Eine Liebe gegen alle Konventionen: „Ich bereue nichts!” Petra Thompson heiratete einen Mörder im Todestrakt
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Es ist eine Geschichte, die klingt wie das Drehbuch eines Hollywood-Films! Eine Deutsche heiratete im US-Bundesstaat Texas ihre große Liebe ‒ einen zum Tode verurteilten Mörder, der im Todestrakt auf seine Hinrichtung wartete. Anfang 2026 wurde Charles Thompson (55) hingerichtet. Für seine Ex-Frau Petra Thompson (62) ein Moment, der ein extremes Lebenskapitel abschließt – und doch alles wieder hochholt. Jetzt hat sie mit uns über ihr bewegtes Leben, ihre verlorene Liebe und ihren Kampf gegen die Todesstrafe gesprochen.
Es ist einer der kuriosesten Momente, die stern.tv je mit der Kamera eingefangen hat.
“Ich bin deine. Für immer. Ich verspreche es.” 2011 heiratet Petra Thomsen im US-Bundesstaat Texas ihre große Liebe, einen zum Tode verurteilten Mörder, der an diesem Tag nur auf einem Foto anwesend sein kann.
"Mrs. Charles Thompson. Alles ist gut jetzt.”
Denn Charles Thompson sitzt hinter diesen Mauern, im Gefängnis, im Todestrakt, wo er auf seine Hinrichtung wartet. Verheiratet mit einem verurteilten Mörder. Das ist die Geschichte von Petra Thompson.
15 Jahre nach ihrer ungewöhnlichen Heirat treffen wir Petra wieder in ihrem Zuhause in Bocholt.
Wir wollen noch einmal mit ihr über die Geschichte von damals sprechen. Denn Anfang dieses Jahres wurde ihr Exmann Charles Thompson, in den USA hingerichtet. Eine Nachricht, die auch in Deutschland für Schlagzeilen sorgt. Und die Petra erschüttert.
“Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass er jemals hingerichtet wird. Das hat natürlich alles hochgeholt. Also das war Ich konnte es überhaupt nicht fassen, um ehrlich zu sein.”
Im Frühjahr 2010 besuchen wir Petra Thompson zum ersten Mal. Damals trägt sie noch den Nachnamen Hermann. Die 47-jährige hat sich vor drei Jahren in Charles, genannt Chuck Thompson, verliebt, einen zweifach verurteilten Mörder, der in Texas im Todestrakt sitzt. Mehrmals im Jahr fliegt Petra in die USA, um ihm nahe zu sein. Auch in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung ist er überall präsent.
“Ich bin glücklich. Wir beide sind glücklich. Und emotionale Nähe. Das ist das Wichtige. Und das ist das, was wir haben. Und deswegen haben wir auch eine glückliche Beziehung. Dass die Umstände nicht so toll sind. Das ist eine ganz andere Sache.”
Kennengelernt hat sie ihn im Rahmen ihrer Initiative gegen die Todesstrafe. Aus Briefkontakt entsteht eine Beziehung. Die beiden verlieben sich ineinander. Eine Liebe unter extremen Bedingungen, ohne Körperkontakt, immer getrennt durch Panzerglas.
Zusammen mit ihrer besten Freundin Hildy will Petra auch heute wieder nach Texas fliegen.
“Mein Herz ist in Texas. Und deswegen möchte ich natürlich da auch immer hin. Und ja, einfach in derselben Zeitzone sein. Nah dran zu sein, das bedeutet schon unheimlich viel.”
Zu diesem Zeitpunkt sitzt Chuck Thompson bereits seit zwölf Jahren im Todestrakt in der Polanski Unit in Texas, auch bekannt als Welcome to Hell, leben damals rund 500 verurteilte Mörder. Wir bekommen die Erlaubnis, mit Jack Thompson zu sprechen. Der damals 40-jährige verbringt 23 Stunden am Tag in Isolationshaft und wartet auf seine Hinrichtung. Er hat 1998 seine Freundin und deren Liebhaber erschossen. Seine Zeit im Gefängnis sei nicht einfach, sagt er. “Man muss nicht nur körperlich stark sein, sondern auch einen festen Willen haben.”
