich umdrehen. Da kann ich Ihnen aber nicht genau sagen, ab wann der Zeitpunkt war, was er da vorher noch gemacht hat. Ich weiß nur, dass er irgendwann mal bei meinen Beinen war."
Dann soll ihr der Osteopath den Slip ausgezogen und sie im Intimebreich berührt haben.
Sindy will sich wehren, doch sie verfällt in eine Art Schockstarre - nicht ungewöhnlich bei Frauen in einer solchen Situation.
OT Sindy
"Mein Kopf hatte 10.000 Gedanken springen auf. Knall ihm eine. Also sowas war alles in den Gedanken, aber ich konnte weder meine Arme bewegen noch konnte ich aufstehen. Ich habe es nicht mal geschafft, am Anfang während der ganzen Gedankensprünge meine Augen aufzumachen.// Irgendwann hatte ich es geschafft und als ich die Augen aufhatte und er gemerkt hat, dass ich ihn angucke, hat er gesagt ich bin nicht entspannt genug und hat abgebrochen."
Sindy ringt mit sich, zeigt Jean-Pierre L. dann aber an.
Er gesteht, beharrt aber darauf, dass das eine übliche Behandlungsmethode sei, wie er uns ganz offen erklärt:
OT Jean-Pierre L.
"Es gibt ja in der Akupunktur die Meridiane und die zwei Haupt Meridiane. Das sind eben dieser Dumme und Rennmei. Und der beginnt nun mal im Beckenbodenbereich."
Ein Vorgespräch diesbezüglich? Fehlanzeige:
Sindy
"Er hat mich gar nicht gefragt, ob ich das möchte. Das war, weil das hätte ich abgelehnt. Definitiv."
Genau so sieht es das Amtsgericht Zwickau auch. Der 73-Jährige hätte seine Patienten aufklären müssen. Vor allem, wenn es um solche intimen Berügungen geht.
Jean-Pierre L. wird wegen sexueller Nötigung und sexuellen Missbrauchs zu 11 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt - auf Bewährung. Er muss außerdem 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen und darf 2 Jahre lang nicht als Osteopth und Heilpraktiker arbeiten.
Sindy ist erleichtert. Sie glaubt, es gibt noch mehr Frauen, denen der Osteopath das angetan hat und hofft, ihnen Mut gemacht zu haben.