5-fach Mama Ulrike und 2-fach Mama Maria kennen es nur zu gut: Sie wirbeln durch ihren Alltag mit Multitasking!
„ich koche nebenbei vielleicht noch Hausaufgabenbetreuung, dann höre ich schon den Geschirrspüler oder den Wäschetrockner piepsen. Mein Gehirn steht quasi nie still.
Im normalen Alltag ist es eigentlich normal, dass man mehrere Sachen gleichzeitig macht und die dann auch fertig zu bekommen ist schon ne Mammutaufgabe manchmal“
Aber ist Parallel-Arbeiten wirklich effektiver? Wir machen den Praxis-Extrem-Test: Beide Mamas müssen die selben Aufgaben erledigen – mit einem Unterschied: während Maria alle Sachen gleichzeitig macht, wird Ulrike die Aufgaben nacheinander erledigen.
„ich glaube schon, dass es mir schwerfallen wird, alles nacheinander zu machen, weil ich die Person bin, der immer wieder was einfällt und was neues macht
Also ich denke, dass ich schneller fertig sein werde“
Das werden wir sehen! Wir stoppen die Zeit und messen den Puls. Und natürlich gibt’s noch eine extra Challenge, die Ulrike und Maria noch nicht kennen: Wir werden zusätzlich ein paar Infos reinstreuen, die wir am Schluss abfragen.
Was genau in unserem Gehirn passiert, während wir versuchen zu multitasken, weiß Psychologin Dr. Anja Kühnel.
„Also unser Gehirn ist so gebaut, dass wir nur eine bestimmte Aufmerksamkeitskapazität haben. Das Problem dabei ist einfach, dass wir beide Aufgaben nicht so richtig gut machen, weil wir eben versuchen, mit der Aufmerksamkeit irgendwie auf beiden Aufgaben zu bleiben, was eben nicht funktioniert“
Dennoch ist Multitasking fast aus keinem Alltag wegzudenken:
„na ich versuche, den Spagat zu schaffen zwischen alleinstehender Mutter, berufstätig. Kind. Selbständiger Beruf, Wohnung, einkaufen, Papiere, steuern, unterlagen, alles. Auf dem einem Arm das Baby, dann in die Küche, nen Kaffee machen oder was zu essen, dann noch auf Toilette, dann noch ihre Windeln wechseln“
Windeln wechseln müssen Maria und Ulrike heute nicht, dafür aber Handtücher zusammenlegen, ein Tiefkühl-Gericht zubereiten und sich fertig machen. Außerdem sollen sie ein Sudoku lösen.
Maria macht dabei wirklich alles parallel – Ulrike nacheinander.
„beim Wäschemachen legen es, es ruft mal jemand an, es klingelt an der Tür, wenn die Kinder zu Hause sind rufen Sie, dass sie Hilfe brauchen...
Heute muss sich Ulrike aber mal voll und ganz auf die Handtücher konzentrieren. Ihr Puls liegt bei 66. Maria dagegen unterbricht die Wäsche erstmal…
„So Sudoku, ja. Das nehme ich hier mal zum Kochen mit drüber“
…und hat so schon drei von den vier Aufgaben angefangen – und dabei einen deutlich höheren Puls von 93.
„besonders gut parallel machen können wir Sachen, die wir schon tausendmal gemacht haben. Während Sachen, die ein bisschen schwieriger sind, weil wir sie das erste Mal machen oder es überlegen und Aufmerksamkeit beansprucht, da können wir kaum wirklich parallel arbeiten, dann setzt mich das einfach unter Stress“
Ulrike hat sich erst auf die Wäsche, dann nur aufs Sudoku konzentriert und nach fast 9 Minuten geht es entspannt in der Küche weiter.
„es ist so ein bisschen ja fast Zeitverschwendung, hier stehen zu bleiben. Ich rühre jetzt nur um, weil ich weiter nichts zu tun habe. Ich komme mir sonst so nutzlos vor.
Das finde ich tatsächlich auch sehr interessant mit dem, dass man sich dann gleich nutzlos fühlt, weil man das Gefühl hat, man müsste eigentlich die ganze Zeit irgendwie effektiv irgendwas machen. .. Aber es ist einfach für unsere psychische Gesundheit wirklich vorteilhaft, einfach mal nichts zu machen“
Davon ist Maria weit entfernt - während das Essen köchelt und das Sudoku zumindest schon mal angefangen ist, schiebt sie das Fertig Machen dazwischen.
jetzt könnte ich eigentlich. Noch mal kurz nach meinem Sudoku gucken. Ich hab ja noch ne Minute. Und umrühren muss ich ja auch noch.
Wenn ich nicht meine volle Aufmerksamkeit auf die eine Aufgabe legen kann, dann leidet die natürlich da drunter und das führt dann eben oft dazu, dass wir in den Leistungen abfallen, dass wir so schlechter werden, einfach in den Aufgaben, wenn wir die Aufmerksamkeit teilen müssen und dann möglicherweise eben das auch nicht so schaffen oder einfach wirklich nicht schaffen, wie wir das gerne möchten.“
Wir steigern das Ganze noch und geben den Frauen Infos mit, die sie sich merken sollen – zum Beispiel die Einwohnerzahl Frankreichs:
„okay, schön zu wissen.“ – „Das habe ich gefühlt jetzt schon vergessen“
Ob Maria wirklich so unaufmerksam ist? Ihr Stresslevel ist weiterhin hoch, ihr Puls liegt weiter bei 93. Und die Arbeiten sind noch nicht erledigt!
Ulrike bleibt entspannt und braucht für alles rund 24 Minuten.
„Ich glaube, es gibt Aufgaben, die werde ich trotzdem gleichzeitig machen, wie das Essen kocht, ich lege nebenbei die Wäsche oder Räume den Geschirrspüler ein, weil das einfach so ne einfachen Sachen sind, die ich wirklich nebeneinander machen kann.
So wie Maria es versucht hat – sie hat dafür nur halb so lang gebraucht, rund 12 Minuten. Aber:
„Diese Anforderung mit dem Sudoku, was man eben nicht täglich macht. Das hat mich schon n bisschen gestresst. Das Kochen und. Andere, das ging eigentlich“
Und wie siehts mit unseren Extra-Fragen aus, was wollten wir nochmal wissen…?
„also Frankreich hat 68 Millionen Einwohner. Weihnachten ist dieses Jahr auf einen Dienstag und das Jahr hat achttausendsiebenhundertsechzig Stunden.
Das waren 68 Millionen, war das richtig? Dann sollte ich sagen dass Weihnachten dieses Jahr auf einen Dienstag fällt, oder wars ein Mittwoch, Dienstag. Und die dritte Frage war: wie viele Tage ne wie viele Stunden ein Jahr hat. 8760.“
Glück gehabt! Multitasking ist aus unserem Alltag zwar nicht wegzudenken, aber wir können es genauso machen wie Ulrike, so rät es die Expertin:
„wenn ich Multitasking machen möchte, dann würde ich versuchen, die Aufgaben so anzuordnen, dass sie eben tatsächlich miteinander auch einfach funktionieren, automatisierte mit nicht automatisierten Aufgaben, damit ich möglichst wenig Stress habe“
Heißt also: Wäsche zusammenlegen und die Kids nebenbei Vokabeln abzufragen funktioniert – und spart Zeit. Wenn wir uns jedoch konzentrieren müssen, sollten wir die Aufgaben lieber nacheinander erledigen.