Chuck hat von Beginn an beteuert, in Notwehr gehandelt zu haben. Doch für eine aufwendige Verteidigung hatte er kein Geld. Nach nur drei Prozesstagen wird er damals zum Tode verurteilt.
“Ich lebe jeden Tag damit, bereue, dass das alles passiert ist. Es belastet mich, dass die beiden tot sind. Ich habe mich damals selbst gestellt.”
Zum Zeitpunkt unseres Interviews mit Chuck Thompson ist auch Petra in den USA. Sie hat sich Zehntausende Euro geliehen, um für eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu kämpfen. Aus Sicherheitsgründen darf Petra ihren Freund nicht mehr besuchen. So erreicht sie Chucks Heiratsantrag damals nur per Videobotschaft.
Ich vermisse dich. Ich liebe dich. Ich kann es kaum abwarten, dich wiederzusehen. Und ich habe eine Überraschung für dich: “Willst du mich heiraten? Willst du meine Frau werden?”
Petra kann ihr Glück kaum fassen. Chuck Thompson soll der Mann ihres Lebens werden. Ein Jahr später treffen wir sie in einem Motel in Huntsville (Texas) wieder. Sie bereitet sich auf ihre ungewöhnliche Hochzeit vor. Die Hochzeit mit einem verurteilten Mörder.
“Ich weiß genau, was ich da gemacht hat. Wie die Umstände waren. Aber dieses. Er hat jemanden umgebracht. Und ich heirate ihn jetzt. Das hat überhaupt keine Relevanz für mich. Weil ich die Umstände kenne und weiß, dass er kein Mörder ist, sondern aus Notwehr gehandelt hat. Und deswegen spielt das keine Rolle.
Chuck selbst darf nicht persönlich bei der Trauung dabei sein. Stattdessen nur ein Foto des Bräutigams.
“Es macht mich traurig. Ich wünschte, ich könnte dabei sein. Aber ich fühle mit ihr und versuche, dort zu sein. In Gedanken bin ich bei ihr.”
Stellvertretend für Chuck soll an diesem Tag Marco Mayer Petra das Jawort geben. Eine kuriose, aber dennoch rechtskräftige Form der Eheschließung.
“Ich bin die Deine. Für immer. Ich verspreche es.”
Auch in Deutschland wird die Ehe offiziell anerkannt.
Als wir Petra die Aufnahmen von damals jetzt noch einmal vorspielen, wirken diese Szenen fast surreal auf sie.
“Es ist fast so, als würde man sich einen Film im Fernsehen anschauen und dann denkt man Moment mal, das ist ja überhaupt kein Film, Das war mein Leben. Es ist nur eben lange her. Ja, es berührt schon, muss ich sagen.”
Die 62-jährige kann auch heute noch gut nachvollziehen, was sie damals an Chuck Thompson so fasziniert hat.
"Chuck hatte schon immer die Ausstrahlung, er hatte Präsenz und da war was, was ich aber auch damals auch erst mal nicht deuten konnte, weil das halt eine Beziehung mit dem TodestraktInsassen. Hallo. Geht's noch? Das ist echt das Letzte, was mir einfallen würde. Und ich habe auch die Frauen, die so eine Beziehung hatte, immer gedacht Mein Gott, wie kann man. Und dann kam der Schock, dass mir so was passiert. Geht mal gar nicht.”
Nach der Hochzeit mit Chuck läuft die Beziehung zunächst rund. Petra und er tauschen weiterhin Liebesbriefe aus, bis plötzlich der Ton in Chucks Briefen immer rauer wird. Statt der üblichen Liebesbekundungen nur noch Forderungen, Vorwürfe, Drohungen.
“Es gibt ein altes Sprichwort Ein verzweifelter Mann hat nichts zu verlieren, wenn er die Dinge in die eigene Hand nimmt. Ich denke, es ist in deinem Sinne, dass ich zufrieden bin”, schrieb er unter anderem.
