Der Mensch hat Flüsse begradigt, Wälder gefällt, Lebensräume zerstört. Doch seit neuestem zieht eine neue Gefahr für die Natur aus dem Unterholz auf. Warum sind die hier ein Problem?
Tim Techau, Jäger: „Das ist zum einen die biologische, dass sie die heimischen Tierarten durch ihre Art sozusagen verdrängen, in der Art des Nahrungsspektrums, wo sie dann eben Sachen abfressen usw. Und zum Zweiten ist es das Technische, dass sie Dämme unterhöhlen. Das führt dazu, dass dann eben Sachen einbrechen oder zum Beispiel Klärwerke, die die Dämme nicht mehr halten."
Es geht um Nutrias, eine invasive Art aus Südamerika, die also hier nicht heimisch ist, Natur oder Wirtschaft schädigt und sich ohne natürliche Feinde ausbreitet und vermehrt. Und wie Nutrias werfen dreimal im Jahr, nach fünf Monaten sind sie schon fortpflanzungsfähig. Durch die immer milderen Winter überleben heute deutlich mehr Tiere. Deswegen dürfen Nutrias seit 2024 ganzjährig in Schleswig-Holstein gejagt werden.
Tim Techau, Jäger: „Einmal ist die Fangjagd eine sehr effektive Form der Jagd für das Nutria, weil das ein Pflanzenfresser ist. Das Tier kommt hier angelaufen und kann über Witterung feststellen, dass sich in der Falle ein Apfel befindet, geht dann da rein, dann fallen die Fallen zu und dann haben wir das auch."
Der Bund befürwortet die Aktion, weil es eine invasive Art ist und sie gejagt werden darf. Das Fleisch soll dann aber auch zu Essen verwertet werden – auch bei dieser Cateringfirma in Horsdorf, die damit eine der ersten in Schleswig-Holstein ist.
Anne Muus-Seyfferth: „Unsere Jäger im Freundeskreis haben immer davon erzählt, sie haben so viele Nutrias, können es aber nicht verwerten. Und da bin ich aufgesprungen und habe gesagt: Bring mir mal ein Nutria und wir verwerten die."
Heute auf dem Speiseplan: Nutria-Ragout mit Karotten, Sellerie und Zwiebeln. Das Fleisch ist pflegeleicht in der Küche. In der DDR war das Nutria kein Problemtier, sondern Nutztier, staatlich gezüchtet für Pelz und ganz selbstverständlich auf dem Teller. Doch heute empfinden viele ein Nutria-Ragout eher als eklig.
Anne Muus Seyfferth, Köchin: „Weil sie einfach das Äußere, die Optik von dem Tier sehen und nicht den Schlachtkörper als solches und das, was wir daraus machen können. Und dieses Fleisch ist absolut biologisch. Wir sind alle irgendwo biologisch, aber dieses Tier lebt sich absolut vegan. Es ist ein Pflanzenfresser und demzufolge hat man nur wirklich gutes Fleisch. Und es ist kein Aas."
Das angebotene Ragout kostet als Drei-Gang-Menü 40,90 Euro. Mein Kamerateam und ich machen den Geschmackstest:
Yao Protze, Reporter: „Es schmeckt tatsächlich sehr, sehr lecker. Man schmeckt, dass es wild ist, auf jeden Fall. Aber es ist trotzdem sehr, sehr zart, sehr, sehr lecker.
Nils Hamer, Kameramann: „Tatsächlich würde ich fast sagen, dass das ein bisschen Richtung Hühnchen tendiert. Von der Konsistenz her hat es ein bisschen was Nussiges."
Geschmackstest bestanden – und so wird aus dem Nutria als invasiver Art vielleicht ja auch eine invasive Delikatesse auf den norddeutschen Tellern.