Usha Peters:
„Bin aufgeregt. Sie auch.“
Denn gleich wird sich zeigen, ob sich all die Mühe von Usha Peters gelohnt hat. Vor einem Jahr verliert Cleo ihre Hinterbeine, ist seitdem nicht mehr gelaufen. Das soll sich heute endlich ändern. Denn dieser besondere Hunderollstuhl könnte für Sie die Möglichkeit auf ein ganz neues Lebensgefühl sein. Wird sie den Rolli akzeptieren? Cleo ist einer von über 100 Hunden auf diesem besonderen Hof in Schneverdingen. Hier gibt Usha den Tieren mit Behinderung eine zweite Chance.
OT
Usha Peters, Tierschützerin:
„Ich glaube, viele dieser Hunde wären tot, wenn wir sie nicht aufgenommen hätten.“
Eine Herzensaufgabe für die Usha Peters viel investiert. Hier in der Lüneburger Heide lebt sie. 50.000 Quadratmeter Land, 800 Quadratmeter Wohnfläche. Doch Usha wohnt nicht etwa in einem großen Anwesen, sondern hier auf 24 Quadratmetern.
OT
Usha Peters, Tierschützerin:
„Ich habe vorher in einem Wohnwagen gewohnt. Jetzt wohne ich im Bauwagen. Das ist ja einfach die Frage, wofür möchte man sein Geld ausgeben? Und irgendwie gebe ich es dann lieber dafür aus, dass die Hunde es gut haben. Es braucht für mich kein großes Haus zu sein.“
Für ihre Hunde tut sie wirklich alles. Hauptberuflich arbeitet die 58-jährige als Genetikerin. Als Ärztin behandelt sie Menschen. Ein Beruf, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Und der Hundehof ist ein weiterer Vollzeitjob.
OT
Usha Peters, Tierschützerin:
„Früher haben dann auch immer Leute zu mir gesagt, Mensch, du hast ja gar keine Freizeit und so, aber ich mache hier etwas auf dem Hof, was ich einfach total gerne mache und was mir ganz viel gibt.“
Der Tag auf dem Hof beginnt für die Hunde mit einer Runde Freilauf oder eher frei rollen.
OT
Usha Peters, Tierschützerin:
„Eigentlich haben wir vor allem Hunde mit irgendeiner Vorgeschichte, irgendeine Art der Behinderung, irgendeine Art der Erkrankung oder alte Hunde oder eben Hunde, die schon mal gebissen haben.“
Tiere, die eigentlich eingeschläfert werden sollten. Doch Usha gibt ihnen ein Zuhause. Auch Tierschutzorganisationen und das Veterinäramt bringen die Tiere hierher. Denn es hat sich herumgesprochen, dass die Hunde hier eine auf ihre Bedürfnisse angepasste Behandlung bekommen. Cleo kommt aus Rumänien, war eine Straßenhündin. Nachdem sie von einem Auto angefahren wurde, verlor sie beide Hinterbeine. Eigentlich ein Todesurteil. Doch sie hat Glück und wird auf den Hundehof gebracht.
FREI Usha Peters:
„Das ist gut.“
Saskia Wilke ist eine von dreißig Mitarbeiterinnen auf dem Hof. Sie ist Hunde-Physiotherapeutin und weiß genau, was Cleo braucht.
OT
Saskia Wicke, Tierphysiotherapeutin:
„Das ist unsere Laser Therapie. Das einmal, um Blockaden im Rücken zu lösen.“
Auch eine Vorbereitung auf das, was Cleo heute noch erwartet. Sie wird ihren ersten Hunderollstuhl bekommen. Doch bevor es soweit ist, muss sich Usha Peters erst mal um andere Patienten kümmern.
OT
Usha Peters,
Tierschützerin:
„Sie hat eine akute, akutes Nierenversagen und sie kriegt jetzt erst mal eine Spritze. Und dann kriegt sie noch mal Infusionen. Ich mache ja wirklich nur Kleinigkeiten. Ich mache nichts wirklich Tiermedizinisches. Wir versuchen schon immer, so lange es eine Möglichkeit gibt, dass es dem Hund auch wieder besser gehen kann. Versuchen wir auch, alles möglich zu machen.“
Doch das ist teuer. Ein Hunderolli kostet zwischen 300 und 600 Euro. Hinzu kommen Behandlungskosten beim Tierarzt.
