Sie drücken sich fest aneinander, stehen sich nah. Heute aber, einst, war ein solches Foto von Samira Yavuz und ihrer Schwester Jasmin überhaupt nicht denkbar. Erst mit 18 Jahren erfährt sie nicht nur, wer ihr Vater ist, sondern auch, dass sie zwei Halbgeschwister hat.
„Ich habe, also bin ich mit meinem Papa groß geworden. Der ist ja, der hatte nie Interesse an mir. Ganz schlimm, richtig schlimme Daddy Issues."
Daddy Issues, also Bindungs- und Vertrauensprobleme, weil ihr in der Kindheit die Vaterfigur gefehlt hat. Wie sehr die 32-Jährige das bis heute prägt, weiß auch ihre Mutter Inge. Die begleitet sie mit Cousine Katharina nach Australien.
„Die Mutter ist ja nicht gleich der Papa. Die gibt sich zwar schon, klar habe ich mir Mühe gegeben, logisch. Also das natürlich so auszugleichen, aber das funktioniert nicht."
„Sie hat sich schon bemüht, tough zu sein. So habe ich das erlebt, ja. Aber es ist innerlich und das tut einem weh."
Wie sehr, das weiß auch Samira selbst, und sie sieht im Fehlen ihres Vaters den Grund für ihre Probleme mit Männern.
„Ich kenne das nicht, dass ein Mann um mich kämpft. Ich musste immer um alle Männer kämpfen und ich musste denen irgendwie beweisen: Hey, ich bin liebenswert, und hey, so, du kannst bei mir bleiben, weil ich bin das einfach wert. So, ich bin gut."
Sätze, die beim Zuhören schmerzen, gerade im Herzen ihrer Mutter. Vergangenes Jahr trennt sich Samira Yavuz von ihrem Mann Serkan, dem Vater ihrer beiden Töchter, nachdem er sie betrogen hat. Plötzlich steht Samira Yavuz selbst vor ihrem zerplatzten Familientraum, aber sie hat aus ihren eigenen Erfahrungen gelernt.
„Ist es denn so, dass er schon Kontakt hat zu den Kindern?"
„Ja, natürlich, voll. Guck mal, ich bin ja selbst ohne Papa groß geworden. Ich würde das niemals torpedieren."
„Aber das ist ja auch sehr stark von dir."
„Ja, ich gebe alles, aber für meine Kinder."
„Das war für sie wie ein Boden unter den Füßen. Wegreißen ist aber jetzt dadurch so stark geworden. Ich glaube, sie kann jetzt so schnell nichts mehr umhauen."
Auch dank ihrer Halbschwester Yasemin, die sie erst 2016 mit knapp 23 Jahren so richtig kennenlernt.
„Und weil ich den Nachnamen ja auch hatte, habe ich dann gesucht nach meiner Schwester auf Instagram und dann habe ich der geschrieben. Dann haben wir so ganz langsam angefangen, so ein bisschen Kontakt aufzubauen, und die ist mir ähnlicher als jeder andere Mensch."
Durch den Dschungel erfahre sie jetzt etwas enorm Wichtiges, ist sich Samiras Cousine sicher.
„Hey, ich habe so viel Potenzial. Das habe ich viele Jahre lang zur Seite gelegt oder einfach zurückgesteckt. Und das wird dir auch helfen, über die Situation hinwegzukommen."
Das Vatertrauma wird Samira nie locker lassen, aber sie hat gelernt, damit umzugehen.