Auch der Profi ist überrascht: Eigenmarken vs. Markenprodukte im Test – muss es immer der gute Name sein?
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Supermärkte bieten uns eine reiche Auswahl an Produkten mit vielen schönen Namen. Oft stehen wir vor dem Regal im Supermarkt und überlegen, ob wir uns das teure Produkt, quasi den guten Namen, gönnen. Doch ist das überhaupt nötig? Wir haben getestet, ob es sich wirklich lohnt, etwas mehr Geld auszugeben, oder ob man gar keinen Unterschied bemerkt.
"Herzstücke" und "Beste Wahl" – das klingt vertrauenerweckend, fast schon wie ein Versprechen. Lebensmittel-Profis schauen und schmecken mit unserem Reporter ganz genau hin. „Ich schmecke ehrlich gesagt keinen Unterschied.“ „Das zeigt, dass hier ganz viel Marketing im Spiel ist. Und das bezahle ich am Ende natürlich mit.“ Eine Recherche, die für einige Überraschungen sorgen wird. Und so geht sie los: Martin: „Dieser Hühnernudeltopf, die Konservensuppe, ist ganz klar von Rewe die billigste Variante. Aber Rewe bietet auch noch von "Beste Wahl" einen Hühner-Nudeltopf an. Und ich finde, wenn man das mal so nebeneinanderhält, die Abbildung der Suppe für mich ist sie komplett gleich. Gleichzeitig ist klar: Die hier ist viel billiger als diese hier.“ Reporter Martin nimmt die Dosen und noch einiges mehr mit, dann trifft er den Koch Michel Fischer in seinem Kieler Restaurant. Auch wenn die eine Suppe 40 Cent teurer ist als die andere – für Martin schmecken beide gleich – aber wird der Profi Unterschiede erkennen? Er weiß nicht, in welcher Schüssel welche Suppe ist. „Guten Appetit. Dankeschön.“ „Wenn man nur die Suppe probiert, merkt man, dass die ein bisschen mehr gewürzt ist.“ „Dafür ist es aber auch ein bisschen trüber und die ist nicht so trüb.“ „Also welche ist die teurere, die Rewe Beste Wahl? Diese hier. Ja ist richtig!“ Im Gegensatz zu unserem Reporter schmeckt der Profi kleine, aber feine Unterschiede – das teurere Produkt hat für ihn die Nase knapp vorn. In einem Video-Call erreicht Martin Manon Sieber - die Mitgründerin der App MarkenDetektive Manon Sieber. „Das ist tatsächlich ganz interessant, weil beide Suppen tatsächlich vom gleichen Marken-Hersteller kommen.“ Also ein und dieselbe Firma, aber immerhin 21 Prozent Preisunterschied. Verbraucherschützerin Britta Schautz schaut sich die Inhalte beider Produkte sehr genau an. „Man sieht schon, dass sowohl der Anteil an Hühnerfleisch etwas höher ist als auch der Anteil an Nudeln und gleichzeitig verwendet das Produkt beste Wahl natürliche Produkte wie Pilzpulver oder andere Geschmacksstoffe. Die sind ein kleines bisschen teurer als das günstigere Produkt, das setzt nämlich natürliche Aromen ein." Als günstige und gehobene Eigenmarken gibt es auch ganz simpel Obst, mit deutlichen Preisunterschieden. Wie hier zum Beispiel: Tiefkühlhimbeeren von EDEKA. „Wenn man sich das Produkt anschaut, sieht man überhaupt keinen Unterschied. Denn die Nährwerte sind absolut identisch. Das könnte natürlich daran liegen, dass die Nährwerte berechnet sind, aber das könnte auch daran liegen, dass es 1a dieselben Früchte aus der gleichen Fabrik sind. Ansonsten ist mir kein Qualitätsunterschied aufgefallen, der jetzt einen Preisunterschied rechtfertigen würde.“ Aussagekräftiger ist der Inhalt! „Obwohl wir die auch gleichzeitig rausgeholt haben, sind die deutlich schneller matschig geworden. Die haben deutlich besser ihre Struktur gehalten.“ Bei einem Preisunterschied von immerhin 1,64 Euro pro Kilo. Und jetzt wird es richtig überraschend, und zwar beim Gouda von Edeka. Hier sind die Preisunterschiede bei den Eigenmarken sehr deutlich: 99 Cent und 1,79 pro Packung. Pro Kilo ist das ein Unterschied von 3 Euro 63. „Hier allerdings sind unterschiedliche Siegel zum Beispiel auf den Packungen.“ Unser Reporter lässt sich erklären, was die Siegel bedeuten – und ist erstaunt. „Bei dem Markenprodukt haben wir eine geschützte geografische Angabe, das heißt ein Verarbeitungsschritt muss in der angegebenen Region erfolgen. In diesem Fall Holland. Außerdem finden wir auf beiden Produkten Weideland-Siegel. Die besagen, dass die Tiere mindestens an 120 Tagen im Jahr für 6 Stunden auf der Weide gestanden haben müssen. Bei dem günstigen Produkt finden wir aber das noch weitreichendere Siegel. Das besagt nämlich, dass zum Beispiel genfreies Futter gefüttert werden muss.“ Also höherer Tierschutz beim deutlich günstigeren Produkt. Die Nährwerte unterscheiden sich auch ein wenig, aber Käse ist ja oft vor allem eins: Eine Geschmacksfrage. „Also man merkt es auf jeden Fall ein bisschen im Nachgeschmack, dass der ein bisschen kräftiger ist als dieser.“ Als letztes schaut Reporter Martin sich ein Produkt genauer an, bei dem die eine Variante mal eben 120 Prozent mehr kostet als die andere: Kondensmilch, einmal von JA! und einmal von REWE Beste Wahl. Profi-Koch Michel kocht frischen Kaffee für die Kondensmilch und testet beide vorab. „Schmecke auch ehrlich gesagt keinen Unterschied.“ Die Inhaltsangaben sind auch komplett identisch! Und tatsächlich schreibt uns REWE, dass sich die Produkte inhaltlich nicht unterscheiden! Der Preisunterschied rechtfertige sich durch die unterschiedlichen Verpackungen. Unser Fazit: Die mittelpreisigen Eigenmarken sind oft eine attraktive Ergänzung. Aber ein paar Überraschungen haben wir trotzdem erlebt.
