Der Grund ist irrsinnig!: Wegen des Bordsteins! Ehepaar darf Wallbox für E-Auto nicht nutzen
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Es klingt fast unglaublich: Ein Ehepaar aus Badenstedt kann sein E-Auto nicht an die Wallbox vorm Reihenhaus anschließen. Es geht um ein paar Zentimeter auf der Zufahrt und einen großen bürokratischen Stolperstein!
Es ist alles vorbereitet: Die Ladestation ist installiert, der Parkplatz frisch gepflastert und das neue E‑Auto geliefert. Aber Klaus Rüdiger Wallat darf es hier nicht laden.
Im Moment ist es nicht möglich, hier legal auf das Grundstück zu fahren, weil der Bordstein und der Fußweg der Stadt Hannover gehören. Und wenn wir da rüberfahren, würden wir eine Ordnungswidrigkeit begehen, und die wäre dann mit einem Bußgeld verbunden.
Noch bis vor wenigen Wochen stand das Auto von Katrin und Klaus Rüdiger Wallat ihres Wissens nach legal auf ihrem Grundstück.
Ich hatte Anfang Dezember noch mal nachgefragt beim Bauamt, da wir die Wallbox am Haus angebracht haben, ob wir noch irgendetwas tun müssen. Und da war die Antwort: Nein, alles in Ordnung.
Aber plötzlich macht die Stadt dem Ehepaar einen Strich durch die Rechnung. 5.000 Euro will sie von den Wallats, weil der Bordstein abgesenkt werden muss, um – so die Begründung – den Gehweg offiziell überhaupt fahren zu dürfen.
Wir haben uns bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen, und dann wurde das abgelehnt mit dem Hinweis auf das Ortsbild.
Das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden, heißt es in dem Schreiben der Stadt Hannover.
Ob das Hannover oder Badenstedt, unser Stadtteil hier, oder vielleicht nur die Kolpingstraße ist, das wissen wir nicht. Es klingt ein bisschen grotesk, aber da wissen wir wirklich nicht weiter.
Also bleibt der Bordstein hoch, und die Gehwegüberfahrt – wie hier am Kleinstwagenmodell demonstriert – über den Bordstein hoch, etwa 1,5 Meter rüber, bleibt illegal. Einige Straßen weiter könnte jetzt der Eindruck entstehen, Badenstedt sei ein kriminelles Pflaster. Stehen hier etwa alle illegal in ihren Einfahrten? Nein. Der Unterschied ist klein, aber fein und beträgt etwa zehn Zentimeter. Der Bordstein wurde hier von den Bewohnern ganz offiziell und auf eigene Kosten abgesenkt. Moment mal, wurde nicht genau diese Lösung dem Ehepaar Wallat untersagt, weil sie das Ortsbild beeinträchtige? Die Stadt will uns kein Interview geben, aber:
Nach dem schriftlichen Einwand des Ehepaars Wallat wird sich die Stadtverwaltung die Situation noch einmal genau ansehen und den Sachverhalt noch einmal eingehend prüfen. Dies wurde den beiden auch schriftlich mitgeteilt.
Währenddessen empfiehlt die Stadt das Laden am Garagenhof am Ende der Häuserreihe, etwa 50 Meter die Straße runter. Haben die Wallats doch eine Garage.
Bei unserem Garagenhof, der 1967 gebaut wurde mit Fertiggaragen, ist das nicht möglich. Hier gibt es keinen Strom.
Na, dann vielleicht doch die eigene Wallbox nutzen, ohne mit dem Auto den Gehweg zu queren?
Geht nicht.
Ein längeres Kabel würde leider über den Bürgersteig liegen und dafür bräuchte man dann eine Kabelbrücke. Und dafür wiederum bräuchte das Ehepaar Wallat eine Genehmigung. Es ist eine Farce.
Ich könnte zu jeder öffentlichen Wallbox, zu jeder öffentlichen Ladestation fahren. In Badenstedt gibt es hier eine im Dorf, aber das sind nur zwei Plätze. Und wenn die ganzen Autos da sind, dann stapeln die sich. Das dauert ein Weilchen, bis man da rankommt. Und beim Rewe ist noch eine, aber die ist auch immer voll.
Und der eigene Ladeplatz ist immer leer. Ende des Monats wollen die beiden Städter ihr Dilemma bei der Bürgermeistersprechstunde vortragen, denn sie wollen für diese Verwaltungsvorgänge Alternativen finden – für sich und alle anderen, die das Klima schützen wollen, auch wenn ihnen Steine in den Weg gelegt werden.