FREI Usha Peters:
„Ich glaube, wir hatten im letzten Jahr 200.000 € Tierarztkosten. Das ist schon viel.“
Und auch die 30 Mitarbeiterinnen müssen bezahlt werden. Die Hälfte der Kosten für ihren Hundehof kann Usha über Spenden finanzieren. Den Rest stemmt die engagierte Ärztin aus eigener Tasche und wird von 40 ehrenamtlichen Helfern auf dem Hof unterstützt. Ihre Liebe für die Hunde ist Ushas Motivation.
Hundeoma Becky lebt bereits sieben Jahre auf Ushas Hof. Sie ist blind, hat nur drei Beine. Für ihre letzten Lebensjahre soll sie heute ein liebevolles neues Zuhause bekommen.
FREI Usha Peters:
„Jetzt ist der große Moment. Ja.
Übernimmst du unsere Becky?“
Doro ist extra aus Berlin gekommen, um die Hündin zu adoptieren. Beckys Handicaps stören Doro nicht.
OT
Doro Müller,
Hundehalterin:
„Über das Handicap habe ich mir jetzt gar nicht so Gedanken gemacht. Ich mag halt sehr gerne alte Hunde.“
Dass Ushas Schützlinge ein neues Zuhause finden, war nicht immer selbstverständlich.
OT
Usha Peters, Tierschützerin:
„Meinen ersten Hund habe ich 2005 bekommen, da gab es das überhaupt nicht. Da hatte man auch keine Chance, einen Hund zu vermitteln. Und das hat sich sehr geändert.“
Und das ist gut. Denn Ushas Hof ist überfüllt. Um neue bedürftige Hunde aufnehmen zu können, ist es wichtig, dass die Hunde, denen es wieder gut geht, weitervermittelt werden. Die kleine Becky lässt Usha deshalb mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge gehen.
OT
Usha Peters, Ärztin:
„Für mich ist es auch nicht ganz einfach zu heulen. Bei Becky bin ich schon jetzt auch traurig, weil die Becky so lange da war und das hat halt auch eine Vorgeschichte. Dieser Hund kommt wirklich aus dem allergrößten Elend, ist wirklich Tierquälerei ausgesetzt gewesen, hat überlebt und findet jetzt ein wunderschönes Zuhause. Besser kann es nicht sein.“
Und schon bald darf ein neuer Hund auf dem Hof einziehen, für den Ushas Arbeit die einzige Chance ist. So wie für Cleo, die Hündin, die wir schon von der Physiotherapie kennen. Dass sie seit dem Verlust der Hinterbeine nicht mehr laufen - dass soll sich jetzt endlich ändern. Der Hunderolli wurde extra für sie angefertigt. Wird sie ihn akzeptieren? Und wie die anderen endlich über den Hof flitzen können..
FREI
„Sie ist drin. Jetzt kannst du los. Oh. Ist das super. Das riecht gut. Ja, das ist einfach.“
OT
Usha Peters:
„Immer wieder berührt einen das total. Wenn man sich das vorstellt, der Hund und vor allen Dingen, dass sie das so annehmen, dass sie der einfach so losrennt, Das ist doch unglaublich.“
Es sind solche Momente, die Usha jeden Tag antreiben, alles für ihre Tiere zu tun. Neben 112 Hunden, gibt sie auch Katzen, Pferden, Schafen und Hühnern ein Zuhause. Insgesamt unglaubliche 150 Tiere. Eine riesen Aufgabe, aber für Usha vor allem eins - ihr Lebenstraum.
OT
Usha Peters,
Ärztin:
„Ich könnte es mir gar nicht anders vorstellen. Ich finde es. Tatsächlich ist es irgendwie so der schönste Ort der Welt.“