Antje Boetius, Direktorin AWI Bremerhaven: "Das ist eigentlich der wirklich große Beitrag, den wir dort leisten mit der Station. Dass wir es ermöglichen, dass ganz langfristig hingeschaut wird wie geht es unserem Planeten Erde, wie geht es dem Meer und dem Leben darin. Das sind wiederum Anzeichen dafür wie geht es uns Menschen eigentlich, machen wir das Richtige" Forschung in der kältesten Region der Erde - weit weg von der Zivilisation - monatelang in fast völliger Einsamkeit - Arbeiten und Leben auf der Neumayer-Station 3. Das Ekström-Schelfeis im Norden der Antarktis: Hier befindet sich die Neumayer-Station 3. Die Anlage wird seit 10 Jahren vom Alfred-Wegener Institut in Bremerhaven betrieben. Antje Boetius, Direktorin AWI Bremerhaven: "Wir haben hier viel geologische Forschung, wir schauen auch dorthin, wo sich der Untergrund bewegt zum Beispiel, wir vermessen das Eis. Wir haben viel Atmosphären-Forschung, Wetter-, Klimaforschung, Ozeanforschung dort vor Ort.
Das ist ja sozusagen das Tor zum Weddell-Meer, wo auch viele der großen Änderungen, die derzeit so vor sich gehen, zu beschauen sind. Dann die Meereisforschung und natürlich nicht zuletzt die Biodiversitäts- und Naturschutzforschung" Für die Bremerhavener Forscher ist die Antarktis ein nahezu perfektes Labor: Denn der Kontinent trägt die größten Eismassen der Welt, das Südpolarmeer nimmt erhebliche Mengen von Kohlenstoffdioxid und Wärme auf - Klimaforschung ist immer auch Antarktisforschung. Dafür haben die Experten aus Bremerhaven 13. 000 Kilometer von der Seestadt entfernt eine hochtechnisierte Anlage gebaut. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Damit die Station nicht irgendwann im Schnee versinkt, steht sie auf beweglichen Stützen. Und wächst so um etwa einen Meter pro Jahr in die Höhe. Im Vergleich zu den Vorgänger-Stationen, die röhrenartig ins Eis gebaut worden sind, ist das aber nicht die einzige Neuerung.
Antje Boetius, Direktorin AWI Bremerhaven: "Wenn man dort ist, hat man auch eine Fensterfront und ist nicht in einer Höhle, einer Eishöhle oder Schneehöhle drin und ich war selbst gerade da und habe gesehen, wie gut das eben gelingt mit dieser Technologie, die wir dort haben auf der Station, den Überwinterern, den Forschern, ein gutes Zuhause zu geben" Sich wie zuhause fühlen bei bis zu Minus 50 Grad - Teilweise sind die Wissenschaftler bis zu 14 Monate ununterbrochen auf der Station. Während es bei den AWI-Kollegen in Bremerhaven jetzt langsam wärmer wird, fängt am Südpol der Winter erst so richtig an. Neun Forscher, Techniker und ein Koch sind dann für neun Monate auf sich allein gestellt. Kontakt zur Außenwelt und zur Zentrale hat das Team regelmäßig per Satellit und Videotelefonie." Zufrieden mit dem Ablauf und mit allem, was ihr jetzt so vorgefunden habt und wie es jetzt weitergeht? Ja, ich meine das ist jetzt der Zeitpunkt, auf den wir uns seit dem 01. 08. des letzten Jahres vorbereitet haben.
Jetzt hier allein zu sein, die Station auch zu kennen, die Abläufe zu kennen, sich auch wirklich sicher zu fühlen" Logistik-Chef Eberhard Kohlberg kennt diese Situation: Er hat selbst schon zweimal am Südpol überwintert. Jetzt kümmert er sich um die Logistik. Also um Lebensmittel-Bestellungen, Ersatzteile - und was man eben noch so in der Antarktis braucht. Eberhard Kohlberg, Logistiker: "Alleine 400. 000 Liter Diesel, die bestellt werden müssen. Die geliefert werden müssen, die vorhanden sein müssen für das Jahr, um genug Vorrat zu haben. Proviant, kann man ungefähr sagen, durchschnittlich pro Jahr 60 Tonnen Proviant werden angeliefert um übers Jahr zu kommen und noch eine gewisse Reserve zu haben, wenn das Schiff mal später kommt" Denn die bevorzugten Verkehrsmittel am Südpol sind der Eisbrecher "Polarstern" und Flugzeuge, die auf dem 200 Meter dicken Eis starten und landen können.
Angekommen auf der Station, spielt sich der Forschungs-Alltag in 118 Containern von der Gesamtgröße eines Fußballfeldes ab. Für ebensolche Freizeitaktivitäten ist da natürlich auch noch ein bisschen Platz.Eberhard Kohlberg, Logistiker: "Wir haben einen Sportraum zum Beispiel. Einen Billardtisch, Tischkicker, Tischtennis, man kann sich schon sehr vielfältig beschäftigen durch die Größe der Station, wie ich schon sagte. Eine Sauna haben wir auch noch, die sehr frequentiert ist. Und durch die Größe der Station ist eben auch relativ große Auslauffläche, auch wenn mal draußen richtig schlechtes Wetter ist und man nicht vor die Tür kann" Dabei ist es gerade die Welt draußen vor der Tür, die das Arbeiten und Leben auf der Station für die Forscher so interessant macht.
Tanja Fromm, Geophysikerin: "Die Weite, die Umgebung, das ist überhaupt nicht vergleichbar mit irgendwas, was man hier hat und das verliert auch seine Faszination über die Laufe der Jahre einfach nicht" Tanja Fromm hat insgesamt zwei Jahre auf der Neumayer-Station verbracht. Als Geophysikerin erforscht sie unter unter anderem das Erd-Magnetfeld. Und das verändert sich oberhalb der Messanlage gerade gewaltig.Tanja Fromm, Geophysikerin: "Das muss man einfach beobachten. Da kann man Theorien natürlich zu haben, aber ohne Messwerte und Vergleichswerte sind diese Theorien nur Theorien. Und diese Langzeitbeobachtungen, die zeigen eben auch, vor Neumayer, dass das Magnetfeld abnimmt und dass es weiter schwächer wird. Und diese Ergebnisse hätte man ohne die Station einfach nicht" Weil die Station permanent besetzt ist, eignet sie sich optimal für Langzeit-Studien.
Deren Ergebnisse sind für das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven von großer Bedeutung. Antje Boetius, Direktorin AWI Bremerhaven: "Das Wissen, was wir erzeugen, ist Entscheidungswissen. Das sind die Daten, die Beobachtungen, die wir alle, alle Menschen brauchen um das richtige zu tun. Auf Energiesysteme zu schauen, uns anders zu verhalten, Müll zu vermeiden und uns darüber im Klaren zu werden, dass das unser Planet ist, der auch künftigen Generationen ein gutes Zuhause geben soll. Dazu trägt Polar- und Meeresforschung bei, das zu wissen" Die AWI-Forscher wollen die Neumayer-Station 3 noch mindestens 20 Jahre betreiben. Um das, was um uns herum passiert, noch ein bisschen besser zu verstehen.