Diese Trainingssession ist nicht von dieser Welt. Wenn Mexikaner Tavi Castro ein bisschen Ruhe braucht - zu sich selbst finden will, dann taucht er ab. Minutenlang. Ohne Sauerstoff. Etwas, das ihn als den REAL LIFE AQUAMAN weltweit und bis nach Hollywood bekannt macht.
„Der Filmdirektor James Wan sagte: Das ist der echte Aquaman und Jason stand direkt neben mir. Das war eine krasse Erfahrung.“
Doch bis dahin war es ein harter Weg - der nur mit Glück nicht viel zu früh geendet ist.
Wir treffen den Real Life Aquaman bei einer Yoga-Session im mexikanischen Tulum. Und über die Ähnlichkeit zu seinem Hollywood-Example ist auch unser Reporter ziemlich erstaunt. Die Mukkis klar. Lange Haare, die im Wind wehen. Der Blick. Und der 36-Jährige bringt unserem Reporter erstmal ATMEN bei: „Das Problem ist: Die meisten menschen atmen nicht in den Bauch sondern in die Brust. Wir atmen jetzt drei Sekunden in den Bauch, dann vier Sekunden in die Brust, halten für sieben Sekunden und atmen acht Sekunden aus.“
Diese Atmung ist sein Rezept zum Erfolg, sagt er. „Die Atmung ist eine Möglichkeit deinem Nervensystem zu sagen: Du bist sicher. Alles ist okay.“
Denn: der heute 36-Jährige hat in seinem Leben schon viel erlebt - sich immer wieder neu erfunden. Geboren wurde Octavio Castro 1990 in Guadalajara, Mexiko - der Stadt, die bekannt ist für Mafia-Strukturen, Korruption und Kriminalität. Seine Familie wandert nach Kanada aus, als er vier Jahre alt ist.
Dort spielt er als Teenie Fußball in der Jugend Nationalmannschaft. Mit 17 gehts in die Niederlande - erst für den Fußball. Dann fürs Studium im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik.
„Ich musste eine neue Sprache lernen, einen Job finden - zu dieser Zeit war das Musik produzieren als DJ. Denn das konnte ich neben meinem Studium am Wochenende machen.“
So richtig erfüllt ist er von seinem Leben zu dieser Zeit nicht. Glaubt es aber lange. Vielleicht zu lange. „Ich habe in der Woche studiert. Am Wochenende vier Gigs aufgelegt. So lange bis ich ausgebrannt war. Ich habe nicht genug geschlafen und mich nicht um mich kümmert. Das wollte ich ändern.“
Noch ahnt er nicht, wie sehr sich sein Leben bald verändern wird. Er beginnt mit Bodybuilding. Gründet sein eigenes Fitness-Label. Doch dann zwingen ihn heftige Unfälle alles umzukrempeln.
Zum Einen: ein Crash mit dem Auto auf der A2 in den Niederlanden. Wie durch ein Wunder entkommt er fast unversehrt aus diesem Wrack. Ein erstes Wachrütteln.
Doch dabei bleibt es nicht. Ein waghalsiger Sprung von einer Klippe 2023 in Costa Rica hat schwere Folgen. „Ich bin mit dem Fuß auf einem Stein aufgeschlagen. Ich konnte für acht, neun Monate nicht mehr laufen. Ich wusste: ich musste damit aufhören.“
Heute ist Tavi Vater einer Tochter. Riskantes Klippenspringen gehört der Vergangenheit an. Darüber ist auch seine Frau und Mutter der achtjährigen Avia dankbar. Die beiden sind seit elf Jahren ein Paar.
„Das was in Costa Rica passiert ist war absolut beängstigend. Ich war schockiert. Ich dachte er würde nie wieder laufen können. Aber er war stark und fand seinen Weg zurück. damit begann eine wunderbare neue Reise.“
Er beginnt das Freediving, trainiert mit Profis und wird einer der Besten. Eigentlich nur zufällig entsteht dieses Video. Er postet es auf Instagram und ahnt nicht, was darauf folgt. Es ist sein Durchbruch, der Höhenflug als Real Life Aquaman.
Inzwischen kennt er nicht nur die Promis sondern sie ihn, wirkt bei vielen Filmproduktionen unter anderem mit Tom Cruise mit. Und dann - das Highlight - darf er sogar offiziell den Hollywood-Film mit Jason Momoa promoten. Der, so sagt Tavi, großen Respekt vor seinem zufälligen Double hat.
"Der Film war schon abgedreht. Manchmal denke ich: Warum hab ich das Video nicht früher gepostet, wer weiß, was dann passiert wäre. Was viele nämlich nicht wissen: Der Film wurde gar nicht unter Wasser gedreht."
So lange die Luft anhalten, wie Tavi Castro das kann - nämlich siebeneinhalb Minuten ohne Sauerstoff, musste Schauspieler Jason Momoa also nicht. Dafür probiert es unser Reporter aber jetzt gleich.
Tavi und sein Kameramann machen‘s aber erstmal vor. Für Aufnahmen wie diese. Es ist seine Form der Entspannung. „Kein Handy, bewusste Atmung unter der Wasseroberfläche. Diese wunderschöne Szenerie inmitten des Dschungels. Man ist komplett abgeschottet und nur bei sich.“
Es sieht ganz leicht aus, aber jetzt ist unser Reporter dran. Und das Wasser ist viel kälter, als es bei Tavi den Anschein gemacht hat. nach ein paar Atemübungen wagt sich Philipp dann abzutauchen. Drei Meter tief hat er es geschafft. Ist darauf auch ziemlich stolz.
Doch ein bisschen ernüchtert ist unser Reporter dann doch. Denn Tavis Tochter taucht schon 17 Meter tief und macht sowas mit. Die Kleine ist 8! Dass ihr Papa der Aquaman ist, macht sie stolz.
„Meine Freunde sagen manchmal: Ich hab deinen Papa im Internet gesehen und wie er tauchen kann und so. Es ist super cool, aber ich rede nicht häufig darüber, weil ich nicht damit angeben möchte.“
Wobei sie das doch ruhig mal machen könnte. Denn wenn es nach ihrem Papa ginge, ist er auch im nächsten Avatar Film zu sehen. Man könnte das hier als Bewerbungsvideo verstehen. Fest steht: Von Tavi Castro - dem Real Life Aquaman - werden wir wohl noch hören.