Tradition oder Sexismus?: Münchens heißer Streit um halbnackte Frauenfiguren auf der Wiesn
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Das Münchner Oktoberfest steht für Bier, bayerische Gemütlichkeit und gelebte Tradition. Doch pünktlich zum Start der Wiesn sorgt eine hitzige Diskussion für Aufsehen: Sind die historischen Dekofiguren an den Fahrgeschäften noch zeitgemäß oder schlicht sexistisch? Sogar die Münchner Gleichstellungsstelle hat sich eingeschaltet.
Bayrisches Lebensgefühl und Münchener Tradition - dafür steht das Oktoberfest. Doch in diesem Jahr, steht es auch dafür: Es gibt Sexismus-Vorwürfe!
Die Rede ist von diesen Figuren: die Münchener Gleichstellungsstelle für Frauen hatte angeregt, die Pappmaché Figuren dieser Fahrgeschäfte zu überarbeiten. Der Grund - die sexistische Darstellung halbnackter Frauenfiguren. Außerdem:
TT:
Die bisherige Darstellung der Figuren am Teufelsrad spielte mit dem Hochfliegen von Röcken und dem frei werdenden Blick auf den Intimbereich. Vor dem Hintergrund des in den letzten Jahren vermehrt auftretenden Problems verbotener Foto- und Videoaufnahmen (...), wurde vorgeschlagen, die Darstellung der Figuren zu überarbeiten.
Im vergangenen Jahr gab es bei diesem Fahrgeschäft wiederholt Beschwerden über "Upskirting" - das ungewollte Filmen unter den Rock. Daher der Vorschlag, diese Darstellung zu überarbeiten.
Wir sprechen mit dem zweiten Vorsitzenden des Schaustellerverbands - Aljoscha Eickholt ist seit über 30 Geschäft. Er hat - als Mann - eine klare Meinung zu den Figuren:
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Die gehören auf das Volksfest, auf dem sie stehen, auf dem Münchner Oktoberfest. Schon seit Jahrzehnten.//
Und dass daran Leute Anstoß nehmen oder einzelne Leute Anstoß nehmen, finde ich fast schon lächerlich.
Die Konsequenzen dieser Debatte seien kaum tragbar:
Clip 8:
So eine Figur, wie ich Sie hier auf dem Karussell stehen habe, kostet eine Figur neu, mit Bemalung, mit Anpassung und mit Freigabe vom TÜV. Zwischen zwei und 4.000 €.
Wiesn-Stadträtin Anja Berger äußert sich schriftlich zu der Debatte - mit einer klaren Meinung:
TT
"Natürlich dürfen Frauen nicht auf ihre Körper reduziert werden, Sexismus geht gar nicht. Aber wir brauchen keine übertriebene Prüderie."
Die Gleichstellungsstelle sei mit ihrer Anregung übers Ziel hinausgeschossen, meint auch Stadtradvorsitzender Manuel Pretzl:
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Diese Damen waren weder anzüglich noch irgendwie sexistisch dargestellt.//
Clip 7:
Und es ist eine freie Entscheidung, aus meiner Sicht hier, der Schausteller, wie sie das machen, solange es nicht wirklich obszön ist, solange es nicht gegen die guten Sitten verstößt.
Nach den Meinungen der Männer fragen wir mal die, die es betrifft - die Frauen!
Vöxe
Clip 1
Es gefällt mir nicht.
- Gibts einen bestimmten Grund? Ist es irgenwie...
Ja bisschen sexistisch. Finde ich. Frauenfeindlich.
Clip 13 Ich bin mit sowas aufgewachsen und hab glaube keinen Schaden davon getragen.
Clip 17 Ich finde, sowas hat auf einem Jahrmarkt nichts verloren. Eigentlich. Es ist nicht kindgerecht.
In diesem Fall wird sich häufig auf Tradition und Kulturgut berufen. Doch die Darstellung hat eine Wirkung:
OT Expertin:
Clip 1
Wenn wir diese Bilder aufnehmen, dann verinnerlichen wir auch sozusagen, dass bestimmte Körper zugänglicher sind, dass bestimmte Körper sexualisierter sind, dass bestimmte Körper weniger wert sind.
Was früher normal war, darf heute überdacht werde.
Die betroffenen Betreiber wollen sich nicht äußern - sie haben ihren Figuren kurzerhand Oberteile gemalt – Muschel-BHs, Kleider und sogar Radler-Hosen unter hochwirbelnden Dirndln. Die werden hier beim Teufelsrad tatsächlich ausgeteilt. Denn eins sollte trotz aller Diskussionen nicht in den Hintergrund rücken - der Spaß der Besucher!