Petra: "Es kamen nur noch Briefe, die Anweisungen enthielten. Ich will jetzt nicht unbedingt sagen Befehle, obwohl es teilweise in die Richtung ging, was ich zu tun habe, was ich zu machen habe, was er alles braucht. Das heißt, ich habe mich gefühlt wie eine lebendige Kreditkarte."
Schließlich dreht Petra ihrem Ehemann den Geldhahn zu und reicht die Scheidung ein. Über 50.000 Euro hat sie bis dahin für Chuck ausgegeben und sich hoch verschuldet.
“Was ich empfinde, ist maximal Verachtung dafür, dass er mich verarscht hat. Und ansonsten Empfinde ich eigentlich nur Leere.”
Mit der Trennung von Chuck Thompson endet auch ihr jahrelanger Einsatz gegen die Todesstrafe in den USA. Sie will neu anfangen, was sie uns damals live bei Stern TV erzählt.
“Ich bin nach wie vor gegen die Todesstrafe. 100 % Absolut. Aber ich habe 15 Jahre meines Lebens gegeben in diesem Kampf. Es ist genug. Ich kann nicht mehr. Und ich möchte auch nicht mehr. Ich möchte jetzt ein ganz anderes Leben, ein neues Leben führen.”
Inzwischen ist Petra in ihrem neuen Leben voll angekommen. Sie ist heute zum vierten Mal verheiratet mit ihrem neuen Partner Tobias. Gemeinsam mit ihm und ihren zwei Hunden lebt sie heute ein ruhiges, glückliches Leben. Sie zeigt uns ihren Kleingarten. Aufgrund von Long COVID kann Petra nicht mehr als Sekretärin arbeiten. Stattdessen schreibt sie am liebsten in ihrem Garten an ihren Büchern. In ihren Kriminalromanen verarbeitet sie ihre Erlebnisse aus den USA. Den Nachnamen Thompson hat sie bewusst behalten.
Thompson heiße ich immer noch deshalb, weil ich den Namen toll finde. Er passt dazu. Er passt auch zu meinem Schreiben. Er passt zum Inhalt meiner Bücher. Es ist einfach stimmig. Und außerdem ist er mir lieb und teuer. Ich habe viel, viel Geld dafür bezahlt, dass ich den in Deutschland annehmen durfte. Was so mit der ganzen Bürokratie, was immer übersetzt, beglaubigt und haste nicht gesehen werden musste. Und deswegen war das wirklich ein Kampf und deswegen gebe ich den auch nicht auf. Und das erinnert mich immer dran an einen Teil meines Lebens.
Im Januar dieses Jahres holt dieser Teil ihres Lebens Petra wieder ein. Ihr ehemaliger Ehemann Chuck Thompson wird am acht und 20. Januar durch eine Giftspritze hingerichtet. Nach über einem Vierteljahrhundert in der Todeszelle. Jahrelang hatte Petra versucht, seine Hinrichtung zu verhindern.
“Das hat natürlich alles hochgeholt. Also das war. Ich konnte es nicht fassen. Um ehrlich zu sein. Ja unbeschreiblich, weil man denkt an früher, man denkt aber oder ich jetzt vor allen Dingen. Ich sag mal, der Mensch, das, das ist ein Kapitel, das ist abgeschlossen, dieser Mensch, aber die Todesstrafe, dass das falsch ist und dass ich da nicht dafür bin, sondern immer noch dagegen, das hat sich ja nicht geändert.”
Wenn Petra heute auf ihr Leben zurückblickt, weiß sie selbst, wie befremdlich viele ihrer Entscheidungen auf andere Menschen gewirkt haben müssen. Doch sie steht zu allem, was sie getan hat.
"Ich bereue nichts. Ich bin der Meinung, dass man immer nur das bereut, was man nicht macht. Und ich glaube, ich würde es auch wieder so machen, wenn ich wieder in der Situation wäre, wieder in dem Alter wäre. Weil ich bin jemand, der es mochte. Das Leben mit all seinen Facetten kennenzulernen. Ich war immer neugierig. Ich wollte immer was erleben und das war halt der Teil von mir damals. Der verrückte Teil."
