Angeborene Prosopagnosie: Gesichtsblind! Kristina hat ihr eigenes Kind nicht erkannt
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Kristinas Sehvermörgen ist normal, aber trotzdem erkennt sie ihre eigenen Kinder nicht. Die 34-Jährige ist gesichtsblind. Eine Wahrnehmungsstörung, die Millionen Menschen betrifft. Wie Kristina damit lebt und den Alltag meistert, ist hat sie RTL erzählt.
Kristina Tomler dachte lange Zeit, sie sei einfach zerstreut, vergesslich. Bis sie ein schockierendes Erlebnis hatte.
Kristina Tomler, Bürofachkraft: „Das war als ich zu meiner Tochter in die Klasse gegangen bin und da saßen halt ganz, ganz viele Kinder und ich hab einfach meine Tochter nicht erkannt. (...) Bin da rein und dann hab ich in die Menge geschaut und bei jedem Kind versucht, in das Gesicht zu schauen. Aber ich konnte nicht, ich konnte sie nicht erkennen."
Der 34-jährigen fehlt die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen und voneinander zu unterscheiden – und das schon seit Geburt an.
Kristina Tomler, Bürofachkraft: „Ich sehe das Gesicht nicht als ganzes. Ich dachte halt, dass wir Menschen halt alle ziemlich gleich ausschauen. Wo es dann immer schlimmer und schlimmer wurde, wo ich dann wirklich gemerkt hab, Menschen grüßen mich auf der Straße und ich weiß nicht, wer das ist, dann hab ich mir gedacht: 'Ok, du musst da wirklich genauer hinschauen. Und dann bin ich zum Neurologen gegangen.“
Die Diagnose: Prosopagnosie – Gesichtsblindheit. Ein Fehler im Gehirn. Die Region, die sonst Gesichter speichert und wiedererkennt, arbeitet fehlerhaft. Das kann – wie bei Kristina - angeboren sein oder nach einer Hirnschädigung auftreten.
Betroffene sehen zwar Augen, Nase und Mund, können diese Teile aber nicht zu einer vertrauten Person zusammensetzen. Ein Gesicht bleibt für sie oft anonym.
Seit der Diagnose fiel es Kristina immer mehr im Alltag auf.
Kristina Tomler, Bürofachkraft: „Bei mir ist’s auch ganz schlimm beim Filme schauen, beim Serienschauen. Weil ich einfach nichts verstehe. Ich weiß nicht, wer wer ist.“
Noch problematischer: Wenn sie vertraute Personen auf der Straße nicht erkennt.
Kristina Tomler, Bürofachkraft: „Es sind schon Momente gewesen in meinem Leben, wo Menschen gedacht haben, dass das wirklich mit Absicht ist, dass ich wirklich mit Absicht so jetzt keine Lust habe und so tue, als ob ich die jetzt nicht erkannt hab.“
Heilbar ist die Erkrankung nicht. Aber die dreifache Mutter hat Strategien für sich entwickelt.
Kristina Tomler, Mutter: „Ich suche mir dann bestimmte Merkmale raus, zum Beispiel eine bestimmte Augenfarbe oder die Nase, ob die klein ist, groß ist. Es ist aber sehr schwer manchmal, weil es gibt Menschen, die haben nicht so besondere Merkmale, die haben dann ein typisches schönes Gesicht und das war’s dann.“
Auch wiederkehrende Kleidung, Bewegung oder Gangart helfen Kristina, Menschen wiederzuerkennen. Vor allem bei ihren drei Kindern orientiert sie sich daran, aber auch an den Haaren oder der Stimme. Obwohl die Krankheit vererbbar sein kann, sind ihre Töchter nicht betroffen. Sie helfen ihrer Mutter oft, Menschen im Alltag zuzuordnen.
Gerade bei neuen Bekanntschaften, hat Kristina oft Probleme.
Kristina Tomler, Bürofachkraft: „Am Anfang, wenn ich jemanden, dann sage ich das auch direkt, damit die Bescheid wissen, und ich kläre dann auch komplett auf. Für mich ist das wichtig.“
Nur zwei bis drei Prozent der Weltbevölkerung haben eine angeborene Gesichtsblindheit. Deswegen ist es für Kristina umso wichtiger, über die seltene Krankheit aufzuklären – und offen damit umzugehen.

