Regungslos sitzt der Angeklagte heute im Gerichtssaal. Ihm wird vorgeworfen, dass er seine Nachbarin Sabine Sräga absichtlich und mit hoher Geschwindigkeit umgefahren und lebensgefährlich verletzt haben soll.
"Aber ich werde nicht mehr die alte, physisch nicht, psychisch nicht."
Zu schwer wiegt das Trauma, welches der Nachbar bei ihr verursacht hat. Ein Streit mit unglaublichen bleibenden Folgen.
In dieser Nachbarschaft in einer bayrischen Kleinstadt kommt es in der Vergangenheit immer wieder zu Streitigkeiten. Neben Familie Sräga wohnt ein Autobastler, er hat eine Art Hobbywerkstatt. Zum Ärger der Anwohner, die sich durch den Autolärm gestört fühlen. Am 1. Oktober 2023 kommt es zum Eklat: Der laute Motor des Mustangs ist das Problem. Sohn Daniel Sräga geht zum Nachbarn und will die störenden Motorengeräusche stoppen.
Sohn Daniel:
"Dann gab es halt Streitigkeiten, Beleidigungen beiderseits."
Laut Anklage soll Daniel den Nachbarn an seinem Kapuzenpullover gezogen und ihm die Zigarette aus dem Mund geschlagen haben. Der Streit kühlt anscheinend schnell wieder ab, aber:
Sohn Daniel
„Dann hat er irgendwas Blödes halt aus seinem VW Bus rausgerufen und dann hab ich mir vor den VW Bus hingestellt und hab gesagt gut, dann rufe ich eben die Polizei."
Mit durchdrehenden Reifen soll der Nachbar daraufhin losgefahren sein, geradewegs auf Familie Sräga zu. Sohn Daniel schafft es gerade noch rechtzeitig auf Seite zu springen, doch seine Mutter Sabine wird offenbar frontal von dem Bus des Autobastlers erwischt.
"Ich habe versucht, mich am Scheibenwischer festzuhalten und irgendwie mitzulaufen, aber keine Chance, weil er war ja wirklich extrem schnell. {Ich habe mich auch eine Zeit lang festhalten können und wurde sehr zügig mitgeschliffen. Also richtig zügig eben über diese Schottersteine.}"
Dann bricht der Scheibenwischer und Sabine Sräga stürzt zu Boden. Der Nachbar soll mit dem VW Bus die 55-Jährige überrollt haben.
"Auch da hätte er bremsen können. Er hätte bremsen können. Er hätte jederzeit. Aber hat er nicht "
Stattdessen soll der Nachbar einfach weiter gefahren sein und sich offenbar vom Unfallort entfernt haben. Die ganze Familie steht unter Schock. Sabine Sräga erleidet einen Oberschenkelbruch, kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus. Der langwierige Heilungsprozess ist für sie der Horror.
"Es war die Hölle von bis die Löcher zu waren, bis dieses tägliche behandeln, alles neu lernen. Alles für jemanden, der vorher alles konnte. Hölle. Für mich war es die Hölle und für viele mehr war es auch die Hölle. Weil ohne Unterstützung hätte ich das nie geschafft."
Völlig gesund ist die Familienmutter bis heute nicht. Noch immer plagen sie Schmerzen, physisch und psychisch. Sie selbst sagt, sie wird nie wieder die Alte sein.
Von Reue seitens des Nachbarn fehle jede Spur. Selbst nach mehr als einem Jahr, habe er sich kein einziges Mal bei Sabine entschuldigt.
Jetzt muss der Nachbar sich vor Gericht für seine Taten verantworten. Für Familie Sräga ein erster Schritt, um mit den schrecklichen Geschehnissen auch nur annähernd abzuschließen. Sie hoffen auf ein hartes Urteil für ihren Nachbarn.
Dr. Tiedemannn, Pressesprecher Landgericht Ansbach
"Angeklagt ist der Versuch des Mordes in zwei Fällen daneben auch noch eine gefährliche Körperverletzung und Verkehrsdelikte."
Ob er des versuchten Mordes schuldig gesprochen wird, bleibt abzuwarten. Der Prozess dauert an. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft.
Verteidiger:
"Unser Mandant weist in großen Teilen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück . Er hat sich heute hier gegenüber dem Opfer der weiblichen Geschädigten entschuldigt und hat auch hierfür Verantwortung übernommen im Hinblick auf Körperverletzungsdelikte."
Ob die Entschuldigung von Herzen kommt? Das weiß nur er selbst. Sabine Sräga hätte sich schon viel früher eine Entschuldigung gewünscht. Aber der Prozessauftakt dürfte für sie ein Anfang sein, sich in der eigenen Nachbarschaft wieder sicher zu fühlen.