Insolvenzverwalter verschiebt Reisesperre

Deutsche Thomas Cook pleite: Alle Reisen bis 31. Oktober abgesagt

29. September 2019 - 8:37 Uhr

Auch Thomas Cook Deutschland meldet Insolvenz an

Auch die deutsche Thomas Cook hat Insolvenz angemeldet. Kunden der Tochtergesellschaft können länger als bislang angenommen keine gebuchten und bezahlten Reisen antreten. Während am Mittwoch noch vom Zeitraum 27. September bis 13. Oktober die Rede war, wurde die Reisesperre mittlerweile verlängert - sie gilt laut Insolvenzverwalter bis einschließlich 31. Oktober. Nun stellt sich die Frage: Was bedeutet das für Tausende Urlauber, die aktuell mit Neckermann, Bucher Reisen, Öger Tours & Co. unterwegs sind oder deren Urlaub noch bevorsteht? Was man bei Buchungen in nächster Zeit unbedingt beachten sollte und ob Urlaub nach der Pleite günstiger werden könnte - das erklärt Reiseexperte Michael Riebel im Video.

Thomas-Cook-Reise gebucht? Das Abreisedatum ist entscheidend!

Reisen bis einschließlich 31. Oktober könnten "aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht angetreten werden", teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Davon betroffen seien auch Buchungen der Marken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, ÖGER TOURS, Bucher Reisen und Air Marin, die bereits angezahlt oder vollständig bezahlt sind.

Wie es um Reisen mit Start ab dem 1. November 2019 steht, ließ das Unternehmen offen. In Abstimmung mit der Insolvenzversicherung werde die weitere Vorgehensweise geprüft, hieß es.

Betroffene werden gebeten, sich unter Angabe ihrer auf dem Reisesicherungsschein angegebenen Versicherungsscheinnummer aktiv an den vom Insolvenzversicherer Zurich Insurance plc beauftragten Dienstleister wenden: www.kaera-ag.de.

Gäste, die schon im Reisegebiet sind:

Gäste, die sich bereits im Urlaub befinden und deren Reise einen Sicherungsschein enthält, können ihren Urlaub weiter bis zum geplanten Ende fortführen. Hotelpartner sowie die Transferagenturen und Airline-Partner haben eine Kostenübernahmeerklärung der Insolvenzversicherung erhalten.

Im Video: Das müssen Thomas-Cook-Urlauber jetzt wissen

Nach Thomas-Cook-Pleite: Bekomme ich mein Geld zurück?

Aussicht auf eine Rückzahlung haben Urlauber, wenn die Reise eine Pauschalreise ist. Thomas-Cook-Kunden sollen sich an die oben genannte Insolvenzversicherung wenden.

Da sich nach Angaben des Reiseverbandes DRV und Thomas Cook der Insolvenzversicherer Zurich um betroffene Pauschalreisende kümmert, haben Hotels in den Urlaubsgebieten keinen Grund, Urlauber aus Angst vor Zahlungsschwierigkeiten des Reiseveranstalters zur Kasse zu bitten. Der Insolvenzversicherer sei zudem verpflichtet, die Reisenden zurückzubringen.

Ansonsten gilt: Ansprechpartner bei Fragen zu Pauschalreisen ist die Versicherung im Reisesicherungsschein, erklärt Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin im RTL-Interview. 

Das einzige Problem: Zwar ist eine Insolvenz bei Pauschalreisen über den Sicherungsschein abgedeckt, die gesetzliche Haftung für Pauschalreisende ist allerdings auf 110 Millionen Euro beschränkt. Die Verbraucherzentrale Bundesverband bezweifelt, dass diese für alle betroffenen Urlauber ausreicht. Hochrechnungen des Verbands unabhängiger selbst­ständiger Reisebüros (VUSR) zufolge wären vermutlich 300 bis 400 Millionen Euro nötig.

Was passiert, wenn ich mit Condor gebucht habe?

Wer direkt über Condor gebucht hat, hat Glück: Wie die Fluggesellschaft direkt nach der Pleite der britischen Thomas Cook bekannt gab, wird der Flugbetrieb aufrecht erhalten. Auch der angeforderte Überbrückungskredit wurde inzwischen bewilligt. Die Bundesregierung und die hessische Landesregierung stellen insgesamt 380 Millionen Euro zur Verfügung, wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mitteilte. Der Kredit muss nun noch durch die Prüfung der Europäischen Kommission. Nach einer positiven Entscheidung aus Brüssel wird der Kreditbetrag ausgezahlt.

Was mit bei Condor gebuchten Reisen in mehr als einem halben Jahr passiert (der Kredit gilt für sechs Monate), müsse man abwarten, so Klaar. "Solch ein Überbrückungskredit wird natürlich gewährt, damit sich eine Firma wieder richtig aufstellen kann. Man sollte also davon ausgehen, dass sie das auch schafft." Bei Fragen solle man sich am besten direkt an die Fluggesellschaft wenden.

Welche Rechte haben deutsche Urlauber?

Welche Reiseveranstalter nicht betroffen sind, was die generelle Thomas-Cook-Pleite für Urlauber bedeutet und welche Rechte Touristen haben, können Sie hier nachlesen.