Sie bleiben dicht beieinander, halten sich. Für die Angehörigen ist dieser Tag kaum zu ertragen und doch so wichtig. Wenige Minuten vor Prozessbeginn sagt uns Großvater Yilmaz Bocek:
„Die haben uns unsere Liebsten weggenommen, Die müssen bestraft werden. Am besten, sie werden nie wieder die Sonne sehen.“
Denn vor Gericht stehen die, die für den Tod seines Sohnes, seiner Schwiegertochter und seiner beiden Enkel verantwortlich sein sollen. Im vergangenen November ist die Familie im Urlaub in Istanbul. Sie wohnen in diesem Hotel, als sie plötzlich an schweren Symptomen erkranken Übelkeit, Erbrechen, Bewusstlosigkeit. Später wird klar Ein hochgiftiges Schädlingsbekämpfungsmittel hat sie vergiftet.
„Die kommen in Deutschland eigentlich nur in ganz bestimmten Ausnahmesituationen zum Tragen. Einfach so ist es höchst illegal, solche Präparate überhaupt dafür einzusetzen“, erklärt ein Experte.
Im Krankenhaus wird die Familie abgewiesen. Angeblich sei es nur Magen Darm. Ein fataler Fehler. Später entstehen diese Bilder in der Hotellobby. Sie zeigen, wie Vater Safet seinen bewusstlosen Sohn nachts zu den Sanitätern bringen will. Aber die Eingangstür ist verschlossen. Er versucht, sie einzuschlagen. Dann kommt der Rezeptionist zurück. Zu spät. Im Krankenhaus sterben erst die beiden Kinder und ihre Mutter wenige Tage später. Auch Servet. Zurück in Hamburg steht Yilmaz Butschek vor dem Nichts.
„Du gehst rein. Leer. Komplett leer. Du hörst keine Stimme mehr. Sie ist keine Menschen mehr. Dann war dir schon klar, dass es diese Familie existiert? Nicht mehr.“
Besonders eng war seine Beziehung zu seinem 5-jährigen Enkel: „Ich habe immer gesagt: Sag mal, wie macht das? Hat er mir gezeigt, wie der Löwe brüllt und hat mir immer diese Handzeichen gegeben. So ist das. Jetzt ist bleibt nur als Erinnerung. Mehr nicht.“
In Istanbul müssen sich heute sechs Angeklagte für diesen Verlust verantworten, darunter der Inhaber des Hotels und der Besitzer der Schädlingsbekämpfungsfirma. Aber für Yilmaz Bocek reicht das nicht:
„Das war menschliches Versagen von vorne an! Er hat das Krankenhaus von Anfang an was unternommen und die genau untersucht werden? Vielleicht. Die werden nicht sterben.“
Deshalb wollen er und sein Anwalt die Anklage auch auf die Krankenhausmitarbeiter ausweiten. Seine Familie bringt ihm das nicht zurück, aber er hofft, dass durch harte Strafen und strengere Kontrollen niemand jemals so etwas erleben muss wie er.