Nur wenige Meter trennen den Stalker von Jacqueline. Und das,obwohl sich Hans-Jürgen H. ihr eigentlich gar nicht nähern darf.
Frank Vacik, RTL-Reporter: "Heute morgen haben Sie schon wieder vor dem Laden gesessen. Sie kennen doch den Beschluss."
Hans-Jürgen H., Angeklagter: "Ich kennen keinen Beschluss."
Seit mehr als fünf Jahren bedrängt der Rentner die Verkäuferin. Gruselig. Nicht mal vor Jaquelines Tochter macht der Stalker halt.
Jacqueline H., Stalking-Opfer: "Egal, was für Anzeigen ich mache, und egal, wie viele Gerichtsverhandlungen zustande kommen, es passiert irgendwie für ihn nichts.
Denn der Rentner verstößt immer wieder gegen die Auflagen. Es scheint ihn einfach nicht zu interessieren. Nun begleiten wir Jacqueline erneut vor Gericht. Und hier dreht der 78-Jährige richtig auf.
Frank Vacik, RTL-Reporter: "Guten Morgen, warum kommen Sie denn jetzt zu spät zu Ihrem... HEY, jetzt reißen Sie sich zusammen!"
Bekommt keiner Hans-Jürgen H. in den Griff? Wann kommt Jaqueline endlich zur Ruhe?
Zum ersten Mal wird Jacqueline von Hans-Jürgen H. auf ihrer Arbeitsstelle angesprochen. Er ist damals ihr Kunde. Erst war es harmlos. Doch nach dem Tod von Jaquelines Mann 2018 versucht er intensiv Kontakt aufzunehmen.
Jaqueline H., Stalking-Opfer: "Dann spricht er mich an: Hallo, schöne Frau, und guten Morgen und schenkt mir doch ein Lächeln. Und solche Dinge halt."
Es bleibt nicht dabei. Hans-Jürgen H. findet heraus, wo Jacqueline wohnt. Er legt der 55-Jährigen immer wieder Sachen vor die Tür. Einmal liegt sogar ein Zettel von ihm bei, als er ihr Unterwäsche schenkt: "Ihr habt beide einen gleich tollen geilen Po. Das passt euch Beiden. “ - Mit ihr meint er NICHT NUR JAQUELINE, sondern auch ihre Tochter.
Jaqueline H., Stalking-Opfer: "Das unangenehme Gefühl, nicht zu wissen, wann werde ich beobachtet ? Ich musste im Haus Kameras installieren."
Jacqueline zeigt den Rentner mehrfach an. Im Juni 2020 wird er wegen Nachstellung zu einer Geldstrafe von 2.500 Euro verurteilt. Da das Stalking weitergeht, wird er zwei Jahre später erneut verurteilt: Drei Monate auf Bewährung. Und Jacqueline erwirkt ein Kontaktverbot. Doch auch daran hält er sich nicht. Wir erwischen ihn sogar vor einem Jahr auf frischer Tat, als er ihr vor dem Laden auflauert.
Erst in diesem September wird er zu weiteren fünf Monaten auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 500 Euro Strafe zahlen. Hans-Jürgen H. ist das scheinbar egal. Er stellt einfach weiter Präsente vor Jacquelines Tür.
Da der Rentner gegen das Urteil aus dem Jahr 2022 Revision eingelegt hat, nun also ein erneuter Verhandlungstag vor Gericht. Doch der Termin wird zum Affentheater. Erst taucht Hans-Jürgen H. nicht auf, dann plustert sich sein Anwalt, ein bekannter Rechtsextremist furchtbar auf. Am Ende des Schauspiels ziehen die beiden ihre Revision zurück.
Marika Lang, Landgericht Chemnitz: "Das heißt, wenn er weiter seine Opfer hier stalkt und das Annäherungsverbot nicht einhält, dann kann er letztendlich im Gefängnis landen."
Jacqueline beruhigt das nicht, sagt sie uns. Sie befürchtet, dass Hans-Jürgen H. einfach weiter macht.